Amazon Kündigung - Wikileaks

Die Sperrung der Wikileads Seiten auf Amazon Webservices hat mich veranlasst, mein Konto bei Amazon zu kündigen.

Kündigung meines Amazon Kontos – Löschung aller Daten

Sehr geehrte Damen und Herren,

Mir ist bewusst, dass die Veröffentlichungen von Wikileaks durchaus kontrovers diskutiert werden können.

Amazon Webservices dementiert in einer Stellungnahme, die Enthüllungsplattform Wikileaks auf politischen Druck hin von seinen Servern verbannt zu haben, und führt an, Wikileaks habe mehrfach gegen die Vertragsvereinbarungen verstoßen. Wikileaks besitze nicht die Rechte an den von ihnen veröffentlichten Dateien und stelle mit diesen Daten die Sicherheit der Übertragungswege der Amerikaner in Frage.

Ich halte dies für eine Schutzbehauptung – aus vier Gründen:

Rechtlich verantwortlich sind zunächst nur die Personen, die die Weitergabe der rund 250 000 Nachrichten aus dem US-Außenministerium ermöglicht haben.

Rechtlich handhabbar ist eine Sperre sicher auch dann, wenn ein Gericht Wikileaks die Rechte an der Veröffentlichung der Dokumenten abgesprochen haben sollte – was natürlich nicht geschehen ist.

In Deutschland macht sich mit dem neuen Presserecht kein Journalist strafbar, wenn er lediglich ihm zugespieltes Material veröffentlicht – jeder Presseserver ließe sich somit mit der genannten Begründung in Zukunft sperren.

Die Sicherheit der Übertragungswege der Amerikaner wird tatsächlich durch täglich betriebenen Machtmissbrauch, Korruption und Geringschätzung der „Partner“ gefährdet, und nicht durch die Veröffentlichung der zugehörigen Dokumente selber.

Die Sperrung von Wikileaks durch Amazon Webservices steht also wohl mehr unter dem Motto “Wenn man weiß, wer der Böse ist, hat der Tag Struktur” und erfolgte damit meiner Meinung nach in vorauseilendem Gehorsam zu den Verzweifelten Staaten und deren politischen Druck.

Die Firma Amazon hat sich damit einem Geist angeschlossen, der in den USA schon J.F.Kennedy letztendlich das Leben kostete, der für eine freie und offene Gesellschaft ohne Geheimhaltung eintrat. Dieses ehemals hochgeschätzte demokratische Amerika ist längst auf Betreiben der bekannten neokonservativen Kräfte in den USA untergegangen, und einem Staat mit einer kontinuierlichen Freiheitseinschränkung der eigenen Bürger und Okkupations-Konflikten in der ganzen Welt gewichen.

Ich möchte jedenfalls keine Einkäufe mehr tätigen, und auch keine Daten mehr gespeichert wissen, bei einem Unternehmen, das diese grundlegenden demokratischen Prinzipien nicht unterstützt, und bitte daher im Sinne des Datenschutzes, sämtliche von mir bei Ihnen gespeicherte Daten zu löschen, und diese Löschung zu bestätigen.

Mit Ihrem Service war ich im Übrigen immer sehr zufrieden.

Mit freundlichem Gruß
Andreas Kleffmann

Nachtrag – Paypal

Im Gegensatz zu Amazon hat Paypal offen die Gründe für die Sperrung der Wikileaks-Spendenkonten benannt:

US-Regierung setzt Paypal unter Druck

Paypal hat Wikileaks auf Druck der US-Regierung gesperrt. Das hat ein führender Mitarbeiter zugegeben.

“Das Außenministerium habe Paypal kontaktiert und erklärt, die Wikileaks-Veröffentlichungen seien illegal. Das Ministerium sei “sehr direkt” gewesen, erzählte Paypal-Vizechef Osama Bedier auf der Konferenz Le Web, die gegenwärtig in Paris stattfindet. Da sich das Unternehmen an die Gesetze der jeweiligen Länder halte, habe es sich entschlossen, das Konto zu sperren, sagte Bedier.”

Und was es bedeutet, wenn das US-Außenministerium sehr direkt wird, kann man zum Glück nun den auf Wikileaks veröffentlichen Depeschen entnehmen.

Paypal - Golem