Angst vor dem Aufstand - Aufstand aus Angst - Bürgerkrieg?

Was lange gärt, wird endlich Wut: Die renommierte “Washington Post” zitierte unlängst den Boss des amerikanischen Geheimdienstes CIA, Hayden, mit den Worten, dass Deutschland spätestens im Jahre 2020 nicht mehr regierbar sei. Der Werteverfall, die Islamisierung, die Massenarbeitslosigkeit und der fehlende Integrationswille einiger Zuwanderer, die sich “rechtsfreie ethnisch weitgehend homogene Räume” selbst mit Waffengewalt erkämpfen würden, sowie viele andere deutsche Probleme werden sich nach dieser Studie in einem Bürgerkrieg entladen. Doch mit dem Jahr 2020 hat sich Hayden noch reichlich viel Zeit gelassen, etwa weil die sprichwörtliche Geduldigkeit der Deutschen dabei berücksichtigt wurde?

Quelle - Readers-Edition 2010



Auch Udo Ulfkotte warnt in seinem Buch “Vorsicht Bürgerkrieg” vor ähnlichen Entwicklungen und bezieht sich auf diese Studie:

“In diesem Buch lesen Sie, in welchen Gemeinden, Städten und Stadtteilen Deutschlands die Bundesregierung zukünftig innere Unruhen erwartet.
Die Gründe dafür sind unterschiedlicher Natur: Finanzcrash und Massen-
arbeitslosigkeit, Werteverfall, zunehmende Kriminalität, Islamisierung, ständig steigende Steuern und Abgaben, der Zusammenbruch von Gesundheits- und Bildungssystem sowie die vielen anderen verdrängten Probleme, die sich entladen werden. Linke gegen Rechte, Arme gegen Reiche, Ausländer gegen Inländer, mittendrin religiöse Fanatiker – das explosive Potenzial ist gewaltig. Fast alles, was aus der Sicht der Deutschen bislang als »sicher« galt, ist nicht mehr vorhanden.”

Udo Ulfkotte - Vorsicht Bürgerkrieg

Eine weitere Quelle, unser “letzter” Bundeskanzler – Helmut Schmidt – gibt 2004 ein Interview zum Thema: Wieviel Anatolien verträgt Europa?

“Nächsten Monat wird er 86, doch politikmüde ist der frühere Bundeskanzler noch lange nicht. Gerade hat er in einem weiteren Buch (“Die Mächte der Zukunft”) seine Gedanken und Sorgen über die Lage in der Welt notiert. Dazu gehört auch das Wort vom “Kampf der Kulturen”, das in Deutschland neue Konjunktur hat. Kann man Millionen Moslems in diese Gesellschaft integrieren? Gehört die Türkei in die EU? Diese und andere Fragen beantwortet Helmut Schmidt im Hambuger Abendblatt.

…SCHMIDT: Verniedlicht nicht, aber das Wort Vernachlässigung ist insofern zutreffend, als die Deutschen und andere Europäer etwa seit den 60er Jahren versäumt haben, die bei uns aus fremden Kulturkreisen lebenden Menschen zu integrieren. Die von einigen intellektuellen Idealisten sogenannte multikulturelle Gesellschaft, also die Mischung europäischer und außereuropäischer Kulturen, ist bisher nirgendwo wirklich gelungen.

…SCHMIDT: Wir müssen die Gettos in den Großstädten auflösen, die zum Teil ja von den Behörden noch gefördert wurden. Nach dem Motto: Da leben sowieso schon so viele Türken, dort ist der Wohnraum billig. Also können noch mehr Türken dazukommen. Das war ziemlich gedankenlos. Die großen Fürsprecher der multikulturellen Gesellschaft leben übrigens nicht in Mottenburg, die leben oft in Villengegenden.

…SCHMIDT: Diese Idee (eines gemeinsamen Europas mit gemeinsamer Außenpolitik) hatten nur Idealisten, außerdem einige Schwätzer. Die Idee war immer irreal, denn niemals haben die Engländer oder Franzosen die Absicht gehabt, ihre nationale Autonomie über ihre Atomwaffen aufzugeben. Niemals im Traum hat irgendeiner der Staatschefs dieser beiden Länder vorgehabt, zugunsten von Herrn Solana seinen eigenen Außenminister, seine Botschafter oder Nachrichtendienste abzuschaffen. Wer davon geredet hat, war ein idealistischer Traumtänzer. Um zu glauben, daß dieser Kontinent, der sich seit etwa 1000 Jahren in Nationalstaaten entwickelt hat, von denen beinahe jeder seine eigene Sprache hat, sich innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer transnationalen Einheit verschmelzen kann, muß man wirklich ein Intellektueller sein. De Gaulle hat von einem “Europa der Vaterländer” gesprochen, das war ein kluges Wort. Man darf die europäische Integration vom Herzen her angehen; aber die Vernunft verlangt, immer nur schrittweise voranzugehen.”

Das vollständige Interview im Hamburger Abendblatt finden Sie hier:

Schmidt - Hambuger Abendblatt

Es gibt somit deutliche Kriterien, die die oben genannten Stimmen eben nicht in das Reich der Spekulation verweisen!

Es gibt aber auch die Angst vor Verlust – die sich so dokumentiert:

“Rohe Bürgerlichkeit und soziale Vereisung” – Langzeitstudie “Deutsche Zustände”

“Seit 2002 untersuchen Wissenschaftler in einer Langzeitstudie die Ausmaße, Entwicklungen und Ursachen von Vorurteilen in Deutschland. Aktuell haben die Forscher die Folgen der Wirtschaftskrise unter die Lupe genommen – und dabei eine “deutliche Vereisung des sozialen Klimas”, rohe Bürgerlichkeit und einen zunehmenden Klassenkampf von oben beobachtet. Die Feindbilder in einer durchweg wirtschaftlich geprägten Gesellschaft seien Muslime und “wirtschaftlich Nutzlose”.

Kulturloses und verrohendes Bürgertum

Diese Rohheit zeichne sich dadurch aus, dass es infolge von ökonomischen wie gesellschaftlichen Kriseneffekten deutliche Hinweise auf eine “entsicherte wie entkultivierte Bürgerlichkeit” gebe, die auch über “angeblich liberale Tages- und Wochenzeitungen” verbreitet werde. Die neue Formel des Abbaus von sozialstaatlichem Anrecht auf Unterstützung laute: Gnade durch Wohlhabende und Selbstverantwortung der sozial Schwachen.”

Tagesschau - Deutsche Zustände

Dann gibt es noch eine ganz andere Aussage zum kommenden Aufstand – aus dem linken Spektrum – von den “ausgemachten Verlierern” oder den o.g. “wirtschaftlich Nutzlosen” unserer Gesellschaft selber, in diesem Falle aus Frankreich.

“Welchen Blickwinkel man auch einnimmt, die Gegenwart ist ohne Ausweg.”

Mit diesen Worten beginnt das 2007 in Frankreich erschienene Manifest “L´insurrection qui vient” (Der kommende Aufstand). Es ist geprägt von einem tiefen Misstrauen gegen alle Organisationen und Institutionen, auch den nicht-staatlichen.

Obwohl die Franzosen einiges an Aufsässigkeit gewohnt sind, wirbelte das von einem anonymen “comité invisible” verfasste Buch viel Staub auf und führte sogar zur Verhaftung der mutmaßlichen Autoren.

“En route – se trouver – s´organiser – insurrection!”

Der kommende Aufstand – Ursprung im linken Spektrum Frankreichs

Zitat aus der FAZ:
“Seid faul und militant!
Autos brennen, Züge entgleisen, der Strom fällt aus: Überall wachsen die Lust auf Subversion und die Bereitschaft zur Sabotage. Wofür und wogegen kämpfen die neuen Linksradikalen? Das Buch „Der kommende Aufstand“ sucht Antworten.

…Die Autoren sind ein namenloses Kollektiv, was nicht verhindert hat, dass das Buch glänzend geschrieben ist. Das schmale Werk, das im Original den Titel „L'insurrection qui vient“ hat, könnte das wichtigste linke Theoriebuch unserer Zeit werden.

…Auflagenzahlen sind hier unerheblich, da das Werk im Netz frei verfügbar ist und gerade dazu anstiftet, Lesegemeinschaften zu bilden.

..Auch in „Der kommende Aufstand“ geht es um die Ausweglosigkeit eines immer subtiler operierenden kapitalistischen Systems, um die „Ausweitung der Kampfzone“: von den Schachtfeldern und den Märkten ins Private, Körperliche und Intime, um die Kolonisierung von Gedanken, Gefühlen und Genüssen durch den postmodernen Kapitalismus.

..Dagegen hilft keines der angebotenen Rezepte, finden die Autoren: Selbst eine Bewegung wie Attac oder die Wachstumskritiker von der „décroissance“-Bewegung seien nur der letzte Schrei – ein Wahn, der dem System zu einer noch wirksameren Durchdringung widerständiger Milieus verhelfe. Das Problem, so die Autoren, sind weniger die Parteien und Organisationen der Linken als vielmehr „das Milieu“. Im linken Milieu einer Stadt wie Paris finde nichts Wichtiges statt; dort werde nur üble Nachrede gepflegt, da richte man sich geradezu wollüstig ein im gesamtpolitischen Unwohlsein, im „mauvais confort“.

…Doch heute, so die Autoren des „Kommenden Aufstands“, müssten alle Franzosen erkennen, dass der Staat nicht nur nicht alles, sondern recht eigentlich „gar nichts mehr“ zustande bringe. Während tagaus, tagein vom Glanz der Republik und ihrer Institutionen die Rede sei, schrumpfe die Bedeutung des Nationalstaats, noch während man die Nachrichten schaut. Sarkozy macht Wind, aber kaum ein Hauch geht über das Land. Im praktischen Teil des Buchs, wo es um Subversion und Sabotage geht, stellen die Autoren fest, dass es für ihren Aufstand wohl effektiver wäre, Rungis einzunehmen, den Großmarkt von Paris, der Feinkostläden und Restaurants in ganz Europa beliefert, als den Élyséepalast.”

FAZ - Der kommende Aufstand

Das Buch ist absolut lesenswert – es gibt jenseits der üblichen politischen Dogmas ungeschminkt einen Einblick in die Welt derer, die unsere Gesellschaft als Verlierer ausgemacht hat, und führt mit einer brilliante Analyse im ersten Teil unsere gesamte “Wertegemeinschaft” vor.

Deshalb habe ich das frei im Internet verfügbare .pdf-Dokument in Form eines blätterbaren Buches aufbereitet:

Der kommende Aufstand

Auf den zweiten Teil des Buches bezogen, kann ich mich nur der FAZ anschließen:

“Nach dem Gewaltmonopol des Staates, nach dem Privateigentum und ohne öffentlichen Nahverkehr blüht höchstens ein sehr kurzer Sommer der Anarchie. Die unsichtbaren linken Militanten überschätzen ihre Kraft: Eine kollabierende öffentliche Ordnung würde nicht von Deleuze lesenden Kommunarden verbessert, sondern durch eine Mafia regiert. Wenn die Züge nicht mehr fahren, folgt nichts Besseres. Nach dem kommenden Aufstand kommen die schwarzen Geländewagen.”

Unabhängig von der jeweiligen These drängen sich aber in jedem Fall geschichtliche Parallelen auf.

Zur Begründung, und zur Verdeutlichung dieser Parallelen – hier im Auszug die Geschichte der Weimarer Republick – in zeitlicher Abfolge von Michael Palomino:

Die geistigen und politischen Kräfte gegen die Weimarer Republik 1919-1933

Wie die Politik und die Wirtschaft in Deutschland die Demokratie zum Sündenbock für die teils miserablen staatlichen Zustände stempelten

Chronologie von Michael Palomino (1998 / 2006)

Kommentar:
Die Chronologie zeigt das Zusammenwirken der Faktoren, wieso die Weimarer Republik in Deutschland 1919-1933 keine Überlebenschance hatte. Die Ereignisse sind ein Beispiel, was nicht geschehen darf, wenn Demokratie und Wohlstand erhalten werden sollen.

Michael Palomino, 1999 / 2005

Chronologie – Auszug:

Mai 1919
Der “Friede von Versailles” torpediert die junge Demokratie in Deutschland

[Das Diktat von Versailles beinhaltet nicht nur den Verlust aller Kolonien für Deutschland, sondern auch das Anschlussverbot für Deutschösterreich an Deutschland. Die deutschösterreichische Bevölkerung wurde seit dem Aufkommen des Nationalismus ab 1850 ca. der Anschluss schon vom Kaiser aus verboten. Frankreich will aber als Siegermacht die Abläufe in Europa bestimmen und setzt das Anschlussverbot mittels Erpressung mit Lebensmittellieferungen durch. Das Versailler Diktat gibt den rechten wie den linken antidemokratischen Kräften starke propagandistische Argumente gegen die Demokratie].

— die Annahme des Vertrages von Versailles macht in der jungen Weimarer Republik viele Perspektiven zunichte (S.25)

— Versailles ist eine grosse Ursache für den Hass auf die neue Demokratie, v.a. in der Obersten Heeresleitung (OHL)

— Weimar soll den Abbau der Armee in Kauf nehmen und der Status quo ist so durch Enttäuschung aufgehoben, es herrschen in der OHL Hass und Erbitterung (S.23) gegen die Feindmächte — der neue Staat wird von den einstigen Monarchie-Anhängern nicht mehr gestützt

— es bilden sich Heimwehren, Soldatenorganisationen, Freikorps, die nach eigenem Gutdünken agieren

— viele Gruppen fühlen sich durch die Weimarer Koalition nicht repräsentiert und verweigern die Unterstützung des Staates

— die Revolution wird zur “verwerflichen Tat”, die echte demokratische Volksbewegung findet nicht statt

— in dieser Situation fehlt demokratische Tradition und parlamentarische Übung

— das Bürgertum verrät die Demokratie total und schiebt die Kriegsniederlage und ihre Folgen von Versailles den neuen, demokratischen Machthabern in die Schuhe

— die Dolchstosslegende vom Munitionsarbeiterstreik der Kommunisten 1918 wird für viele Bürgerliche zum Lebensinhalt gegen die Demokratie (S.24). Die Selbstschutzverbände wenden sich ab Versailles gegen den Staat, weil die Ehre und die Idee des Staates preisgegeben seien. Nur die Republikaner halten mit Schaffensfreude an der Weimarer Republik fest (S.26).

Freikorps, Heimwehren und Selbstschutz kämpfen in kleinen Einheiten gegen kommunistische Einheiten

Auf eigenes Gutdünken hin kämpfen die Freikorps gegen kommunistische bewaffnete Einheiten, ohne Anordnungen der Regierung [und z.T. als Selbstschutz gegen polnische Aggressionen im Osten Deutschlands]. Die Freikorps leisten damit einen achtbaren Beitrag zur “Rettung” der Republik vor dem Kommunismus. Ebenso agieren Heimwehren und Selbstschutzverbände (S.33).

Die Freikorps, Heimwehren und Selbstschutzverbände werden von der Republik zur Sicherheit im Staat gebraucht, werden aber politisch nie berücksichtigt. Die Menschen greifen zur Selbsthilfe, um den Staat zu erhalten, weil der Staat – die “Weimarer Republik” – selbst geistig nicht fähig ist, den Selbstschutz zu organisieren (S.33).

1920-1933
Die Entwicklung gegen die Demokratie aus Frust und Trotz

Die Revolution erfüllt die Erwartungen nicht, denn die Angehörigen vergleichen die Geschehnisse immer mit der grenzenlosen patriotischen Begeisterung bei Kriegsausbruch 1914. Eine gemeinsame Aufgabe für eine geeinte Nation existiert nicht mehr. Alle Wünsche an das Gemeinschaftsgefühl werden enttäuscht [aus Unkenntnis um die Pluralität in der Gesellschaft und aus Naivität mit Glauben an die Parteienpropaganda] (S.31).

Die Entwicklung eines Staatsbewusstseins in der Demokratie wird so blockiert. Gleichzeitig fehlt es an wirtschaftlicher Wohlfahrt, und es fehlt die Verantwortung des Bürgers selbst (S.12).

Sontheimer:

“Der Weimarer Republik fehlte ein Staatsbewusstsein, das sich an die demokratische Republik gebunden fühlte und mit ihr in Einklang wusste.” (S.12-13)

“Das notwendige Minimum an staatstragender Gewinnung auf Seiten der Bevölkerung war nicht gewährleistet.” (S.18)

Die Weimarer Republik ist gemäss Soltheimer “eine Aporie [Situation der Ratlosigkeit], eine Demokratie quasi aus Verlegenheit”, eine “improvisierte Demokratie”, so Theodor Eschenburg (S.23).

Auch die freie Intelligenz der Weimarer Republik bekämpft z.T. die Demokratie (S.13).

Folge: Die Demokratie wird verhöhnt
— das Verhöhnen der Demokratie ist möglich, es ist erlaubt, die Demokratie als “undeutsch” zu bezeichnen
— die Schmähung der Staatssymbole und die Verleumdung von demokratischen Politikern ist möglich, und die Verleumder finden z.T. sogar “verständnisvolle” Richter (S.12).

Folge: Antidemokratisches Denken etabliert sich
Das antidemokratische Denken ist ein massgeblicher Faktor im Zersetzungsprozess der Weimarer Republik:

— das antidemokratische Denken versagt der demokratischen Republik die Unterstützung

— es wird Raum frei für andere Ideologien

— das antidemokratische Denken macht weite Kreise für die nationalsozialistische Revolution geistig und seelisch empfänglich

— es herrscht ein Bündel von Antithesen zur bestehenden liberalen Demokratie der Weimarer Verfassung

— die antidemokratischen Ideologien können zum Kampfmittel gegen die Demokratie werden (S.13), mit Ausnützung der Auffälligkeiten der Weimarer Republik (S.16). Mit dem antidemokratischen Denken werden zahlreiche politische Gruppen und Parteien von Propagandisten ideologisiert, die gezielt auf die Zerstörung der Demokratie hinarbeiten (S.16).

Die Freikorps, Heimwehren und Selbstschutzverbände gegen Weimar und gegen Angriffe von aussen

Die Einheiten werden zur Ordnung im Staat gebraucht, aber bekommen politisch nie eine Stimme. So wird nicht nur der Kommunismus zum Feind der Freikorps, sondern auch die Republik selbst. Die Freikorps haben die Republik “gerettet” [durch Abwehr polnischer Angriffe], dann werden ihre Einheiten aber aufgelöst und sogar als “staatszerstörende Kräfte” taxiert. Sie bilden sich zu paramilitärischen Ordensverbänden um. Damit werden sie zu besonders aktiven Trägern der antidemokratischen Bewegung. Die Weimarer Republik wird für sie nur ein Ersatzstaat, ein Übergangsstaat (S.33) Ziel der Wehreinheiten wird die konservative “Erneuerung” (S.34). Die Freikorps-Gruppen, deren Nachfolgegruppen und die Parlamentarier können sich nicht auf den Begriff “Staat” einigen… (S.33)

Andere demokratie-feindliche Gruppen können sich weder rechts noch links zuordnen

Die Liberalen zweifeln am eigenen Programm, koalieren mit dem “Jungdeutschen Orden” und bekommen immer weniger Stimmen (S.27). Auch das Zentrum und die Sozialisten können sich mit der Weimarer Republik nicht identifizieren, die Sozis fühlen sich um die Revolution betrogen (S.28). Für die anti-demokratischen Gruppen erscheint die Weimarer Republik als ein Provisorium. Eigentlich will niemand die Republik (S.28). Allgemein werden die demokratiefeindlichen Bewegungen aber erst ab Ende der 1920-er Jahre zum mächtigen politischen Faktor [der Börsencrash von 1929 bringt das “Fass zum Überlaufen”] (S.26). ab 1921

Es gibt keine Mehrheit der wirklich demokratisch gesinnten Parteien
Um Mehrheiten zu schaffen, wird die Rechte beteiligt, die aber eigentlich das parlamentarische System immer ablehnt (S.27).

1922
[Ergänzung: Mussolinis “Marsch auf Rom” etabliert eine erste Diktatur in Europa und wird Vorbild gegen die Demokratie].

1923
[Ergänzung:
Frankreich besetzt das Ruhrgebiet
Die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebiets wird von der deutschen Politik mit einem nationalen Streik beantwortet, mit einer ersten Hyperinflation als Folge. Der Mittelstand verliert erstmals das gesamte Vermögen. So liefert der französische Einmarsch ins Ruhrgebiet allen Feinden der Demokratie neue Argumente gegen das demokratische Frankreich].

Oktober 1923
[Hitlers geplanter Marsch auf München und Berlin schlägt fehl
Hitler will Mussolini als Vorbild nehmen und versucht die rechte Revolution mit einem NS-Marsch auf München und dann nach Berlin, wird aber schon in München inhaftiert und die NSDAP wird aufgelöst].

ab 1923
Die Arbeit gegen die Demokratie fasziniert ganze Gruppen
Weltanschauungen gegen die Demokratie können sich über die Massen ausbreiten. Sontheimer: “War etwa in den Massen der Wunsch vorherrschend, sich der eigenen Verantwortung zu entledigen und wieder gehorchen zu dürfen, so war die theoretische Entsprechung dieses Wunsches die Idee des Führertums.” (S.17)

Die Radikalität der antidemokratischen Gruppen
Mit der Zeit überwiegt bei den Antidemokraten die Machtgeilheit. Es wird ihnen egal, welche Mittel gegen die Demokratie verwendet werden und mit welchen Mitteln ihre “Wahrheit” verbreitet wird (S.18). Die Praxis der Gewalt, die nicht geahndet wird, entzieht der demokratischen Republik geistig den Boden, löscht das Staatsbewusstsein aus und zerstört das junge, neue Staatsbewusstsein (S.19).

Versäumnisse der Demokraten
Auch die Demokraten begehen Versäumnisse, und die Rechtsprechung der deutschen Staatsrechtswissenschaft schützt die Demokratie nur ungenügend (S.19)

1925
[Ergänzung: Neugründung der NSDAP und Extremisierung durch Leitlinie “Mein Kampf”]
Das Buch “Mein Kampf” ist ein rassistisches Buch unter vielen der damaligen Zeit. Die “völkische” [rassistisch-darwinistische] Ideologie erhält nun absolutes Format und bekämpft kompromisslos die Republik (S.38). [Ab 1927 ab der Publikation des zweiten Teils von “Mein Kampf” weiss die ganze Welt, dass Hitler einen “Germanenzug” gegen Russland plant, und ab 1945 will es niemand gewusst haben…]

ab 1928
[Wachsende Arbeitslosigkeit] – Aufstieg der Zeitschrift TAT unter Hans Zehrer
Die TAT ist eines der rechtslastigen, antidemokratischen Blätter (S.36).

ab 1929
[Börsencrash in New York, Arbeitslosigkeit und Inflation] – die Rechten und Linken machen viele Vorwürfe, bieten aber kaum Programm – noch mehr Argumente gegen die Demokratie

Der Hauptvorwurf der Rechten und Linken ist, der neue Staat habe gegenüber dem Kaiser-Wilhelminismus nichts Neues gebracht. Die Demokratiegegner fordern eine geistige und soziale “Erneuerung”. Zu einem einheitlichen Vorgehen kommt es aber nie, sondern die Jungkonservativen kritisieren Patrioten und Liberale, die “Jungdeutschen” bekämpfen die “Spinne” Hugenberg und die liberalen Institutionen etc. (S.39). Es gibt keine geschlossene Opposition gegen den Weimarer Staat, aber die vielen antidemokratischen Gruppen verhindern in grossen Kreisen die Bindung an den Staat. Gleichzeitig beklagen die Oppositionellen z.T. ihre Uneinheitlichkeit (S.40).

[Ab dem Börsencrash und seinen Auswirkungen mit der Passivität der Millionäre und Milliardäre der Welt ist das Schicksal der Demokratie in Europa besiegelt. Der Börsencrash nimmt nun endgültig den Massen die Existenz, treibt Massen in die Arbeitslosigkeit, und diese Massen suchen Halt in extremen rechten Parteien, so dass das Bündnis mit der NSDAP am Ende fast 50 % gewinnt].

Die Arbeitslosen werden politisiert

Ideologische Strömungen der Intellektuellen paaren sich nun mit Wünschen der Masse der arbeitslosen Arbeiter. In der Folge kommt es zur oppositionellen Massenbewegung gegen die Zustände in der Weimarer Republik mit Demonstrationen und Märschen. Das antidemokratische Denken ist der “Kitt” der politischen Opposition gegen die Republik (S.18). [Die Oberschicht und die Gesetzgebungen kennen noch keine Menschenrechte, keine Umschulungsprogramme, keine Regulierung im Wirtschaftswesen. Es herrscht der nackte, finanzielle Darwinismus].

Die demokratiefeindlichen Bewegungen werden zu einer mächtigen Geistesbewegung, die politische Grösse hat (S.26). Dazu gesellen sich die Verlierer der Inflation und der Wirtschaftskrise: der Mittelstand. Und auch grosse Teile der gehobenen Schichten schliessen sich gegen die Demokratie zusammen (S.27).

[Die “Demokratie” ist Sündenbock für alles, und aus dem Gefühl der Inflationsverluste, Gebietsverluste und Vorschriften von 1919 – z.B. eine nie gelöste Reparationenfrage – potenziert sich der Frust]. Die Liberalen erreichen aufgrund ihrer Programm- und Glaubwürdigkeitsschwäche mit zweifelhaften Bündnissen fast den Nullpunkt (S.27).

Die NSDAP wird Sammelbecken zur Sehnsuchtserfüllung auf Wohlstand

— die NSDAP wird die einzige Massenpartei der Opposition

— sie erfüllt die Sehnsucht nach Ablösung der Republik durch einen autoritären Staat

— Details wie Rassismus und rassistische Gesetze werden angesichts der Hoffnungslosigkeit der Massen immer mehr egal (S.40)

— Hitler wird zur zentralen Figur gegen die Demokratie

— die Unterscheidung zwischen altem und neuem Nationalismus ist bei der NSDAP verwischt, die Deutschnationalen geben ihre Restaurationsziele der Wiedereinsetzung des Kaiserhauses auf und wenden sich den Parolen des Nationalsozialismus zu, so dass es in den Denkweisen kaum noch Unterschiede gibt (S.41).

Papens Allianz Deutsch-Nationale – Jungkonservative
Berliner Jungkonservative propagieren den “neuen Staat”, den das Papen-Regime aus der Taufe heben will. Dabei wird Papen von den Deutsch-Nationalen getragen und vollbringt die Allianz zwischen den alten und den neuen Nationalen (S.41).

1930-1933 / letzte Jahre der Weimarer Republik
Zusätzliche Opposition gegen die Demokratie durch die Ideen der “Jungnationalen Rechten”
Die Jungnationalen Rechten beherrschen zum Teil die Szene (S.15) mit Vorstellungen einer “autoritären Demokratie” gegen die liberal-demokratische Verfassung (S.16). [Viele europäische Staaten sind zu diesem Zeitpunkt bereits zu Diktaturen geworden].

1931

Sprunghaft ansteigende Wahlerfolge der “völkischen” Rassismus-NSDAP in der Wirtschaftskrise

Da die Oberschichten auf ihren grossen Vermögen sitzen bleiben und die Wirtschaft die zweite Inflation innerhalb 10 Jahren zulässt bekommt die NSDAP nun starken Zulauf. Auch Junge Nationalisten wählen nun NSDAP und steigen auf. Im Kern bleibt der Nationalsozialismus aber “völkisch” [rassistisch-darwinistisch, wie in “Mein Kampf” beschrieben, und alle haben es gewusst… (S.38).

[Viele Leute in Deutschland sehen im Lagerkampf zwischen NSDAP und Kommunisten (KPD) die NSDAP als Garant für einen funktionierenden Staat. Die Meldungen aus Russland über die kommunistischen Zustände im sozialen und geistigen Bereich mit Zerstörung von Kirchen, Mord an Geistlichen und Zerstörung familiärer Strukturen und Gulag in Sibirien etc. sind ein solcher Horror, dass schon allein dadurch die Menschen zur NSDAP getrieben werden. Auch wegen der dauernden Inflation wird die NSDAP zur Fluchtburg für viele, die Ihr Geld in der Inflation “verloren” haben…]

gleichzeitig:
— Aufkommen von Nationalbolschewisten
— viele sagen voraus, Links und Rechts würden sich zu einer gemeinsamen Staatsordnung verschmelzen (S.39).

Mai 1933
Machtübernahme Hitlers zusammen mit der Harzburger Front
Die neuen Ideen nach 1918 gewinnen die Oberhand und bestimmen das Geschehen der politischen Rechten. Gemäss Sontheimer handelt es sich dabei um eine “faszinierende Mischung von Revolutionär-Zukünftigem und Revolutionär-Rückschlägigem […], die das eigentliche Verhängnis der ganzen Bevölkerung ist.” (S.41)

[Der Rassismus-Darwinismus unter Hitler ist für die Oberschicht in Deutschland kaum relevant, solange Deutsche in der Rangliste “zuoberst” gewertet werden. Viele Industrielle meinen, Hitler sei nur eine “Übergangslösung” und er werde sich nicht lange halten können. Die Bevölkerung misst Hitler allgemein an der Reduzierung der Arbeitslosigkeit und ist zufrieden mit Arbeit und Brot, z.B. durch den Autobahnbau. Hitler verspricht jedem Deutschen ein “Volksauto”, wie es in den “USA” mit dem Auto “Ford T” der Fall ist. Die Profilierung des Hitler-Regimes durch die Olympiade 1936 und der Österreich-Anschluss 1938 lassen die deutsche Bevölkerung in einen Taumel der Euphorie verfallen, so dass Opposition immer unmöglicher wird. Und die Deutschen hoffen immer noch auf ein Auto, das sie im Voraus bereits zum Teil bezahlt haben…

Den gesamten Artikel im Original finden Sie hier:

Geschichte - Weimarer Republik

Die aktuelle Entwicklung in den USA, in Deutschland und in einigen anderen Ländern Europas zeigt, auf welchem Wege wir uns befinden – aus Angst vor Verlust die gleichen Fehler zu wiederholen, oder – abgestellt in die Gleichgültigkeit – die gleichen Fehler zu beschleunigen, und die Reste unserer Demokratie nachhaltig zu beschädigen.

“Freiheit und Demokratie in der industriellen Gesellschaft sind nur denkbar, wenn eine ständig wachsende Zahl von Menschen ein gesellschaftliches Bewußtsein entwickelt und zur Mitverantwortung bereit ist. Ein entscheidendes Mittel dazu ist politische Bildung im weitesten Sinne. Sie ist ein wesentliches Ziel aller Erziehung in unserer Zeit.” – Godesberger Programm 1959

Diese Erziehung hat wohl nicht stattgefunden – oder ist jämmerlich gescheitert!