Moratorium der Kanzlerin

Ich schätze und unterstütze Wikipedia wegen solch prägnanter Definitionen:

Ein Moratorium (lat. morari für “verzögern”, “aufschieben”) ist allgemein die Entscheidung, eine Handlung aufzuschieben oder zeitlich befristet zu unterlassen oder ein Abkommen vorübergehend außer Kraft zu setzen.

Wikipedia - Moratorium



Unsere Bundesregierung hat sich nach den Ereignissen in Japan ein „Moratorium“, also eine „Verschiebung“ für die Laufzeitenverlängerung der Kernkraftwerke aus dem Herbst 2010 verordnet – pünktlich zu den anstehenden Wahlen.

Einer unserer Ichlinge im Gelbhemd , Minister Rainer Brüderle von der FDP, hat dazu protokolliert vom BDI folgendes Statement gegeben:

„Herr Dr. Keitel machte darauf aufmerksam, dass derzeit eine Meldung über die Ticker laufe, wonach die Bundesregierung am Nachmittag ein Moratorium der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke bekannt geben wolle. Der Minister bestätigte dies und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien. Er sei ein Befürworter der Kernenergie in Deutschland und für ihn sei klar, dass die energieintensive Industrie in der Wertschöpfungskette gebraucht werde. Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde.“

Quelle und Original



Zur Erinnerung – der Status Quo in Japan am fraglichen Tag:

„Wasserstoffexplosion in Block drei von Fukushima-1. Ausgefallene Kühlsysteme in Block zwei und drei. Und dann, um 12:57 Uhr, Hinweise auf eine Kernschmelze im dritten der sechs Reaktoren. Es ist der Montag nach dem Beben in Japan, eine Katastrophenmeldung jagt die nächste. Es ist jener Montag, an dem die Bundesregierung eine politische Wende vollzieht, wie es sie in der jüngeren Geschichte in so kurzer Zeit nie gegeben hat. Vormittags beraten Parteipräsidien fieberhaft über die Konsequenzen aus Fukushima. Bis zu den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind es keine zwei Wochen mehr, und die Bilder aus Japan sind schrecklich. Etwas muss geschehen mit der Atomkraft, und zwar schnell.“

„Zur gleichen Zeit tagt im Haus der Deutschen Wirtschaft, gut zwei Kilometer vom Kanzleramt entfernt, ein anderer Führungszirkel: die Spitze der deutschen Industrie. Präsidium und Vorstand des Lobbyverbandes BDI sitzen im Amerongen-Schleyer-Saal zusammen, knapp 40 Bosse der mächtigsten Unternehmen des Landes. Gegen 13 Uhr, die Nachricht von der Kernschmelze läuft gerade über die Ticker, tritt Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle auf. Der FDP-Mann soll über Industriepolitik sprechen.“

„Was es denn mit den Meldungen von dem Moratorium auf sich habe, will BDI-Präsident Hans-Peter Keitel wissen. Ausweislich des Protokolls der Sitzung gibt Brüderle darauf eine folgenschwere Antwort: “Der Minister bestätigte dies”, steht darin, “und wies erläuternd darauf hin, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen Druck auf der Politik laste und die Entscheidungen daher nicht immer rational seien.” Im Übrigen sei er, Brüderle, ein Befürworter der Kernenergie, auch mit Rücksicht auf Branchen, die besonders viel Energie verbrauchen. “Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde”, befindet Brüderle laut Protokoll.“

Die Originalquelle – Süddeutsche Zeitung

Ich halte somit fest:

Die Entscheidungen der Politik sind nicht immer rational, nichts wirklich Neues, aber immerhin eine klare Stellungnahme. Angesichts der laufenden Ereignisse in Japan ist es wohl mehr als grotesk, wenn sich unsere Politik über Wertschöpfungsketten, anstatt über Sicherheit Gedanken macht.

Wasserstoffexplosion in Block drei von Fukushima-1. Ausgefallene Kühlsysteme in Block zwei und drei. Und dann, um 12:57 Uhr, Hinweise auf eine Kernschmelze im dritten der sechs Reaktoren. Es ist der Montag nach dem Beben in Japan, eine Katastrophenmeldung jagt die nächste.

In Deutschland ist dies natürlich nicht möglich, hat doch unsere Kanzlerin mit der Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke noch im Herbst 2010 verordnet:

„Merkel pries den getroffenen Beschluss als “Revolution in der Energieversorgung”. Die Energieversorgung Deutschlands werde “damit die umweltfreundlichste und effizienteste weltweit”. Man habe nun einen Fahrplan, um das “Zeitalter der erneuerbaren Energien möglichst schnell zu erreichen”.“

Spiegel - Revolution

Wasserstoffexplosion in Block drei von Fukushima-1. Ausgefallene Kühlsysteme in Block zwei und drei. Und dann, um 12:57 Uhr, Hinweise auf eine Kernschmelze im dritten der sechs Reaktoren. Es ist der Montag nach dem Beben in Japan, eine Katastrophenmeldung jagt die nächste.

Bei uns aber nicht – nein, wir brauchen nicht einmal ein Erdbeben, bei unserer “Revolution in der Energieversorgung” fallen die AKW´s schon mit einfachem Raureif aus, und zwar endgültig, wie folgt:

„Acht deutsche Atomkraftwerke stehen momentan still. Ausgerechnet die beiden Reaktoren in Gundremmingen laufen aber weiter. Es sind zwei Siedewasser-Reaktoren, baugleich mit denen im japanischen Fukushima. Und genauso wie heute in Fukushima kam es in Gundremmingen auch schon zu einem Totalschaden am Reaktor, einem der schwersten Fälle in der deutschen Atom-Geschichte.

Am 13. Januar 1977 gab es so viel Raureif, dass die Stromleitungen zum Atomblock A in Gundremmingen unter der Last rissen. Der im Reaktor produzierte Strom floss nicht mehr ab, weil es keine Verbindung zum Stromnetz mehr gab. Zwar schaltete sich Block A noch selbst ab. Dann aber versagte die Kette der sicherheitstechnischen Systeme: Die Energie, die der Reaktor noch weiter freisetzte, beschädigte den Reaktorkern schwer. Nie wieder sollte Block A des Atomkraftwerks Grundremmingen ans Netz gehen können.“

TAZ - Raureif

Wasserstoffexplosion in Block drei von Fukushima-1. Ausgefallene Kühlsysteme in Block zwei und drei. Und dann, um 12:57 Uhr, Hinweise auf eine Kernschmelze im dritten der sechs Reaktoren. Es ist der Montag nach dem Beben in Japan, eine Katastrophenmeldung jagt die nächste.

Brüderle und Merkel werden aber ernsthaft noch von einem Japaner übertroffen, wie das folgende Video bezeugt, das sich aktuell an die Kinder in Japan richtet:

“This video was created based on the simple analysis of the current state of the Fukushima Nuclear power plant by media artist Kazuhiko Hachiya (@hachiya on twitter) or http://togetter.com/li/111871

Neither Mr. Hachiya nor video creator is an expert on the subject, and we advise you to obtain acurate information from the Tokyo Electric Power Company.

My thoughts and prayers are for those affected by the disaster. And for us living outside of an affected area, should not take irrational action based on unofficial reports.

We're hoping for everyone's quick recovery so more people can have a smile.”

(Subbed) Nuclear Boy

So more people can have a smile! – “Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde”, befindet Brüderle laut Protokoll.“ – Der muss dieses Video einfach gesehen haben!

Inzwischen sind wir hier angelangt:

„Ausbildungsanforderungen: keine
In Fukushima wurden drei Männer im beschädigten Atomkraftwerk extremer radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Sie erlitten schwere Verbrennungen an den Beinen.“

„Fest steht, dass sie dort in radioaktiv verseuchtem Wasser stehen mussten, um zu arbeiten. Sie hatten zwar Schutzanzüge an, aber laut Medien keine langen Stiefel. Das Wasser stand nach Angaben des japanischen Fernsehens 15 Zentimeter hoch. Es lief den Männern von oben in die Schuhe, wodurch sie sich die schweren Verbrennungen an den Beinen zuzogen. „Der Vorfall wirft Zweifel an der Sicherheitsüberwachung auf“, erklärte ein Kommentator des japanischen TV-Senders NHK.“

FAZ - Ausbildungsanforderungen

All das entwickelt sich in Japan, allerdings um einige Dimensionen dramatischer, genau zu dem, was ich hier bereits dargestellt haben.

In Japan wird man erst in den kommenden Wochen die gesamte Dimension der atomaren Verseuchung einigermaßen überblicken – Japan steht wohl am Anfang einer Atomkatastrophe eines Außmaßes, die es auf der Erde bisher nicht gegeben hat!

Dabei sind wir in der Energierversorgung mitnichten alternativlos!

Alternativen in der Energieversorgung – 2012 bereits verfügbar, aber nicht in der Presse, sondern nur im Internet:

Kalte Fusion in der Black Box?

„Wenn allerdings stimmt, was der Ingenieur Andrea Rossi angekündigt und in Italien demonstriert hat, dann kommen Aggregate zur Wärme- und Stromerzeugung aus Kalter Fusion bereits bis 2012 auf den Markt. Diese Ankündigung hat sogar die Experten des Fachgebiets überrascht. Während die Welt sich mit atomarer Verwüstung und einem neuen Ressourcenkrieg konfrontiert sieht, wird im Internet ein möglicher technologischer Durchbruch diskutiert, den der Zukunftsforscher Gerald Celente bereits mit der Entdeckung des Feuers vergleicht.“

„Bis 2012 würden die ersten Geräte mit Wartungszyklen von einem halben Jahr auf den Markt kommen. Eine Kilowattstunde Strom würde voraussichtlich 1 Cent kosten und wäre damit mindestens zehnmal günstiger als derzeit käuflicher Kohlestrom und 25 mal als “grüner” Strom. In zwei bis drei Jahren soll die Massenproduktion auf Hochtouren laufen.“

Heise - Kalte Fusion

Warum nicht in den Printmedien? Die Antwort wurde bereits gegeben:

“Es könne daher keinen Weg geben, der sie in ihrer Existenz gefährde”, befindet Brüderle laut Protokoll.“