stern.de – oder wie man sich informiert, so weis man

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier hat an einem beliebigen Tag das Online-Angebot des Stern untersucht – das Ergebnis kann man in seinem Artikel “stern.de: Anatomie einer Attrappe” nachlesen

„Der Verlag Gruner+Jahr nennt stern.de „eine Art ‚Antwortmaschine’ von Menschen für Menschen. Alle Nachrichten werden auf ihre Bedeutung für den User fokussiert und mit weiterführenden multimedialen Inhalten verlinkt”. Der Werbevermarkter ems schreibt, stern.de richte sich „an alle, die aktuelle Themen nicht nur wissen, sondern deren Bedeutung für ihr Leben verstehen wollen”. Chefredakteur Frank Thomsen zählt seine Seite zur „Spitzengruppe” der „News-Websites”.

Nun.

367 Artikel hat stern.de gestern veröffentlicht. Knapp 300 davon sind Agenturmeldungen, die vollautomatisch in den „Nachrichtenticker” von stern.de einfließen. Es verbleiben 76 Artikel (Übersicht).

Davon sind:
• 33 Text-Meldungen von Nachrichtenagenturen
• 23 Videos der Nachrichtenagentur Reuters
• 4 Promotion-Artikel für „Stern-TV”
• 3 Übernahmen aus anderen Medien (RTL, „Finanztest”, FTD)
• 5 Bilder-Galerien

Es verbleiben:
• 8 Eigenberichte“

Quelle und Grafik

Die interessante Studie zeigt nun, dass über 80% der Artikel für die ‚Antwortmaschine’ von Menschen für Menschen nicht der Mensch, sondern die Maschine schreibt, und für den kümmerlichen Rest von 8 Eigenartikeln wahrscheinlich auch nur noch ein Redakteur und ein Praktikant zuständig sind.

stern.de-Chefredakteur Frank Thomsen nennt seinen Internetauftritt ein „modernes journalistisches Angebot, das u.a. junge Zielgruppen an die Marke stern bindet und das Geld verdienen soll”.

Ob diese Zielgruppe wohl ahnt, wie vorkonfektioniert und gleichgeschaltet sie da informiert wird?

Man kann bei den gestiegenen Besucherzahlen für stern.de daher annehmen – nein – das Plagiat ist wohl ein akzeptiertes Merkmal unserer Kultur des Betruges.

“Presse, Rundfunk, Fernsehen und Film erfüllen öffentliche Aufgaben. Sie müssen in Freiheit und Unabhängigkeit überall und unbehindert Informationen sammeln, bearbeiten, verbreiten und unter eigener Verantwortung Meinungen bilden und aussprechen dürfen. Rundfunk und Fernsehen müssen ihren öffentlich-rechtlichen Charakter behalten. Sie müssen freiheitlich-demokratisch geleitet und gegen Interessentendruck gesichert sein.” – Godesberger Programm 1959