Kultur des Betruges – Griechenland und das Finanzministerium

Das Magazin Monitor hat einen weiteren Beitrag zu Kultur des Betruges geliefert – diesmal aus dem Finanzministerium.

„In Griechenland kostet ein Pfund Butter inzwischen 5,- €, dabei haben viele Arbeitnehmer seit Monaten gar kein Gehalt mehr bekommen. Und es muss noch viel mehr gespart werden. Deutschland und die europäische Staatengemeinschaft streiten derweil über zusätzliche Milliardenhilfen. Nur einige haben – offenbar still und heimlich – ihre Scherflein ins Trockene gebracht: deutsche Privatbanken und Versicherungen. Wie, sagen Sie jetzt, sollten die nicht auch beteiligt werden? Stimmt, eigentlich. Aber ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich…..

…Showdown demnächst im Bundestag? Eine Abstimmungsniederlage vor aller Augen. Das will der Finanzminister unbedingt vermeiden. Er brauchte eine Idee, eine publikumswirksame Idee. Sein Vorschlag: die Banken sollen mitbezahlen, wenigstens ein bisschen. So steht es in diesem vertraulichen Regierungsdokument, geschrieben in Englisch für Europas Minister: extended maturities 7 years, eine Laufzeitverlängerung für sieben Jahre, freiwillig. Eine sanfte Umschuldung, bei der die Gläubiger stillhalten, und so Milliarden zur Rettung beisteuern.

Wolfgang Schäuble, Bundesfinanzminister, CDU, am 10.06.2011: “Ein deutliches Signal an alle, dass eigene Verluste nicht umstandslos auf den Steuerzahler abgewälzt werden können.”

Aufgeschrieben haben dem Finanzminister diesen Vorschlag offensichtlich Experten der Deutschen Bank, geführt von Josef Ackermann. Unbedingt verhindern will der einen harten Schuldenschnitt, bei dem Griechenland ein Großteil seiner Schulden erlassen würde. Das wäre geschäftsschädigend. Er will noch mehr Steuergeld, und dann als Beitrag der Banken, sanft Umschulden. So steht es in diesem Dokument der Bank, Titel “Proposal for (…) burden sharing without haircuts”. Ein Vorschlag, die Lasten zu verteilen, ohne einen harten Schuldenschnitt. Die Ähnlichkeiten zum Schäuble Papier sind auffällig. Auch die Bank schlägt vor, sieben Jahre Laufzeitverlängerung, freiwillige Umschuldung als Beitrag der Banken. Die drei Vorschläge, wie das finanztechnisch umgesetzt werden soll, tauchen fast deckungsgleich im Regierungsdokument wieder auf. Zufall oder ein Fall von copy and paste? Das Finanzministerium gibt den Eingang des Dokumentes zu, bestreitet aber jede Einflussnahme der Deutschen Bank als Humbug.“

Hier der Film-Beitrag von Monitor:

Film-Beitrag Monitor

Ich verweise somit aus aktuellem Anlass noch einmal auf die Worte von Horst Kasner , Vater unserer amtierenden Bundeskanzlerin:

“Wir bemerken nun, wie sich die etablierten Parteien den Staat zur Beute gemacht haben, und daß der Staat zum Selbstbedienungsladen für Politiker geworden ist. In der bequemen Proporzdemokratie wird der Klüngel zum System. Man schanzt sich wechselseitig Vorteile zu.”

Das im Stil der Betrug nun nur noch schlicht und einfach nach dem Prinzip copy und paste erfolgt, man sich nicht einmal mehr die Mühe macht, eigenständige Weisungen zu formulieren, oder wenigsten einen ordentlichen Meineid hinzulegen, spricht Bände für das Selbstverständnis unserer Regierung.

Kohl hatte zumindest noch den Schneid, mit seiner Ehrenwort-Affäre ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue zum Nachteil seiner Partei auszulösen. Die Bonner Staatsanwaltschaft eröffnete 2000 dazu ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl, das 2001 natürlich gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 300.000 DM wegen geringer Schuld gemäß § 153 a StPO eingestellt wurde.

Schäuble macht das heute anders – in einer Plagiatsrepublik mit den Beispielen Gutenberg und Koch-Mehrin braucht man keine eigenen Aussagen mehr, man schreibt einfach ab und bestreitet die Parallelen als Humbug, oder vergisst die Quellen. Das wundert nun auch nicht, es wurde schon einmal die Frage gestellt, was einen Finanzminister ausmacht, der einfach vergessen hat, wo die ihm übergebenen 100.000 DM geblieben sind – allerdings von einem Holländer.

Die wahre Amnesie offenbart sich erst hier:

Nur der Vollstänigkeit halber: Bei Amnesie unterscheidet man mehrere Formen.

“Bei der retrograden (rückwirkenden) Amnesie ist Gedächtnisverlust für den Zeitraum vor Eintreten des schädigenden Ereignisses (im Gedächtnis gespeicherte Bilder oder Zusammenhänge können nicht in das Bewusstsein geholt werden). Im Gegensatz dazu ist bei der anterograden (vorwärtswirkenden) Amnesie eine Amnesie für eine bestimmte Zeit nach einem schädigenden Ereignis; nach der eigentlichen Bewusstlosigkeit können die Betroffenen “normal” erscheinen, vergessen aber neue Ereignisse binnen weniger Minuten wieder; meist wird auch die Vergesslichkeit selbst vergessen, für den Betroffenen entsteht also zunächst weder Krankheitsbewusstsein noch Leidensdruck. Die kongrade Amnesie wiederum ist das Nichterinnern an das eigentliche Ereignis ohne Verlust der rückwirkenden Erinnerung oder des Vermögens zur Neuaufnahme.

Die transiente globale Amnesie ist eine vorübergehende anterograde und retrograde Amnesie, zusammen mit Orientierungsstörung oder Verwirrtheit. Sie tritt oft bei Migräne auf.

Die infantile Amnesie bezeichnet ein psychologisches Phänomen: Viele Erwachsene besitzen kaum Erinnerungen an die eigene Kindheit. Beim amnestischen Syndrom ist das Kurzzeitgedächtnis weitgehend intakt. Auch das prozedurale Gedächtnis, in welchem zum Beispiel Handlungsroutinen wie Schwimmen, Radfahren oder Schuhe Binden hinterlegt sind, ist meist nicht betroffen. Besondere Einschränkungen erleiden die Patienten in aller Regel beim episodischen Gedächtnis, also dem Teil, in dem Details über das persönliche, aber auch über das erlebte öffentliche Leben abgespeichert sind. Anterograde Amnesien sind in aller Regel ausgeprägter als retrograde.

Die sensomotorische Amnesie bezeichnet das Nichterinnern der sensomotorischen Rindenfelder für den Zustand entspannter Muskulatur nach einem längeren Zeitraum chronischer Muskelanspannung nach Stress.” – Wikipedia

Die Kultur des Betruges hat also ihre wesentlichen Mitstreiter längst schon in den Ministerien sitzen, und Schäubles Amnesie gleicht der Amnesie unserer Kanzlerin aufs Wort.

Politik heute – eine Facette der Kultur des Betruges – über Jahre betrieben .

Nachtrag 19.06.2011 – Der Steuerzahler zahlt für die von den Banken gehaltenen griechischen Staatsanleihen.

Wenn Sie Zahlen zum den Gläubigern Griechenlands und Hintergrundinformationen zum Thema suchen, werden Sie hier fündig:

Infoportal - Griechische Staatsanleihen

Das Ganze noch mal musikalisch: