Barschel Programm – Iran

Der Spiegel schrieb im November letzten Jahres:

„Bis heute gibt der Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel 1987 Rätsel auf, der Fall wurde nie geklärt. Neue Indizien sprechen für eine Ermordung durch den israelischen Geheimdienst Mossad.

Einer der wichtigsten Gutachter im Fall Uwe Barschel verdächtigt in einem neuen Gutachten den Mossad, den früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten ermordet zu haben. Die chemischen Analysedaten stimmten bis in Details mit einem Mordablauf überein, den ein ehemaliger Agent des israelischen Geheimdienstes, Victor Ostrovsky, in einem Buch schildere.“

Spiegel - Uwe Barschel

Hier fehlt noch der Hintergrund – den gibt es auf Wikipedia:

“Von einem Mord statt einem Selbstmord gingen Barschels Angehörige aus. Sie beauftragten den schweizerischen Chemiker Klaus Brandenberger, der als früher forenesisch tätiger Chemiker bereits pensioniert war, die Ergebnisse der Gerichtsmedizin in Genf genauer zu untersuchen. Die Abklärungen vor allem der Metaboliten im Blut und den Stoffwechselprodukten von Barschel ergaben, dass darin sich neben dem tödlichen Cyclobarbital (ohne gefundene Stoffwechselabbauprodukte) auch Stoffwechselabbauprodukte verschiedener Sedativa befanden. Demnach muss Barschel zuerst mit diesen betäubt worden sein, bevor ihm später die tödliche Dosis Cyclobarbital verabreicht wurde. Insofern stützen diese Erkenntnisse von Klaus Brandenberger die später erst bekanntgewordene Behauptung des früheren Mossad-Agenten Victor Ostrovsky von einer Tötung Barschels wegen seiner Opposition in der Operation “Hannibal” um Geschäfte mit Flugzeug-Ersatzteilen an Iran im Kampf gegen den Irak (wo Israel den Atomreaktor in Osirak zerstörte) und um Ausbildung von iranischen Piloten durch Israel auf norddeutschen Sport-Flugplätzen.”

Wikipedia - Uwe Barschel

Nachlesen können Sie das Thema auch hier als Thriller – nicht als Fiktion, sondern als Wirklichkeitsdarstellung:

“Das Buch zeigt, wie mit Duldung der deutschen Regierung, der BND ausländischen Diensten die Möglichkeit gab, Waffengeschäfte zwischen verfeindeten Nationen, in Deutschland, abzuwickeln und die Ausbildung von Kampfpiloten durchzuführen.”

Der Fall Barschel

Die Neuauflage dieser Mossad Politik gilt es wohl nun zu bewundern:

Der Spiegel vom 01.08.2011 berichtet:

„Ein Nuklearforscher nach dem anderen fällt in Iran einer Mordserie zum Opfer. Will der Mossad so den Bau einer iranischen Atombombe sabotieren? Israel dementiert das nicht. Noch rigoroser wollen israelische Generäle vorgehen: Sie fordern immer vehementer einen Luftangriff.

…Iran sieht das “Dreieck der Niedertracht” hinter den Attentaten: Die USA, Israel und von ihnen bezahlte Handlanger steckten hinter den Attacken, heißt es in Teheran. Washington weist jede Schuld von sich: “Wir waren nicht darin verwickelt”, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums im Bezug auf den Tod Rezaies. Israel hingegen schweigt vieldeutig.

Die Tötungen sind Teil einer Kampagne, die das iranische Atomprogramm sabotieren oder zumindest verlangsamen soll, heißt es in israelischen Geheimdienstkreisen. Die Taktik beschränke sich dabei nicht nur auf Gewaltverbrechen. Auch der Cyber-Angriff mit dem Computervirus Stuxnet , der im Sommer 2010 weite Teile des iranischen Atomprogramms lahmlegte, soll Teil der israelischen Geheimoffensive gegen Iran sein.“

Spiegel - Mordserie Iran

Damit komme ich noch einmal zurück auf einen Beitrag vom Juni 2010.

Stellungnahme der Literaturnobelpreisträger José Saramago und Pilar del Río sowie weiterer Publizisten und Kulturschaffenden zum Krieg gegen die Palästinenser in Gaza.

Verbrechen und Scham

„Es ist kein Krieg, es gibt keine sich gegenüberstehenden Heere. Es ist ein Morden. Es handelt sich nicht um eine Repressalie, es sind nicht die selbstgebastelten Raketen, die erneut auf israelisches Territorium fielen, sondern es ist die zeitliche Nähe zum Wahlkampf, die den Angriff ausgelöst hat.

Es ist nicht die Antwort auf das Ende des Waffenstillstandes, denn während dessen Geltungsdauer hat die israelische Armee die Blockade von Gaza noch verschärft und ihre tödlichen Operationen nicht eingestellt, 256 Tote in den sechs Monaten einer vermeintlichen Feuerpause, mit der zynischen Rechtfertigung, dass ihr Ziel immer nur die Mitglieder der Hamas seien. Als ob die Mitgliedschaft in der Hamas den vom Einschlag eines Geschosses zerfetzten Körper seiner menschlichen Eigenschaft entkleide, und als ob selektiver Mord nicht immer noch Mord bleibe.

Es ist keine Explosion der Gewalt. Es handelt sich um eine geplante und seit geraumer Zeit von der Besatzungsmacht angekündigte Offensive. Ein weiterer Schritt bei der Vernichtung des Widerstandswillens der palästinensischen Bevölkerung, die im Westjordanland der täglichen Hölle der Besatzung unterworfen ist und im Gazastreifen einer Aushungerung, deren letzte Episode nun das Gemetzel ist, das die Bildschirme mitten in freundlichen und festlichen Weihnachtsbotschaften füllt.

Es handelt sich auch nicht um ein Scheitern der internationalen Diplomatie. Es ist ein weiterer Beweis für die Komplizenschaft mit dem Besatzer. Dabei geht es nicht nur um die USA, die weder moralischer noch politischer Bezugspunkt, sondern Teil, nämlich israelischer Teil des Konflikts sind; es geht um Europa, um die enttäuschende Schwäche, Unentschlossenheit und heuchlerische Haltung der europäischen Diplomatie.

Das Skandalöseste an den Ereignissen in Gaza ist, dass sie geschehen können, ohne dass etwas geschieht. Die Straflosigkeit Israels wird nicht in Frage gestellt. Die fortgesetzte Verletzung internationalen Rechts, der Genfer Konvention und der Mindeststandards an Menschlichkeit bleibt ohne Konsequenzen. Im Gegenteil, sie scheint noch prämiert werden zu sollen mit präferenziellen Handelsverträgen oder Vorschlägen zum Eintritt Israels in die OSZE. Und wie obszön klingen schließlich die Sätze aus den Mündern mancher Politiker, die die Verantwortung zu gleichen Teilen zwischen Besatzer und Besetztem, zwischen dem Belagerer und dem Belagerten, zwischen Henker und Opfer verteilen. Und wie unseriös ist doch die vermeintliche Äquidistanz, die den Unterdrückten mit seinem Unterdrücker auf die gleiche Stufe stellt. Die Sprache ist nicht unschuldig. Worte töten nicht, aber sie helfen, das Verbrechen zu rechtfertigen und es zu verewigen.

In Gaza wird ein Verbrechen begangen. Es geschieht bereits eine Zeitlang vor den Augen der Weltöffentlichkeit. Und vielleicht wird in einigen Jahren jemand es wagen zu sagen, wie es in einer anderen Zeit schon einmal geschah, dass wir nichts wussten.

Pedro Martínez Montávez, José Saramago, Pilar del Río, Rosa Regás, Carmen Ruiz Bravo, Belén Gopegui, Constantino Bértolo, Santiago Alba und Luis Cruz“

Verbrechen und Scham

An dieser Einstellung hat sich in Israel wohl nichts geändert.

Avraham Burg spricht aus, was viele in Israel empfinden: Der jüdische Staat ist besessen vom Misstrauen – gegen sich selbst, seine Nachbarn und die Welt um sich herum. Der Holocaust wird als ultimatives Trauma vereinnahmt, um israelisches Unrecht zu legitimieren. Burg kritisiert sein Land als militaristisch, fremdenfeindlich und anfällig für Extremismus. So wird der Weg zu einem Frieden im Nahen Osten immer wieder verbaut.

Und Deutschland wirkt daran mit:

“Deutschland subventioniert U-Boot für Israel – …Das U-Boot wäre bereits das sechste seiner Art, das an Israel geliefert wird. Die Lieferung sei umstritten, schreibt der “Spiegel”, da die U-Boote mit Atomwaffen nachgerüstet werden können. Dem Bericht zufolge seien die Rüstungsgeschäfte Teil einer Wiedergutmachung für die Verbrechen der Deutschen an den Juden während der NS-Zeit.”

Deutschland subventioniert U-Boot für Israel

“Das ist der Widerspruch unserer Zeit, daß der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet; daß der Mensch die Produktivkräfte aufs höchste entwickelte, ungeheure Reichtümer ansammelte, ohne allen einen gerechten Anteil an dieser gemeinsamen Leistung zu verschaffen; daß der Mensch sich die Räume dieser Erde unterwarf, die Kontinente zueinander rückte, nun aber in Waffen starrende Machtblöcke die Völker mehr voneinander trennen als je zuvor und totalitäre Systeme seine Freiheit bedrohen. Darum fürchtet der Mensch, gewarnt durch die Zerstörungskriege und Barbareien seiner jüngsten Vergangenheit, die eigene Zukunft, weil in jedem Augenblick an jedem Punkt der Welt durch menschliches Versagen das Chaos der Selbstvernichtung ausgelöst werden kann.” – Godesberger Programm 1959