Er kann es!

Schmidt will Steinbrück als Kanzlerkandidaten, so vernehmen wir in diesem Monat erst im Spiegel, dann in umqualmter Runde bei Günter Jauch.

„Altbundeskanzler Helmut Schmidt und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück haben die weltweiten Proteste gegen die Finanzindustrie begrüßt. In einem gemeinsamen Gespräch mit dem SPIEGEL sagte Schmidt: “Dass die jungen Leute sich über ein Wirtschaftssystem ärgern, in dem jedes Maß verlorengegangen ist, finde ich nur allzu verständlich.” Steinbrück sagte: “Die Proteste beweisen, dass die ökonomische Krise zu einer gesellschaftlichen Krise wird. Die Bürger zweifeln an der Handlungsfähigkeit der Politik.”…

Zugleich empfahl der Altkanzler seiner Partei, Steinbrück vor den nächsten Bundestagswahlen zum Kanzlerkandidaten zu küren. “Peer Steinbrück hat in seiner Zeit als Finanzminister bewiesen, dass er regieren und verwalten kann”, sagte Schmidt im SPIEGEL-Gespräch.“

Spiegel Online

All dies ist Teil einer groß angelegten Pressekampagne die uns samt des gemeinsamen Buches „Zug um Zug“ schon einmal auf unseren künftigen Kanzlerkandidaten Steinbrück vorbereiten soll.

Ein Bericht des NDR-Medienmagazins «Zapp» über Steinbrücks aktuelle PR-Kampagne

Das es bei “Zug um Zug“ wohl nicht nur um die von beiden geliebten Zigaretten geht, sondern um Schachzüge, sollte eigentlich das Cover des Buches dokumentieren. Ironie des Bildes ist nun – Schwarz ist nun Weiß, und Weiß ist Schwarz – dokumentiert durch das Hamburger Abendblatt.

„Altkanzler Helmut Schmidt und dessen Wunsch-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) haben ein Schwarz-Weiß-Problem…

Dass die Welt in Unordnung geraten ist, schwante uns seit Langem. Nun liegt der Beweis vor, schwarz auf weiß, viel schlimmer noch: Schwarz ist nun Weiß, und Weiß ist Schwarz. Und das alles auf dem Deckel des Buches von Helmut Schmidt und Peer Steinbrück, die uns für 24,99 Euro auf 320 Seiten diese hässliche neue Welt “Zug um Zug” erklären wollen.“

Das Schachspiel steht schlicht und einfach verkehrt herum, und keinem der beiden Schachspieler fällt es auf!

Quelle

Nun haben wir also eine zerknirschte Fotografin der “Süddeutschen Zeitung”, die von Mitarbeiterinnen von Schmidt nur angewiesen wurde, dass dessen Aschenbecher links unten stehen müsse, sowie ein wunderschönes Bild einer politischen Welt, bei denen die Macher verkehrt herum Zug um Zug die Welt bestimmen wollen.

Dem geschätzten Altkanzler im Alter von 93 Jahren kann man dies gerne nachsehen, ging er doch während seiner Regierungszeit stets einen geraden Weg. Beim Wunschkandidaten Steinbrück stellt sich allerdings erneut die Frage – Kann er das? Oder was kann er?

Peer Steinbrück kann eine ganze Menge, allerdings meistens Dinge, die seinem Auftrag als Abgeordneter im Deutschen Bundestag diametral entgegen stehen, wobei er zusätzlich noch durch Abwesenheit glänzt.

Peer Steinbrück und seine Nebeneinkünfte (Kontrovers/20.07.2011)

So wundert es also nicht, das Peer Steinbrück, der beim Zocken bis der Staat hilft, dann auch geholfen hat, heute ein viel gefragter Mann der Wirtschaft zu Honoraren der Stufe 3 ist.

Kann er es also? Ich hatte es schon einmal geschrieben – ja, er kann es!

Wer anders – wenn nicht Peer Steinbrück – vermag ( vielleicht mit Ausnahme unserer Ex-SED Sekretärin und unseres Geschenkkorb-Außenministers) sich in einem solchen Maße vom Druck der Vergangenheit und jeglicher Verantwortung zu befreien, und sich dabei so herzerfrischend unbedarft der aktuellen Politik hinzugeben?

Steinbrück weiß sich zudem neben seinen Büchern und Pressekampagnen auch noch an den „richtigen Entscheidungsstellen“ über unsere Welt zu platzieren:

Bilderberger Steinbrück

Des Altkanzlers Ansicht zu den Bilderbergern deckt sich wohl mit der Steinbrücks.

Helmut Schmidt über Bilderberger

Die Bilderberger – der Deutschlandfunk titelt dazu „Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht?“

„Die sogenannten Bilderberg-Konferenzen finden seit 1954 jährlich an wechselnden, möglichst geheim gehaltenen Orten statt. Angeblich sind die Treffen rein privater Natur, doch wenn die Mächtigen aus Wirtschaft und Adel Politiker zum geheimen Gespräch laden, wundern sich auch Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen.“

Gesine Lötzsch:

“Solche Konferenzen wie die Bilderberg-Konferenz beeinflussen ja sehr stark politische Entscheidungen. Wir reden gerne vom Primat der Politik, Frau Merkel sagte in einer ihrer letzten Reden, in der es um die Finanzkrise ging, wir müssen endlich das Primat der Politik wieder herstellen. Aber sie und ihre politischen Freunde haben dazu beigetragen, dass das Primat der Politik immer weiter zurückgedrängt werden konnte und sie haben einen aktiven Beitrag geleistet.”

Deutschlandfunk - Bilderberger

Unser künftiger SPD-Kanzlerkandidat ist also nun schon von den Mächtigen aus Wirtschaft und Adel zum geheimen Gespräch geladen.

Ja, er kann es!

Fasst man also das, was ich bisher mit Peer Steinbrück politisch erleben durfte, zusammen, so fällt mir nur noch das folgende Zitat von Orwell ein:

“Politische Sprache dient dazu,
dass Lügen wahr klingen
und Mord respektabel und um dem reinen Wind
einen Anschein von Festigkeit zu geben”

(George Orwell, Schriftsteller)

Altkanzler, zukünftiger Kanzlerkandidat mit Bilderberger Gnaden, und die meinungsmachende Presse seien auch noch einmal an das gute alte Programm der SPD aus Godesberg erinnert:

“Mit ihrer durch Kartelle und Verbände noch gesteigerten Macht gewinnen die führenden Männer der Großwirtschaft einen Einfluß auf Staat und Politik, der mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Sie usurpieren Staatsgewalt. Wirtschaftliche Macht wird zu politischer Macht. Diese Entwicklung ist eine Herausforderung an alle, für die Freiheit und Menschenwürde, Gerechtigkeit und soziale Sicherheit die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft sind. Die Bändigung der Macht der Großwirtschaft ist darum zentrale Aufgabe einer freiheitlichen Wirtschaftspolitik. Staat und Gesellschaft dürfen nicht zur Beute mächtiger Interessengruppen werden.” – Godesberger Programm 1959