Bank Run Dezember 2011

Morgan Stanley: Nach dem 9. Dezember droht massiver Bank Run
Deutsche Mittelstands Nachrichten , 2. Dezember 2011, 11:58 Uhr

„In einer Analyse der Investmentbank Morgan Stanley werden für Europa nur noch zwei mögliche Szenarien aufgezeigt: Entweder kommt die EU bis zum 9. Dezember mit einer überzeugenden Lösung zu einer umfassenden Fiskalunion, oder wir erleben einen echten Bank Run.

Nach Ansicht der US-Investmentbank Morgan Stanley wird sich der bereits zu erkennende Bank Run – Flucht aus dem griechischen Euro, aus dem französischen Euro – signifikant beschleunigen. Schon heute beobachten wir in den Berliner Filialen von deutschen Banken ausländische Kunden, die sich mit ganzen Geldsäcken irischer oder italienischer Euros anstellen, um Berliner Immobilien zu kaufen. Dem globalen Bankensystem entsprechend, sind das unzweifelhaft die ersten Anzeichen eines Bank Runs, weil die Leute ihre nationalen Euros aus den Banken abziehen und in andere, vermeintlich sicherere Anlagen stecken.

Arnaud Marès von Morgan Stanley gilt als ein origineller Prophet. Seine Prognosen, wie etwa zur Entwicklung in Griechenland, sind ziemlich genau eingetreten. Genau vor einem Jahr hatte Marès geschrieben, dass Europa ein Jahr Zeit habe, das Schuldenproblem zu lösen.

Nun hat er eine neue Analyse vorgelegt. Unter dem Titel “Europe in the Balance” stellt er fest, dass “uns die Zeit davonläuft”. Es bleiben nur noch wenige Tage, bis die Staatsschuldenkrise in ein echtes Katastrophenszenario kippen könne. Als Wendepunkt nennt er den 9. Dezember. Zwar wird aus der Analyse nicht klar, warum genau dieser Tag, aber Marès nennt ausdrücklich dieses Datum.

Er schreibt, dass sich nun die Entscheidung der Zukunft in Sinne Hamlets anbahnt: Sein oder Nicht-Sein also für Europa.

Europa müsse nun sofort einen klaren Plan vorlegen, wie eine Fiskalunion aussehe. Die bisherige Kapitalflucht aus Europa, insbesondere aus Banken und Staatsanleihen, ist in Marès Sicht der Anfang einer gigantischen Misstrauenswelle, die, wenn sie nicht gestoppt wird, in einem klassischen Bank Run mit allen dazugehörenden Begleiterscheinungen enden wird.“

Quelle und Original

Die Optionen nach dem Kollaps

„Der Staat muss den Banken, die er wieder flottmachen will, den Verlust ihres Vermögens ersetzen. Er kann dafür selbst Kredite aufnehmen, den Banken das Geld überweisen und sie dabei zugleich übernehmen. Mit etwas Glück wird er sie später privatisieren und einen Teil seiner zusätzlichen Schulden wieder zurückzahlen, das ist der Vorteil. Der Nachteil: So muss der Staat den Kapitalmarkt anzapfen, der in der Krise möglicherweise nichts mehr hergibt.

Oder, das wäre die zweite Variante, er schenkt den Banken sogenannte Ausgleichsforderungen. Die funktionieren in etwa so, als hätte die Bank dem Staat einen Kredit gegeben. Das Verfahren ist aus der Währungsreform nach dem Krieg bekannt. Diese Forderungen werden niedrig verzinst und eventuell nach und nach vom Staat zurückgekauft – das alles zahlt der Steuerzahler.“

Quelle und Original

Nachtrag 08.12.2011

Schluss mit Mephistos Umverteilung!

Als Gastbeitrag von Sarah Wagenknecht in der FAZ erschienen:

“Wir wollen alle Tage sparen und brauchen alle Tage mehr. Und täglich wächst mir neue Pein.“ Der so klagt, ist nicht der griechische Finanzminister, sondern der von ähnlichen Finanznöten gebeutelte Marschalk am Hofe des Kaisers in Goethes Faust II. Die Szene spielt in der Kaiserpfalz, in einer sich auflösenden, zutiefst korrupten Gesellschaft, in der Kultur und Ethik jede Bindungswirkung verloren haben, eine enthemmte Oberschicht das Gemeinwesen ausplündert und sich schamlos bereichert, während die Politik ihre Gestaltungsmacht eingebüßt hat. Jeder sucht seinen Vorteil, jeder kämpft gegen jeden, es wird betrogen und gelogen, was das Zeug hält. Verhältnisse also, die uns nur allzu bekannt vorkommen. Einen Kanzler gibt es in der Kaiserpfalz auch, der immerhin – sachter Unterschied zur Gegenwart – bemerkt: „Entschlüsse sind nicht zu vermeiden, wenn alle schädigen, alle leiden…“

Zum vollständigen Artikel in der FAZ:

FAZ - Schluss mit Mephistos Umverteilung!

Nachtrag 12.12.2011

Deutsche Haftung aus Staatsverschuldung incl. Eurozone

Im Infoportal findet man zur deutschen Haftung aus Staatsverschuldung incl. Eurozone die folgende Grafik:

Deutsche Staatsverschuldung incl. Eurozone


“Das ergibt im schlimmsten Fall einen derzeitigen deutschen Schlußsaldo von bis zu 3,1 Billionen Euro. Teilt man diesen Betrag durch die potenziellen Zahler in Deutschland, so entfällt auf jeden in Deutschland Beschäftigten, der oberhalb der Armutsgrenze lebt (rund 37 Millionen), ein maximaler Haftungsbetrag von derzeit 85.849 Euro”


Ob Mephistos Umverteilung, oder Hamlets Sein oder Nicht-Sein für Europa – die Zahlen sprechen für sich.

Quelle und vollständiger Artikel