Bubi, Maschi und Wulffi

Bundespräsident Christian Wulff ist gerade dabei, sein mühsam konstruiertes Image zu verspielen. Es geht um eine Glaubwürdigkeit, die vor vielen Jahren ein Bundespräsident in der BRD tatsächlich einmal hatte, bevor die Jobs parteipolitisch orientiert mit Herrn Köhler oder Herrn Wulf besetzt wurden.

Über Herrn Köhler hatte ich schon einmal berichtet, über seinen Nachfolger berichtet nun die Financial Times:

„Christian Wulff muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen: Der ungewöhnlich günstige Privatkredit der Unternehmergattin Edith Geerkens setzt ihn unter Druck. Er reagiert vor allem mit Schweigen.“

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Das ist nicht die einzige ungewöhnlich Freundschaft mit Günstlingsbeweisen, die unser Christian Wulff pflegt – ebenso erwähnenswert ist die Freundschaft zum AWD-Gründer Maschmeyer.

„Das ist ein mittlerweile illustrer Kreis aus Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), Bundespräsident Christian Wulff (CDU), Ex-Arbeitsminister Walter Riester (SPD), Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und anderen. Am engsten dürfte die Beziehung zu Schröder sein, dessen Wahlkampf Maschmeyer schon 1998 mit einer Anzeigenkampagne mitfinanziert hat, auf dessen Geburtstag der “Finanzoptimierer” gern gesehen ist, und der anreiste, als Maschi in Hildesheim zum Ehrendoktor ernannt wurde.“

„Auch Wulff war 2009 auf dieser Doktorfeier und bekannte dort auf gewohnt gestelzte Art, mit Maschmeyer befreundet zu sein: “Aus den Beziehungen ist Freundschaft geworden.” Kaum dass er im vergangenen Jahr ins höchste Staatsamt gewählt war, flog Wulff zu seinem Freund nach Mallorca und verbrachte seinen Urlaub in der Villa des Finanzindustriellen. Allerdings betont Wulff, dass er für das Einzimmer-Apartment einen angemessenen Preis bezahlt habe.“

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Über einen angemessenen Preis möchte ich hier nicht spekulieren, ebenso wie Herr Wulff selbstverständlich nie zu den Günstlingsbeweisen der Familie Geerkens gelogen hat, sondern rechtzeitig nach Aufdeckung immer sorgfältige Schadensbegrenzung betrieben hat.

Es ist dem NDR-Reporter Christoph Lütgert mit seinen Reportagen zu verdanken, dass die Wahrheiten und Parallelwelten zu Maschmeyers Firmenimperium Stück für Stück ans Licht kamen.

Das führt inzwischen zu folgendem Status Quo:

„Carsten Maschmeyer löst sich immer weiter vom Schweizer Finanzkonzern Swiss Life. Nach seinem Rückzug aus dem Verwaltungsrat hat der Investor nun ein großes Aktienpaket verkauft. Der Schweizer Lebensversicherer hatte AWD 2007/2008 übernommen. Maschmeyer verkauft Aktien für 52 Millionen Euro“

„Zuetzt hatte es massive Vorwürfe wegen angeblich überhöhter Berater-Provisionen gegen AWD rund um dessen Börsengang im Jahr 2000 gegeben. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hatte in den vergangenen Monaten immer wieder kritisch über das Unternehmen berichtet.“

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Dies geschieht vor folgendem Hintergrund:

„Eine für Wirtschaftskriminalität und Korruption zuständige Sondereinheit der Wiener Staatsanwaltschaft geht massiven Vorwürfen gegen den von Carsten Maschmeyer gegründeten Finanzvertrieb AWD nach.“

„Der VKI, zu dessen Mitgliedern die Republik Österreich gehört, wirft dem AWD vor, tausenden Kunden in Österreich gezielt und systematisch riskante Anlagen mit falschen Versprechungen verkauft zu haben, um selbst hohe Provisionen einzustreichen. Die 83-seitige Strafanzeige stützt sich auf eine Vielzahl interner AWD-Unterlagen sowie auf Zeugenaussagen ehemaliger Mitarbeiter. Demnach sollen Maschmeyer und andere AWD-Manager “vorsätzlich ein Anreizsystem geschaffen”, das dazu geführt habe, dass die Vermittlung hochriskanter Finanzprodukte durch die AWD-Agenten gefördert worden ist”, heißt es in der Strafanzeige. Der Anreiz für den Verkauf “wertbeständiger Veranlagungen”, also etwa Lebensversicherungen oder Bausparverträge, sei hingegen “relativ gering” gewesen.“

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Halten wir also fest – in Niedersachen gibt es Potential, mit dem „Gasableser von Putin“ und ehemaligem Bundeskanzler Schröder – frei nach Priol, unserer Sozialschmarotzer-Polemik Uschi, unserem Riester-Maschi und letztendlich dem „Bundeswulffi“ in inniger Freundschaft mit der „Unschuld vom Maschsee“, Carsten Maschmeier, findet sich eine Auswahl von Menschen, die wohl nur ein einziger Aspekt eint – der Eigennutz oder die Habgier, und denen man dabei zum Teil tatsächlich immer noch politische Bedeutung beimisst. Und bei allen Verbindungen handelt es sich – ich betone – um natürlich gewachsene Freundschaften, wobei alle beteiligten Politiker wesentlichen Anteil daran hatten, unser Sozialsystem nachhaltig durch Privatisierungen zu schädigen.

Ich erwähne somit noch einmal George Orwell:

*“Politische Sprache dient dazu,
dass Lügen wahr klingen
und Mord respektabel und um dem reinen Wind
einen Anschein von Festigkeit zu geben”'*

(George Orwell, Schriftsteller)

Wer sich somit noch der Illusion hingeben möchte, wir hätten einen integeren Bundespräsidenten, der mag dies hiermit gerne tun.

Allen Übrigen empfehle ich die Antworten von Georg Schramm:

oder

Presseschau:

Ein weiteres Mal findet sich in der FAZ ein bemerkenswerter Artikel von Frank Schirrmacher:

Wulffs Schweigen – Der Kredit des Präsidenten

„Dieser Bundespräsident wird künftig schweigen müssen: Spätestens am 17. August erfuhr Christian Wulff, dass die Presse in der Sache seines Hauskaufs recherchierte. Am 24. August sprach er im Kreis von Nobelpreisträgern über Bonität und Bürgschaften. Es war seine erste und letzte Rede über das Schicksalsthema unserer Zeit.“

Artikel und Quelle

In der Zeit Online ist zu finden:

Der nette Herr Wulff

„Der Bundespräsident nimmt es mit der Wahrheit und der Ferne zu Unternehmern nicht so genau. Zu halten wird er kaum sein – er sollte von sich aus gehen.“

Artikel und Quelle

Natürlich gewachsene Freundschaften im Kanzleramt

Frei nach dem Motto – „Guten Freunden gibt man ein Küsschen“ – muss man wohl dies werten:

Saarbrücker Zeitung vom: 18.11.2011

„Beate Baumann, Büroleiterin und langjährige Vertraute von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), kann sich über einen kräftigen Gehaltssprung von rund 1400 Euro freuen. Nach einem Bericht der Saarbrücker Zeitung hat das Bundeskabinett bereits im April beschlossen, die Vergütung der 48-Jährigen von der Besoldungsstufe B6 (Ministerialdirigentin) auf die Stufe B9 (Ministerialdirektorin) anzuheben. Dies entspricht einem Grundgehalt von 9438 Euro, das noch durch individuelle Zulagen aufgestockt werden kann.

Das Bundespresseamt erklärte dazu auf Anfrage der Zeitung, dass Baumann alle Voraussetzungen für die Höhergruppierung erfülle. Nähere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt. Unter die Besoldungsgruppe B9 fallen sonst zum Beispiel der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der Präsident des Bundeskriminalamtes und der Präsident des Bundesnachrichtendienstes, die anders als Baumann allerdings alle Verwaltungen mit mehreren tausend Beschäftigten leiten. Ebenfalls in B9 eingestuft sind Botschafter und Abteilungsleiter in Ministerien.“

Quelle und Artikel

Büroleiterin Beate Baumann kam übrigens auf Empfehlung von Christian Wulff 1992 zu unserer Kanzlerin – damals noch Familienministerin.

Nachtrag 26.12.2011

Der beste von mir gefundene Kommentar zu unserem Bundespräsidenten lautet wie folgt:

„Was geb ich auf mein dummes Geschwätz von vorgestern“

“Nun gehört zur echten Reue und Einsicht, dass man Buße tut und auf sein Amt verzichtet, wenn es den eigenen strengen Maßstäben nicht gehorcht. Nochmals: Maß für Maß. Aber da gibt Wulff lieber seinem siamesischen Bruder einen Fußtritt in den Hintern, so als wollte er sagen: Das, was ich bisher gequatscht habe, hat sich doch dieser dumme Kerl ausgedacht. Ich will nur sagen: Aus dieser Nummer kommt der Präsident nicht mehr raus, auch wenn er ewig Präsident bliebe.

Sie liegt gedruckt und von Maschmeyer finanziert vor, heißt: „Besser die Wahrheit“ (Ehrenwort! So lautet der Titel!) und ist ein Interview-Buch. Jetzt könnte Wulff zurücktreten und mit Giovanni di Lorenzo danach ein Buch schreiben, das den Guttenberg-Titel trägt: „Vorerst gescheitert“. Da brauchte er keinen Mäzen, das Buch würde sich wie warme Semmeln verkaufen, und Wulff könnte auf eigene Kosten Urlaub an mondänen Stränden machen. Da dies aber nicht so ist und Politiker nach dem Motto leben: „Was geb ich auf mein dummes Geschwätz von vorgestern“ steigt er Weihnachten beim Reden an sein Volk wieder aufs hohe moralische Ross, und man wird dabei die lahmenden Hufen klappern hören.

Ach, die Weihnachts- und Neujahrsansprachen! Der Präsident redet zu Weihnachten, der Kanzler zu Silvester. Einmal wurde eine von Helmut Kohl aus Versehen im nächsten Jahr noch einmal wiederholt. Keiner hat es gemerkt. Sie wirkte taufrisch und ehrlich wie am ersten Tag. Mein Vorschlag zur Güte wäre: Weihnachtsansprachen werden wiederholt wie das „Dinner for One“ zu Silvester, Jahr für Jahr. Dann kann Wulff auch beruhigt Präsident bleiben, ohne dass wir beim Anhören seiner Rede physisch darunter leiden. Wir können ja einfach abschalten.”

Quelle und Original

Nachtrag 02.01.2012

Aus Respekt vor dem Amt, und angesichts einer Apanage von 200.000 Euro jährlich bis zum Lebensende – wir fordern nun auch Gerechtigkeit:

Titanic - Milchbubi

Und hilft alles nichts – dann hier die Antwort: