Fairness und Gemeinsinn

Eine klare Bestandsaufnahme des Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

Die wachsende ökonomische Ungleichheit in den USA zerstört die Grundlagen der Gesellschaft: Fairness und Gemeinsinn. Eine Warnung von Wirtschafts-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz.

„Es hat keinen Sinn, das Offensichtliche zu bestreiten. Das obere eine Prozent der Amerikaner bezieht heute fast ein Viertel des gesamten nationalen Einkommens. Bei Rücklagen und Guthaben steht die Upper Class sogar noch besser da, darf sie doch 40 Prozent dieser Mittel ihr Eigen nennen. Die Wenigen haben enorme Zugewinne gemacht. Vor 25 Jahren belief sich ihr Anteil in den genannten Kategorien auf zwölf beziehungsweise 33 Prozent….

….Alle genannten Entwicklungen stellen sich zwangsläufig ein, wenn der Wohlstand in einer Gesellschaft einseitig verteilt wird. Je mehr die Schere beim Einkommen auseinandergeht, desto weniger Lust verspüren die Wohlhabenden, ihr Geld für soziale Zwecke auszugeben. Die Reichen sind nicht auf den Staat angewiesen, wenn sie sich weiterbilden möchten, wenn sie einen Arzt brauchen oder für ihre Sicherheit sorgen wollen – sie können sich all das selbst kaufen. Infolgedessen wächst ihre Distanz zu den „einfachen Menschen“, und sie verlieren allmählich jedes Mitgefühl, das sie vielleicht einmal empfanden. Zudem haben sie Bedenken gegen eine Stärkung des Staats – der seine Macht schließlich nutzen könnte, um die Dinge geradezurücken, indem er ihnen einen Teil ihres Reichtums nimmt und in soziale Belange investiert….

…Angesichts dieser Ereignisse müssen wir uns die Frage stellen, wann das Volk in den USA auf die Straße gehen wird. Die Verhältnisse in unserem Land gleichen denen in jenen fernen, von Aufständen erschütterten Orten in mehr als einer Hinsicht. Die oberen Zehntausend unserer Gesellschaft besitzen die schönsten Häuser, Zugang zu den besten Bildungseinrichtungen und zu den Top-Kliniken, sie führen das bestmögliche Leben, doch es gibt etwas, das sie mit Geld offenbar nicht kaufen konnten: die Einsicht, dass ihr Schicksal untrennbar an das der übrigen 99 Prozent geknüpft ist. In der Geschichte der Menschheit haben die Führungsschichten diese Tatsache am Ende immer eingesehen. Allerdings zu spät.“

Quelle und Original

Nur zur Erinnerung – aus Dezember 2010:

Der kommende Aufstand