Der Rubikon eines Bundespräsidenten - Spott-Storm

Sprachlicher Nebel in der Politik – Prof. Dr. Martin Haase hatte sich dieses Themas schon auf dem auf dem Chaos Communication Congress angenommen, und führt dies nun in Bezug auf das Wulff Telefonat mit dem BILD-Chefredakteur Diekmann fort:

„Christian Wulff sagte dem BILD-Chefredakteur Diekmann, der Rubikon sei überschritten. Damit erinnerte er an eine Episode aus der römischen Geschichte: Gaius Iulius Caesar überschritt mit einem Heer den Fluss Rubikon, die damalige Grenze Italiens und marschierte mit seinen Soldaten in Richtung Rom. Daraus ergibt sich die von Wulff verwendete bildliche (metaphorische) Redensart: den Rubikon überschreiten „eine Grenze übertreten“…

…Wer den Rubikon überschreitet, ist in dem Bild eben auch der Gewinner, daher auch die nicht ganz korrekte Übersetzung von Cäsars Ausspruch alea iacta est mit „der Würfel ist gefallen“ (obwohl er nur geworfen ist). Der andere, gegen den zu Feld gezogen wird, ist der Verlierer, sobald der Rubikon überschritten ist.

Somit hat Wulff eine für ihn ungewohnt klare Aussage über die weitere Entwicklung gemacht.“

Quelle und der ganze Text hier

Den AB von Kai Diekmann mit den fraglichen Anrufen kann man sich übrigens hier anhören:

Der AB von Diekmann

Wie Christian Wulff die Dinge sieht, erfährt man hier:

Sicht der Dinge

Der Rubikon ist so was von überschritten!

So schreibt der Tagesspiegel:

„Christian Wulffs Wutanruf bei “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann nährt die Spekulationen um seine politische Zukunft. In sozialen Netzwerken und in der Tagesspiegel.de-Community schießen zeitgleich die satirischen Beiträge ins Kraut. Es wütet ein “Spott-Storm”.

Wie war das noch mit dem Spott und dem Schaden? Je mehr sich die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff zuspitzt, desto kreativer werden Mediennutzer und -macher. Halbernst, ironisch oder sarkastisch kommentieren sie die Schlagzeilen rund um Privatkredit und Wutanruf bei “Bild”-Chef Diekmann – bemühen Gehirnmasse, Photoshop und Audioprogramme, um die Geschichte rund um den strauchelnden Bundespräsidenten satirisch weiterzuschreiben. In den sozialen Netzwerken verbreiten sich die Inhalte blitzschnell, so mancher Newsfeed bei Facebook oder Twitter ist schon völlig zugewulfft.“

Spott-Storm Tagesspiegel

Daher kommentieren die NachDenkSeiten folgerichtig: Christian Wulff – Das Versteckspiel ist zu Ende

„Christian Wulff hat sich als einsichts- und lernunfähiger Fortsetzungstäter amtsunangemessener geschäftlicher Verbindungen erwiesen. Er hat sein Fehlverhalten notorisch vertuscht. Der Bundespräsident hat sich als neben dem Bundesverfassungsgericht oberster Hüter der Verfassung unglaubwürdig gemacht. Wie sollte er jemals wieder ein Vorbild für Sauberkeit und Transparenz in der Politik sein können? Wie sollte er jemals wieder glaubwürdig gegen unsaubere Bankgeschäfte zu Felde ziehen können? Wie sollte man ihm, wenn er die Werte der Verfassung verteidigt, noch abnehmen können, dass er nicht nur heuchelt? Es geht nicht mehr um die Würde des Bundespräsidenten, er hat dieses Amt herabgewürdigt. Nach Wulff kann man eigentlich das Amt des Bundespräsidenten nur noch abschaffen und es auf den Bundesratspräsidenten übertragen.“

Quelle und Original

Endlich – Christian Wulff erklärt sich:

Die in der Stellungnahme angegebene Internetseite finden Sie hier:

Maschi-und-Mauschel.com

Den Hinweis auf die Kosten für seine Ehefrau gab es übrigens schon früher:

Christian Wulff kann Rechnungen nicht mehr zahlen

Neben Boris Becker gab übrigens wohl auch Vladimir Putin unserem Bundespräsidenten gute Ratschläge:

Mailbox Putin

Etwas Gutes hat die ganze Affäre ja auch – wir haben nun wirklich einen Bundespräsidenten, der zu unserem Außenminister, und damit auch zu unserer Bundesregierung passt. Wo kämen wir schließlich hin, wenn es hier permanent Brüche in moralischer Kernkompetenz gäbe.

Und schlußendlich – unser Bundespräsident will ja glatt in den nächsten vier Jahren auch mal arbeiten – so sparen wir uns also vier Jahre lang auch eine kostspielige Doppelbesetzung in Form einer Apanage von 200.000 Euro jährlich bis zum Lebensende, womit uns Herr Horst Köhler ja gerade außergewöhnlich belastet.

Hier auch noch – einmal ganz ernsthaft – wie kam die ganze Story ans Licht?

“Die Grundrechte sollen nicht nur die Freiheit des einzelnen gegenüber dem Staat sichern, sie sollen als gemeinschaftsbildende Rechte den Staat mitbegründen. Als Sozialstaat hat er für seine Bürger Daseinsvorsorge zu treffen, um jedem die eigenverantwortliche Selbstbestimmung zu ermöglichen und die Entwicklung einer freiheitlichen Gesellschaft zu fördern. Durch Verschmelzung des demokratischen mit dem sozialen und dem Rechtsgedanken soll der Staat zum Kulturstaat werden, der seine Inhalte von den gesellschaftlichen Kräften empfängt und dem schöpferischen Geist der Menschen dient. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands bekennt sich zur Demokratie, in der die Staatsgewalt vom Volke ausgeht und die Regierung jederzeit dem Parlament verantwortlich und sich bewußt ist, daß sie ständig seines Vertrauens bedarf. In der Demokratie müssen die Rechte der Minderheit neben den Rechten der Mehrheit gewahrt werden. Regierung und Opposition haben verschiedene Aufgaben von gleichem Rang; beide tragen Verantwortung für den Staat.” – Godesberger Programm 1959

Passend zum Rubikon unseres Bundespräsidenten hier noch der Jahresausblick auf das Kalenderjahr 2012:

S&P stuft alle Euro-Staaten auf die Note “Idiot” herunter, Großbritannien tritt aus der EU, Nato und Uno aus: So verrückt wird das Jahr 2012.

Griechenland gibt zu, dass es nicht existiert