Rubikon – Nachtrag

Was der Wulff auf dem Anrufbeantworter der Bild hinterlassen hat, lässt sich ohne jede Spekulation oder Rechtsberatung einfach herausfinden – so wie von Mathias Schindler betrieben:

„Hiermit beantrage ich Akteneinsicht nach § 1 des Gesetzes zur Regelung des Zugangs zu Informationen des Bundes (IFG) sowie § 3 Umweltinformationsgesetz (UIG), soweit Umweltinformationen im Sinne des § 2 Abs. 3 UIG betroffen sind, sowie § 1 des Gesetzes zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Verbraucherinformation (VIG), soweit Informationen im Sinne des § 1 Abs. 1 VIG betroffen sind

und zwar zu folgendem Vorgang:

Abschrift des Telefonates von Bundespräsident Christian Wulff auf dem Anrufbeantworter des BILD-Chefredakteurs Kai Diekmann am 12. Dezember 2011.“

Quelle und Original

Das findet vor folgendem Hintergrund statt:

Die “Bild”-Zeitung stellt Christian Wulff das Transkript seines Anrufs bei ihrem Chef Diekmann zur Verfügung. Nun müsse sich der Bundespräsident nicht mehr “auf seine Erinnerung stützen”, heißt es.

Quelle und Original

Die Grünen haben das etwas anders gemacht – die haben eine kleine Anfrage mit 100 Fragen mit Bezug auf Wulff an den Niedersächsischen Landtag gestellt.

Quelle und Original

Sehr spannend sind noch die Parallel-Ereignisse zum Rubikon unseres Bundespräsidenten, die erst jetzt publik werden, aber bereits seit September 2011 aktuell sind:

Banken, Versicherungen und Fonds fordern 1,8 Milliarden Euro Schadensersatz von Bundespräsident Christian Wulff wegen vermeintlicher Versäumnisse als VW-Aufsichtsrat.

Eine entsprechende Klage wurde im September 2011 am Landgericht Braunschweig eingereicht und kurz vor Jahresende erweitert. Zu den ursprünglich 41 Klägern kamen 26 weitere. Die Forderung erhöhte sich von 1,1 auf 1,8 Milliarden Euro. Fünf weitere Investoren fordern in einer neuen Zusatzklage noch einmal 351 Millionen Euro von Porsche.

Quelle und Original

Damit erhält der ganze Rubikon eine neue Dimension, und es geht augenscheinlich um sehr viel Geld – im Gegensatz zu den Peanuts des Kredites vom Bundespräsidenten. Wer steuert hier also was?

Somit – ein Schelm, der dabei Böses denkt!

Dazu passt:

Die Parteichefs der schwarz-gelben Koalition in Deutschland sind sich nach Medien-Informationen bereits über ihr Vorgehen einig, sollte Bundespräsident Christian Wulff doch zurücktreten. Was noch fehlt ist offenbar nur noch der Tropfen, der das Fass zum überlaufen bringen könnte.

Wulffs Rücktritt

Virus der Grandiosität bei Wulff, Guttenberg und Co – so titelt die Zeit

“Mächtige gewöhnen sich an eine Art psychischen VIP-Zustand. Der Psychologe Hans-Jürgen Wirth erklärt, wie Politiker in den Rausch eines übersteigerten Narzissmus geraten.”

Narzissmus

Vor knapp einem Jahr machte eine neuartige Webinitiative Furore: das GuttenPlag Wiki. Nach diesem Vorbild ist jetzt das WulffPlag entstanden: eine Wiki-Seite, an der sich alle beteiligen können.

WulffPlag

Die Popularität unseres Bundespräsidenten nimmt täglich zu – besonders nachdem er sein Schweigen gebrochen hat.

Wulff hat sich auch die Mühe gemacht, unseren Kindern das Thema sachgerecht zu erklären.

Das hat schlußendlich auch Erfolg gezeigt.

Zum Glück ist Wulff kein König – titelt die Zeit Online am 22.01.2012

“Sehr, sehr viel Zuspruch” erhalte er in dieser Krise aus der Bevölkerung. Deswegen wolle er im Amt bleiben. Deswegen habe er auch kein Problem mit anderslautenden Umfragen, wonach die Hälfte der Deutschen seinen Rückzug aus dem Amt für besser halten. Verloren gegangenes Vertrauen könne man durch “persönliche Begegnungen” wiedergewinnen. Die Bürger würden sich immer “ihr eigenes Urteil” bilden, im Moment sei dies vielleicht manchmal durch die “sehr lebhafte Medienberichterstattung” überlagert.

Dieses Selbstverständnis bestätigt natürlich auch das Ranking der Bundesbürger zu den bisherigen Bundespräsidenten im Focus:

Ranking Bundespräsidenten der BRD