Israel - Krieg, Bomben, Drohungen, Furcht und Traumata

Die Zeit hat es nun endlich auch auf den Punkt gebracht – dass, was ich schon 2010 im Artikel Verbrechen und Scham feststellte:

Israel hat die gleichen Gebrechen wie seine Nachbarn

„Für den jüdischen Staat bekundet das beständige Säbelrasseln mehr als nur die Furcht vor dem iranischen Atomprogramm. Gleichzeitig offenbart es eine Identitätskrise, die tief in die eigenen Fundamente reicht. Avraham Burg, Israels ehemaliger Präsident der Knesset, sieht den einstigen Wertebund zwischen Israel und den USA von Demokratie, Menschenrechten und Respekt vor anderen Nationen inzwischen abgelöst durch eine schlichte Garnitur gemeinsamer Interessen – Krieg, Bomben, Drohungen, Furcht und Traumata.“

Quelle und Original

Ich empfehle also noch einmal:

Hitler besiegen – Avraham Burg – 280Seiten, ISBN-10: 3593390566, EUR 23,60

Avraham Burg spricht aus, was viele in Israel empfinden: Der jüdische Staat ist besessen vom Misstrauen – gegen sich selbst, seine Nachbarn und die Welt um sich herum. Der Holocaust wird als ultimatives Trauma vereinnahmt, um israelisches Unrecht zu legitimieren. Burg kritisiert sein Land als militaristisch, fremdenfeindlich und anfällig für Extremismus. So wird der Weg zu einem Frieden im Nahen Osten immer wieder verbaut.

Trotz der großen Bedeutung des Erinnerns an die Opfer ist es Zeit, dass Israelis, Juden und die westliche Welt – allen voran Deutschland – das Trauma des Holocaust überwinden und Israel zu einem neuen Selbstverständnis findet, das auf Freiheit und Demokratie beruht.

Die Scham derer, die angesichts der Toten und der Menschenrechtsverletzungen in Gaza kontinuierlich schweigen, einen Frieden im Nahen Osten damit unmöglich machen, und die ein Regime unterstützten, das ein fremdes Volk und deren Unterstützer unterdrückt und willkürlich mordet, sollte angesichts unserer deutschen Geschichte inzwischen unaussprechlich sein – nur gibt es eben diese Scham bezeichnender Weise in der deutschen Politik leider nicht!

Es wird also Zeit, das Trauma des Holocaust zu überwinden, den Antisemitismus zu differenzieren und Position zu beziehen!

“Darum fürchtet der Mensch, gewarnt durch die Zerstörungskriege und Barbareien seiner jüngsten Vergangenheit, die eigene Zukunft, weil in jedem Augenblick an jedem Punkt der Welt durch menschliches Versagen das Chaos der Selbstvernichtung ausgelöst werden kann.” – Godesberger Programm 1959

Noch ein Wort zum Thema:

Evelyn Hecht-Galinski wurde 1949 in Berlin als Tochter des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Heinz Galinski, geboren. Das Motto ihres Vaters, “Ich habe Auschwitz nicht überlebt, um zu neuem Unrecht zu schweigen”, macht sie auch für sich geltend, und setzt sich für Frieden und Wahrung der Menschenrechte im Nahen Osten ein.

KenFM – Evelyn Hecht-Galinski

Weil im Beitrag angesprochen hier auch noch meine zweite Buchempfehlung:

Die ethnische Säuberung Palästinas – Ilan Pappe und Ulrike Bischoff – 416 Seiten, GP-Nummer 200 320, EUR 22,00

In dem bereits im Jahr 2006 in Oxford/ England erschienenen Buch von Ilan Pappe “The Ethnic Cleansing of Palestine” beschreibt der israelische Historiker und Professor für Politische Wissenschaften der Universität Haifa den Krieg 1948 zwischen dem gerade erst gegründeten Staat Israel und Palästina. Während dieser Krieg in der israelischen Wahrnehmung als “Unabhängigkeitskrieg” bezeichnet wird, rückt Pappe die massenhafte und von der israelischen Armee mit brutaler Gewalt vorangetriebene Vertreibung der Palästinenser in den Mittelpunkt seiner Betrachtung. Die ethnische Säuberung großer Teile Palästinas, so Pappe, sei von Anfang an eine sorfältig vorbereitete Strategie gewesen und stelle heute eine der Wurzeln des andauernden Konflikts im Nahen Osten dar. Vor allem räumt Pappe auf mit dem Mythos des 'voluntary flight' – von der freiwilligen Flucht der Palästinenser aus ihrer Heimat – der heute immer noch weitgehend durch die Argumentation geistert. Tatsache sei vielmehr, daß an die 1 Mio. Palästinenser unter Anwendung von Gewalt gezwungen worden seien, ihre Häuser und Dörfer zu verlassen. Dieser Vorgang, der teilweise unter den Augen von UN-Beobachtern, einer offenbar sich kaum darum kümmernden britischen Mandatsmacht und einer im allgemeinen indifferenten Weltpresse stattfand, habe, so der Autor, zu einer der größten Massenvertreibungen der neueren Geschichte geführt. Detailliert und kenntnisreich beschreibt er die Vorgänge der damaligen Zeit. Er stützt sich dabei, nicht wie etwa andere Historiker, nur auf israelische Quellen, sondern begibt sich selbst an die Orte des Geschehens, rekonstruiert die Überfälle der israelischen Armee und befragt überlebende Zeitzeugen. Pappe selbst sagt, mit seinem Buch habe er zweierlei untersuchen wollen, zum einen, wie 1948 bei der ethnischen Säuberung vorgegangen wurde, und zum andern, die Art und Weise, wie diese anschließend in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden sei. Die nur drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs allenthalben voherrschende Gleichgültigkeit sowie die auffällige Zurückhaltung jeglicher Kritik gegenüber dem jüdischen Staat nur drei Jahre nach dem Holocaust, habe der Welt erlaubt, den Vorgang schlichtweg zu verdrängen und so die Verantwortlichen in die komfortable Lage versetzt, das Verbrechen, das die zionistische Bewegung 1948 an dem palästinensischen Volk begangen habe, einfach abzustreiten.

Wer immer sich mit dem Problem “Naher Osten” und den Befindlichkeiten der sich nahezu unversöhnlich gegenüberstehenden Parteien befaßt, und wer vor allem nach Erklärungen für das heutige Verhalten der Palästinenser sucht, für den ist Ilan Pappes Buch ein absolutes Muß!