Erich Fried - Höre, Israel

“Ihr habt überlebt die zu euch grausam waren. Lebt ihre Grausamkeit in euch jetzt weiter?”

Endlich – Palästina hat jetzt den Beobachter-Status in der Uno. Das Votum war eindeutig, 138 Befürworter. 40 Enthaltungen und 9 Gegenstimmen.

„Am 65. Jahrestag der Anerkennung des Staates Israel wertet die UN-Vollversammlung die Palästinenser auf. Palästina erhält den Status eines Beobachterstaats. Im Westjordanland brechen Jubelfeiern aus. Die USA und Israel kritisierten das Votum. Deutschland enthielt sich im Gegensatz zu anderen europäischen Staaten der Stimme.“

Quelle und Original

Nun folgen, Schritt auf Schritt die Reaktionen eines „trotzigen kleinen Kindes“ – der Unrechtsstaat Israel antwortet, wie er wohl eingedenk seines aktuellen Selbstverständnisses antworten muss:

Nach der UN-Entscheidung, den Palästinensern einen Beobachtungsstatus einzuräumen, genehmigt Israel den Bau Tausender neuer Wohnungen in den Siedlungsgebieten im Westjordanland und Ost-Jerusalem. Die Palästinenser zeigen sich empört: Die Pläne seien ein “Schlag ins Gesicht der ganzen Welt”.

Siedlungsbau - Quelle und Original

Nach der Aufwertung der Palästinensergebiete zum UN-Beobachterstaat kündigte Israel an, die Auszahlung von Steuergeldern auszusetzen.

“Die Entscheidung (der UN) wird keine Basis für künftige Friedensverhandlungen darstellen und bringt die Bemühungen um eine friedliche Regelung nicht weiter”, hieß es in der Entschließung der Regierung. Israel habe ein “Recht und Ansprüche auf die umstrittenen Gebiete” des historischen Palästinas.

Steuergelder - Quelle und Original

Und das ist der „trotzige kleine Mann“, der diese Politik der Grausamkeit führend betreibt:

Politik der Grausamkeit

Erich Fried – Höre, Israel

„Ihr habt überlebt
die zu euch grausam waren.
Lebt ihre Grausamkeit
in euch jetzt weiter?“

Nun zur Geschichte – Israel habe ein “Recht und Ansprüche auf die umstrittenen Gebiete” des historischen Palästinas – so das Selbstverständnis.

Ich habe es schon mehrfach betont, die Geschichte zeigt etwas ganz anderes, so sie denn tatsächlich in einer manipulierten Presse einmal zu Wort kommt:

Die ethnische Säuberung Palästinas

„In seinem Buch Die ethnische Säuberung Palästinas (en 2006, dt 2007) stellt Pappé, gestützt auf erst seit kurzem zugängliche Armeedokumente, die These auf, die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina habe die “planmäßige Vertreibung” der einheimischen Bevölkerung mit eingeschlossen und dass die zionistischen Führer, allen voran David Ben Gurion, dieses Ziel nach dem Teilungsbeschluss der UNO 1947 mit politischen und militärischen Mitteln weiter verfolgten.“

„Der international renommierte Journalist John Pilger bezeichnete Ilan Pappé als den mutigsten, unbestechlichsten und am schärfsten urteilenden Historiker Israels.“

Quelle und Original - Wikipedia

In der Weltöffentlichkeit findet dies aber kein Gehör – Warum?

Lesenswert ist auch der Bericht des Prof. Dr. Heiner Schmitz von seiner Teilnahme an der Aktion „Willkommen in Palästina“, wobei es ihm als einem der wenigen gelungen ist, nach vielen Schikanen bis nach Palästina zu kommen.

Das sind immer noch aktuelle Tatsachen:

„Am 1. Juni 2011, dem Jahrestag der Besetzung des palästinensischen Teils Jerusalems im Jahre 1967 zogen Tausende junger jüdischer Israelis mit israelischen Fahnen durch den palästinensischen Stadtteil und brüllten “Möge Euer Dorf brennen”, “Schlachtet die Araber”, „Tod den Linken“ und „Mohammed ist tot”. Und was geschah danach? Allem Anschein nach gar nichts. Die rassistischen Ausschreitungen und die Ankündigung eines Pogroms an den dortigen Palästinensern wurden auch von unseren Medien vollkommen ignoriert. Man muss sich einmal vorstellen, wenn deutsche Rechtsextremisten durch Berlin-Kreuzberg gezogen wären, deutsche Fahnen geschwenkt und die gleichen Slogans gebrüllt hätten. Das hätte doch für weltweite Empörung und für eine ausführliche Berichterstattung in allen Medien gesorgt.“
Quelle und Original

Und so beginnt die Einleitung zu Illan Pappes Buch – “Die ethnische Säuberung Palästinas”

„An einem kalten Mittwochnachmittag, am 10. März 1948 arbeitete eine Gruppe von elf Männern, erfahrenen zionistischen Führern, mit jungen jüdischen Offizieren an den letzten Punkten eines Planes zur ethnischen Säuberung Palästinas. Noch am selben Abend gingen Militärbefehle zu den Militäreinheiten vor Ort, um die systematische Vertreibung der Palästinenser aus weiten Gebieten des Landes vorzubereiten. Die Befehle kamen mit detaillierten Beschreibungen der anzuwendenden Methoden für die zwangsweise Vertreibung des Volkes: umfassende Einschüchterung; Belagerung und Bombardierung der Dörfer und der Bevölkerungszentren; Häuser, Hab und Gut in Brand setzen;
Vertreibung der Bewohner, Zerstörung der Häuser und schließlich Minen in die Ruinen legen, um die Rückkehr der Bewohner zu verhindern. Jede Einheit bekam eine eigene Liste von Dörfern oder Stadtteilen, die sie sich nach dem Gesamtplan vornehmen sollte. Der Decknamen war Plan Dalet.“

Quelle und Original

Ilan Pappes Intention ist die folgende:

„Ich erwähne ihre Namen – aber es geht mir nicht darum, dass sie posthum vor Gericht gebracht werden. In meinem Buch geht es mir darum, den Tätern genau so wie den Opfer ein menschliches Antlitz zu geben. Ich möchte verhindern, dass die Verbrechen, die Israel begangen hat, irgendwelchen „Umständen“, „der Armee“ oder wie Benny Morris es tat, „dem Krieg als Krieg“ zugeschrieben werden oder anderen ähnlich vagen Hinweisen, die souveränen Staaten die Verantwortung abnehmen. Ich will Individuen ein Gewissen geben. Ich klage an, aber ich bin auch Teil der Gesellschaft, die verurteilt wird. Ich fühle beides: ich fühle mich verantwortlich und bin ein Teil der Geschichte. Aber wie andere in meiner eigenen Gesellschaft, bin ich davon überzeugt, dass nur eine schmerzvolle Reise in die Vergangenheit der einzige Weg nach vorne ist, wenn wir eine bessere Zukunft für uns alle, für die Palästinenser genau so wie für die Israelis, schaffen wollen.“

Dies unterscheidet sich in nichts von Verbrechen und Scham“ aus 2010, wo die Literaturnobelpreisträger José Saramago und Pilar del Río sowie weiterer Publizisten und Kulturschaffenden zum Krieg gegen die Palästinenser in Gaza festgestellt haben:

„Es ist kein Krieg, es gibt keine sich gegenüberstehenden Heere. Es ist ein Morden. Es handelt sich nicht um eine Repressalie, es sind nicht die selbstgebastelten Raketen, die erneut auf israelisches Territorium fielen, sondern es ist die zeitliche Nähe zum Wahlkampf, die den Angriff ausgelöst hat.“

Es ist wohl an der Zeit, festzustellen, dass ein Frieden im Nahen Osten nur mit der Anerkennung eines Staates Palästina neben Israel Bestand haben wird, Israel seine Unrechtspolitik in der Vergangenheit aufarbeiten muss, und es keinen Platz und keine Unterstützung mehr für „trotzige kleine Kinder“ in der Weltpolitik geben sollte. Zur Zeit ist es nur der Unrechtsstaat Israel, der die „schmerzvolle Reise in die Vergangenheit als einzigen Weg nach vorne“ verhindert.

Auch Deutschland nimmt in Europa dabei wieder einmal eine unrühmliche Sonderrolle ein – es enthält sich bei der Abstimmung zum Status Palästinas und – :

Deutschland hilft Israel bei Zuschneiden von U-Booten auf ballistische Flugkörper.

Quelle und Original

Man kann somit für unser Volk ebenso sagen – Wir haben nichts, aber auch gar nichts aus unserer Geschichte gelernt – zumindest so lange noch solche „Volksvertreter“ gewählt werden, die solche Entscheidungen treffen.

“Aber das ist auch die H o f f n u n g dieser Zeit, daß der Mensch im atomaren Zeitalter sein Leben erleichtern, von Sorgen befreien und Wohlstand für alle schaffen kann, wenn er seine täglich wachsende Macht über die Naturkräfte nur für friedliche Zwecke einsetzt; daß der Mensch den Weltfrieden sichern kann, wenn er die internationale Rechtsordnung stärkt, das Mißtrauen zwischen den Völkern mindert und das Wettrüsten verhindert; daß der Mensch dann zum erstenmal in seiner Geschichte jedem die Entfaltung seiner Persönlichkeit in einer gesicherten Demokratie ermöglichen kann zu einem Leben in kultureller Vielfalt, jenseits von Not und Furcht. Diesen Widerspruch aufzulösen, sind wir Menschen aufgerufen. In unsere Hand ist die Verantwortung gelegt für eine glückliche Zukunft oder für die Selbstzerstörung der Menschheit. Nur durch eine neue und bessere Ordnung der Gesellschaft öffnet der Mensch den Weg in seine Freiheit. Diese neue und bessere Ordnung erstrebt der demokratische Sozialismus.” – Godesberger Programm 1959

Nachtrag:

Die extremen Rechten mancher Länder verstehen sich – Israel, lebt ihre Grausamkeit in euch jetzt weiter?

Auszug aus Le Monde Diplomatique:

„Einen derart heftigen und gewaltsamen Ausbruch antiafrikanischer Ressentiments hatte Tel Aviv noch nicht erlebt. Dennoch war der Vorfall der letzte in einer langen Reihe ähnlicher Vorkommnisse, die überall in Israel zu verzeichnen sind, unorganisiert, aber immer häufiger. “Diese Proteste gegen Migranten aus Afrika in Süd-Tel-Aviv gibt es schon seit 2010, neu ist nur das Interesse der Medien daran”, meint die Journalistin Mya Guarnieri, die an einem Buch über die Arbeitsmigranten in Israel arbeitet. “Und von Anfang an tauchten bei solchen Protesten auch Politiker der extremen Rechten auf. Sie waren die Vorreiter, dann folgten die Populisten, und schließlich wurde es gesellschaftsfähig, antimigrantische Ressentiments zu pflegen. Das Ganze nahm seinen Ausgang bei der extremen Rechten, und ich glaube, zu diesem Lager darf man auch Eli Jischai rechnen.” …

Die Anwesenheit der Afrikaner stellt die israelische Gesellschaft vor ein grundsätzliches Problem, das durch die massenhafte Abschiebung oder den Bau neuer Gefängnisse nicht zu lösen ist: Wie geht der jüdische Staat mit Nichtjuden auf seinem Territorium um? Der Streit darüber legt zunehmend die Risse im israelischen Gesellschaftsgefüge offen. Erst kürzlich, an einem Abend im August, gingen mitten in Westjerusalem israelische Jugendliche brutal auf eine Gruppe von Palästinensern los. Hunderte Passanten sahen tatenlos zu. Ein palästinensischer Jugendlicher landete auf der Intensivstation, die Polizei sprach später von versuchtem “Lynchmord”.“

Quelle und Original

Nachtrag:

Israels Außenminister wirft Europa judenfeindliche Politik vor

Die Kritik der EU an Israels Siedlungsplänen vergleicht Außenminister Lieberman mit der Judenfeindlichkeit Ende der dreißiger Jahre. Europa opfere die Juden einmal mehr.

Quelle und Original

Das ist genau dieser Außenminister:

Israel Israels Außenminister Lieberman tritt zurück

Avigdor Lieberman hat seinen Rücktritt angekündet. Ihm droht eine Klage wegen Betrugs und Vertrauensbruchs.

Quelle und Original

Die Globalisierung kennt keine Grenzen und keine Religion.

Nachtrag – jeglicher Wille zur Einsicht verloren

Der “trotzige kleine Mann”, der die Politik der Grausamkeit in Israel führend betreibt, findet sich inzwischen mit folgende Statement wieder:

“Prime Minister Binyamin Netanyahu on Friday said he would continue to ignore the international community's condemnation of Israeli construction plans across the Green Line, in an interview with Channel 2. “The Western Wall is not occupied territory, and I don't care what the United Nations says,” Netanyahu said. “We are living in the Jewish State. The capital of the Jewish state, for 3,000 years, has been Jerusalem. I want to say it clearly.”

Quelle und Original

Es sind also nicht mehr die die Reaktionen eines „trotzigen kleinen Kindes“, es ist das bewusste Schüren eines dritten Weltkrieges mit atomarem Potential, das der Unrechtsstaat Israel unter Netanyahu im Wahlkampf bemüht.