Israelkritik = Antisemitismus

Nach Ansicht des Simon-Wiesenthal-Zentrums zählt Verleger Jakob Augstein zu den schlimmsten Antisemiten auf der Welt.

Jakob Augstein findet sich auf Platz 9 der 2012-Liste der Top Ten – Antisemiten und Israel-Kritiker, neben der Ägyptische Muslimbruderschaft und dem Regime des Iran. Zur Begründung der Platzierung wird Henryk M. Broder als „weltweit anerkannter Gutachter für deutschen Antisemitismus“ bemüht.

Simon-Wiesenthal-Zentrum - Antisemiten

Das sind die Aussagen, um die es geht:

1 ) „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs“

2 ) „Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.” Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen“

3 ) „Israel wird von den islamischen Fundamentalisten in seiner Nachbarschaft bedroht. Aber die Juden haben ihre eigenen Fundamentalisten. Sie heißen nur anders: Ultraorthodoxe oder Haredim. Das ist keine kleine, zu vernachlässigende Splittergruppe. Zehn Prozent der sieben Millionen Israelis zählen dazu.“

4 ) „Gaza solle “auf dem niedrigsten Level funktionieren, der gerade noch eine humanitäre Katastrophe” ausschließe. Selbst das ist gelogen. Die Katastrophe geschieht. Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. 1,7 Millionen Menschen hausen da, zusammengepfercht auf 360 Quadratkilometern. Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“

5 ) „Das Feuer brennt in Libyen, im Sudan, im Jemen, in Ländern, die zu den ärmsten der Welt gehören. Aber die Brandstifter sitzen anderswo. Die zornigen jungen Männer, die amerikanische – und neuerdings auch deutsche – Flaggen verbrennen, sind ebenso Opfer wie die Toten von Bengasi und Sanaa. Wem nützt solche Gewalt? Immer nur den Wahnsinnigen und den Skrupellosen. Und dieses Mal auch – wie nebenbei – den US-Republikanern und der israelischen Regierung“

Die Belegbarkeit der Vorwürfe wird hier dargestellt:

Freitag - Belege

Der für die Erstellung der Rangliste zuständige Mitarbeiter des Wiesenthal-Zentrums, Rabbi Abraham Cooper, begründet seine Auswahl wie folgt:

“Wenn jemand in dieser Position ein Bild zeichnet, wonach zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung in Israel, die ja auch eine religiöse Bevölkerung ist, von den Deutschen genauso gesehen werden sollten wie islamische Extremisten und Terroristen, dann ist das nicht nur komplett unrichtig und falsch, sondern dann überschreitet er die Grenze, was Dämonisierung angeht”

Der vom renommierten Simon-Wiesenthal-Zentrum als „weltweit anerkannter Experte für deutschen Antisemitismus“ bemühte Henryk M. Broder hat seine Rolle, die er spiele, bereits wie folgt selbst beschrieben:

“Die des jüdischen Pausenclowns, der in einer großen Manege kleine Kunststücke vorführen darf”.

Quelle und Original

Angesichts der Lage im nahen Osten sind alle fünf oben genannten Aussagen aber grundsätzlich richtig, wesentlich belegbar, und sicherlich auch eindeutige Kritik an der derzeitigen Regierung Israels.

Angesichts der Lage im nahen Osten ist es wohl aber nicht der Zeitpunkt, in großer Manege kleine Kunststücke vorzuführen, und das geschätzte Simon-Wiesenthal-Zentrum wäre gut beraten gewesen, in dieser Sache nicht einen Pausenclown zur Argumentation zu bemühen.

So gibt also wohl nur zwei Deutungsweisen:

1. Das renommierte Simon-Wiesenthal-Zentrum lässt sich leider politisch – oder sogar persönlich von Henryk M. Broder – instrumentalisieren.

2. Der Affront soll von der Resolution der UN-Generalversammlung vom 3. Dezember 2012 ablenken, und kritischen Journalismus stoppen.

Und das Enttäuschende ist nun – Antisemitismus wird damit ausgerechnet vom Simon-Wiesenthal-Zentrum selbst relativiert!

Zu den Kunststücken des „Pausenclowns“ Broders gehört etwa dies hier – Evelyn Hecht-Galinski

2008 erklärte Evelyn Hecht-Galinski in einer Folge der Radiosendung Hallo Ü-Wagen des WDR:

„Ich weiß es auch aus eigener Erfahrung, wenn ich Interviews im Deutschlandfunk hatte, wie dann sofort der Zentralrat oder israelische Botschafter anruft und sich protestiert. Ich weiß, wie, wie verfahren wird von der israelisch-jüdischen Lobby, die es gibt, und da ist gar nichts gegen zu sagen, sie bezeichnet sich inzwischen selbst so. Und was Sie hier gebracht haben, das hört sich son bisschen nach der ‚Broder-Connection‘ an, aber die ist so uninteressant, die ist so unter dem Niveau, aber ansonsten ist ein massiver Druck, und der Druck, der ist auch sehr erfolgreich, und das muss ich sagen.“
– Hecht-Galinski: Sendung „Hallo Ü-Wagen“

Daraufhin schrieb der Publizist Henryk M. Broder im Mai 2008 an WDR-Intendantin Monika Piel über Evelyn Hecht-Galinski:

„Jeder kölsche Jeck mit zwei Promille im Blut würde sogar an Weiberfastnacht erkennen, dass Frau EHG eine hysterische, geltungsbedürftige Hausfrau ist, die für niemanden spricht außer für sich selbst und dabei auch nur Unsinn von sich gibt. Ihre Spezialität sind antisemitisch-antizionistische Gedankenlosigkeiten …“
– Broder

Quelle und Original

Evelyn Hecht-Galinski ist hier bereits im August 2012 mit ihren „antisemitisch-antizionistischen Gedankenlosigkeiten“ zu Wort gekommen. Machen Sie sich bitte selbst ein Bild.

Damit sollte Henryk M. Broder ausreichend kommentiert sein.

Was nun die Dämonisierung angeht, so ist es gerade die jetzige Regierung in Israel, die eine Resolution der UN-Generalversammlung vom 3. Dezember 2012 zur Offenlegung der Atomwaffen mit 174 Ja-Stimmen, 6 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen wie folgt kommentiert:

„Die UN-Generalversammlung habe alle Glaubwürdigkeit in Bezug auf Israel mit solcher Art von Routine-Beschlüssen verloren, deren Annahme durch eine automatische Mehrheit gesichert sei, und Israel vereinzele.“

Sind dies also die „antisemitisch-antizionistischen Gedankenlosigkeiten“?

Der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim – Wir brauchen einen Psychiater

„Aber es ist eben kein Konflikt, den man politisch oder gar militärisch lösen könnte, es ist ein menschlicher Konflikt, in dem zwei Völker zutiefst davon überzeugt sind, Anrecht zu haben auf dasselbe Stück Land. Wir brauchen kein Nahost-Quartett aus Uno, Russen, Europäern und Amerikanern. Wir brauchen einen Psychiater.“

Quelle und Original

Auch die NachDenkSeiten haben sich des Themas angenommen – Lesenswert! Und gleichzeitig Erklärung genug, warum es sich nicht mehr lohnt, die TAZ zu lesen.

Kritik an Israels Regierung = Antisemitismus

“Wo kämen wir hin, // wenn alle sagten, // wo kämen wir hin, // und niemand ginge, // um einmal zu schauen, // wohin man käme, // wenn man ginge.”

Nachtrag – der Spiegel hat versucht, ein Streitgespräch zu organisieren zwischen Jakob Augstein und Rabbi Cooper, der beim Simon Wiesenthal Center in Los Angeles für die Liste verantwortlich ist, ergebnislos.

„Ein Skandal. Die SPIEGEL-Redaktion wollte herausfinden, was da passiert ist, warum Augstein auf der Liste gelandet war. Die Redaktion ist damit gescheitert. Aber dieses Scheitern sagt viel über Methoden und Haltung des Wiesenthal Center aus. Es geht um absurde Forderungen und Mails wie aus einer anderen Welt.“
Quelle und Original

Um Handlungsweisen wie aus einer anderen Welt geht es wohl auch hier:

“Israel versprüht am 04.01.2013 Stinktiersekret über die Häuser von Nabi Saleh im besetzten Palästina.

Quelle und Original

Übrigens – kein Einzelfall- allerdings hier 2008 auf Protestierende.

Quelle und Original

Daniel Barenboim scheint Recht zu haben – Wir brauchen einen Psychiater!

Was also ist Antisemitismus?