Amazon

Moderner Sklavenhandel in Europa – gepaart mit moderner Steuerhinterzeihung?

Sie bestellen noch bei Amazon? Dann sollten Sie sich einmal mit dem Hintergrund des Weltkonzerns beschäftigen – Anlass soll zunächst eine Reportage der ARD sein:

„Amazon ist der mit Abstand größte Online-Händler der Welt und auch in Deutschland schon lange die Nummer eins. Fast jedes Produkt lässt sich hier günstig bestellen, geliefert wird oft über Nacht – selbst noch am Heiligen Abend. Doch wer packt die Pakete für die Bescherung? Jedes Jahr zur Hochsaison wirbt Amazon Deutschland tausende Wanderarbeiter aus dem Ausland an. Für viele Spanier ist der Ruf nach Deutschland in Zeiten der Eurokrise wie ein Lottogewinn…

Die Reportage deckt auf, was sich hinter der Fassade von Amazon.de verbirgt und wer dafür zahlt, dass die schöne neue Warenwelt des Internethändlers so billig zu haben ist.“

Ausgeliefert – Leiharbeiter bei Amazon

Oder in der Mediathek der ARD

Der Konzern nutzt also die Bedingungen der Weltwirtschaftskrise- oder auch Umverteilungsphase – in Europa schamlos aus, und installiert europaweit ein System moderner Ausbeutung auf der Basis von Zeitarbeit und befristeten Arbeitsverträgen – mit Wissen und Duldung der hiesigen Arbeitsämter. Der Sklavenhandel – selbstverständlich sauber ausgelagert aus der Konzernverantwortlichkeit – delegiert an die „Clementschen“ Zeitarbeitsstrukturen mit inzwischen hauseigener Security garantiert maximalen Profit bei Ablehnung jeglicher sozialen Verantwortung. Hire and Fire unter menschlichen Bedingungen die im europäischen 21. Jahrhundert eigentlich unvorstellbar sein sollten. Und dies geschieht nicht etwa in China – wo Apple produzieren lässt – sondern bereits mitten in Europa! Möglich durch Politiker, die einer einzigen Götze hinterher rennen – der Götze Globalisierung. Privatisierung bei gleichzeitiger Demontage sozialer Strukturen öffnen Tür und Tor für die Sklaventreiber „moderner Arbeit“.

Das Beste ist nun – Amazon verdient überhaupt nichts:

Das Handlesblatt hat sich mit den Steuerstrukturen von Amazon beschäftigt.

Wie Amazon sich ums Steuerzahlen drückt

„Rund zwei Milliarden Euro hat der Online-Versandhändler in den vergangenen Jahren steuerfrei angespart. Geholfen hat dabei eine Niederlassung in Luxemburg, drei Tochterunternehmen – und Umverteilung von Betriebsvermögen…

..Nach den Reuters-Recherchen ist es Amazon.com gelungen, mit Hilfe seiner Luxemburger Firmen-Konstruktion rund zwei Milliarden Dollar steuerfrei beiseitezulegen – Geld, das nun für die Expansion der Firma genutzt wird. 2011 offenbarte Amazon, dass die US-Bundessteuerbehörde IRS eine Nachzahlung von 1,5 Milliarden Dollar fordert. Eine Stellungnahme zu den Vorgängen lehnte die Firma ab. Schriftlich erklärte ein Sprecher lediglich: „Amazon bezahlt alle anfallenden Steuern in allen Ländern, in denen wir aktiv sind.“..

..Die schnell wachsenden Europa-Töchter wurden damit letztlich zu reinen Erfüllungsgehilfen, zuständig für den Versand von Päckchen und den Kundenservice. Diese Änderung der Struktur half bei der Lösung eines Problems zu Hause: Die 1995 gegründete Firma hatte bis 2003 in jedem Jahr Verlust gemacht. Das war in der damaligen Dotcom-Hysterie nicht ungewöhnlich, als mehr auf den Aktienkurs und das Potenzial als auf den Gewinn geschaut wurde. Ende 1999 schwoll der Verlust allerdings auf mehr als eine Milliarde Dollar an, so dass selbst die eigenen Buchhalter Zweifel bekamen, ob man die Summe jemals würde steuermindernd einsetzen können – denn es war damals völlig unklar, wann in den USA die Gewinnschwelle erreicht werden könnte…

.. Der Clou: Durch den Umbau der Europa-Töchter konnten die US-Verluste mit den Übersee-Gewinnen verrechnet werden. Im Ergebnis musste Amazon damit auf seine Auslandserträge zu Hause keine Steuern entrichten, sagt der US-Steuerrechtsexperte Stephen Shay von der Elite-Universität Harvard…

..Im Juni 2003 meldete Amazon im Großherzogtum die „Amazon Services Europe SARL“ an, untergebracht in einem grauen Betonklotz gegenüber dem zentralen Parkplatz für Busse. Einen Monat später wurden in Großbritannien die Geschäftsbedingungen geändert: Verträge mit Dritt-Anbietern, die Amazon zur Abwicklung ihrer Geschäfte nutzten, wurden nicht mehr über die USA, sondern über Luxemburg abgewickelt.

..Das Problem war nur: Die Amazon Europe Holding Technologies besaß zu dem Zeitpunkt keine Technologie, die man hätte lizenzieren können. Die Amazon-Patente, darunter die Marke selbst und ihre „1-click“-Bestellsoftware, lagen bei Amazon Technologies Inc, einer Tochter, die im US-Bundesstaat Nevada registriert war…

..Zur Lösung dieses Problems wurde Anfang 2005 ein firmeninternes Geschäft abgewickelt. Die Details wurden nie bekannt. Amazon-Finanzchef Tom Szkutak sagte einige Wochen danach in einer Analysten-Telefonkonferenz, beim Aufbau der Aktivitäten in Luxemburg seien „gewisse Teile des Betriebsvermögens“ verschoben worden, was die Steuerrechnung des Konzerns um 58 Millionen Dollar erhöhen, langfristig aber zu Einsparungen führen werde. Im Ergebnis hat die Luxemburg-Struktur dazu beigetragen, dass Amazon in den vergangenen fünf Jahren in den USA im Schnitt 5,3 Prozent Steuern auf seine Auslandsgewinne bezahlt hat – weniger als ein Viertel der durchschnittlichen Belastung auf den wichtigsten Auslandsmärkten.

Die Bilanzen zeigen, dass die Amazon Europe Holding Technologies an die Amazon Technologies Inc in Nevada beginnend im Jahr 2005 jedes Jahr 230 Millionen Dollar abgeführt hat. Im gleichen Zeitraum nahm Amazon Europe Technologies jährlich bis zu 583 Millionen Euro von den europäischen Töchtern des Konzerns ein. Der Differenzbetrag verblieb in Luxemburg. Über die Zeit hat Amazon damit dort steuerfrei über zwei Milliarden Dollar angespart.”

Quelle und Original

Man sollte sich auch ein wenig mit der Entstehungsgeschichte und der Unternehmenspolitik von Amazon auseinandersetzen, um die Ziele des Konzerns besser verstehen zu können.

Amazon – A Company That Eats The World

A group project for Global Economy 2011:

„Die Entstehung von Amazon ist eine der Legenden geschaffen von der Informations-Revolution. Die Informations-Revolution hat die wirtschaftliche und politische Landschaft entscheidend in der Welt verändert. Nachdem Amazon genug ökonomisches Kapital angesammelt hat, fungierte der Konzern nun als Interessengruppe und versucht die lokale Politik zu eigenen Nutzen zu steuern.“

Diese Firmenpolitik – erfolgreich in Europa umsetzt – beginnt nun auch die Briten zu interessieren, die wohl inzwischen aufgewacht sind:

Russia Today

„Drei der weltweit am meisten anerkannten Marken – Starbucks, Google und Amazon – sind in Großbritannien unter Beschuss die Briten um Millionen Pfund durch aufwendige Steuervermeidung beraubt zu haben.“

Der französische Staat schließt sich an:

Das Handelsblatt
„Der französische Staat fordert vom Internet-Versandhändler Amazon 252 Millionen Dollar (198 Millionen Euro) Steuernachzahlung. In der Summe ist auch ein Bußgeld für die Jahre 2006 bis 2010 enthalten, wie aus einem Amazon-Bericht hervorgeht, der von der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlicht wurde. Amazon.com brachte sein Unverständnis über die französische Steuerschätzung zum Ausdruck und kündigte an, dieser klar widersprechen zu wollen.“

Quelle und Original

In Deutschland sieht das so aus:

Das Handelsblatt:
„Die Geschäfte von Amazon florieren – auch in Deutschland. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete der Online-Händler zwischen Flensburg und Garmisch 8,73 Milliarden Dollar Umsatz (6,45 Milliarden Euro), wie der Konzern der US-Börsenaufsicht SEC jüngst mitteilte. Wie viel Gewinn übrig geblieben ist, verschweigt Amazon aber. Und so stellt sich wieder einmal die Frage: Rechnet sich hier ein Konzern arm, um Steuern zu sparen?
Insgesamt machte Amazon im vergangenen Geschäftsjahr 61,1 Milliarden Dollar Umsatz, davon 26,3 Milliarden im Ausland, also rund 43 Prozent. Allerdings waren auch die Kosten hoch, wegen der Investitionen etwa in neue Versandzentren wie auch wegen niedriger Gewinnmargen – Amazon verkauft beispielsweise seine Kindle-Geräte sehr günstig. So stand unter dem Strich ein Verlust von 39 Millionen Dollar. An den Fiskus zahlt Amazon 428 Millionen Dollar, den größten Teil allerdings in den USA.“

Quelle und Original

Fazit:

Amazon ist in den Jahren 2003-2011 in Europa bedeutend geworden – und nicht zufällig in Folge der Bankenkrise. Das Prinzip, Gewinne zu privatisieren und Verluste mit Hilfe der jeweiligen Regierungen zu sozialisieren, ist bei Amazon das eben gleiche, wie bei den großen europäischen Geschäftsbanken, möglich durch eine ausgeklügelte Verschiebung von Betriebsvermögen in den jeweils günstigsten Steuerbereich, und eine drastische Reduzierung von Sozialkosten. Amazon wächst nur dank der Unterstützung durch eine Politik, die eine Vermeidung der Sozialkosten und “Steuerkreativität” bei der Versteuerung angefallener Unternehmensgewinne bei globalen Konzernen möglich macht. Diese für jeden Inlandskonkurrenten sofort fälligen Steuern und Sozialabgaben sind bei Amazon das Kapital für die Übernahme weiterer Strukturen und Geschäftsmodelle – nicht anders bei Google und Apple – und alles ganz legal.

Amazon zerstört mit dieser Verkaufs-Politik nachhaltig gewachsene Strukturen, Geschäftsmodelle, Arbeitsplätze und soziale Errungenschaften. Amazon ist zugleich aber auch eine riesige Blase. Gemessen an verantwortungsvoller Steuerpolitik mit realen Steuerabgaben, die einem Gemeinwohl dienen würden, arbeitet der Konzern trotz aller Ausbeutungsstrukturen ruinös, und verdient kein Geld – Amazon weist bis heute in den Bilanzen Verluste aus.

Bei einer am Gemeinwohl orientierten europäischen Steuerpolitik würde Amazon, ebenso wie manch europäische Bank, einfach Konkurs gehen, und wäre nichts weiter als ein weiteres Beispiel der Dotcom-Hysterie und des Wachstums-Größenwahns.

Der Struktur und dem System der Abzocker wurde politisch in Deutschland bereits in den Jahren 2002-2006 von gewissenslosen Politikern der Boden bereitet, auf dem heute nun der Konzern Amazon reibungslos funktioniert.

Die Abzocker

Anders als bei den “systemrelevanten” Großbanken hat aber hier der Verbraucher neben einer untätigen Politik Einfluss auf eine zukünftige Entwicklung in Europa.

Wer bei Amazon – mit der zugegebener Weise perfekten Bequemlichkeit einer ein Klick Bestellung – einkauft, sollte daher wissen:

Mit jeder Bestellung stirbt auf Dauer eine weiteres Fachgeschäft in Deutschland, geht Beratung, Kompetenz, Fachwissen und auch menschliche Beziehung verloren.

Mit jeder Bestellung werden Strukturen der modernen Sklaverei in Form von skrupellosen Zeitarbeitsfirmen unterstützt, die jedem sozialdemokratischem Verständnis zu wider laufen müssen, Arbeitsrechte aushöhlen und Arbeitslöhne unterbieten.

Mit jeder Bestellung kann Ihr eigener Arbeitsplatz derjenige sein, der unter dem Deckmäntelchen eines globalisierten Handels verloren geht, und der Billigkonkurrenz eines global agierenden, steueroptimierten Unternehmens weichen muss.

Mit jeder Bestellung sinken die Steuereinnahmen in den europäischen Länder, und damit die sozialen Gestaltungsmöglichkeiten für eine lebenswerte Gesellschaft.

Ist das die Bequemlichkeit des einen Klicks wert?

Ich habe mein Amazon Kundenkonto bereits im Jahre 2010 gekündigt, allerdings noch aus anderen politischen Gründen.

“Der moderne Staat beeinflußt die Wirtschaft stetig durch seine Entscheidungen über Steuern und Finanzen, über das Geld- und Kreditwesen, seine Zoll-, Handels-, Sozial- und Preispolitik, seine öffentlichen Aufträge sowie die Landwirtschafts- und Wohnbaupolitik. Mehr als ein Drittel des Sozialprodukts geht auf diese Weise durch die öffentliche Hand. Es ist also nicht die Frage, ob in der Wirtschaft Disposition und Planung zweckmäßig sind, sondern wer diese Disposition trifft und zu wessen Gunsten sie wirkt. Dieser Verantwortung für den Wirtschaftsablauf kann sich der Staat nicht entziehen. Er ist verantwortlich für eine vorausschauende Konjunkturpolitik und soll sich im wesentlichen auf Methoden der mittelbaren Beeinflussung der Wirtschaft beschränken. Freie Konsumwahl und freie Arbeitsplatzwahl sind entscheidende Grundlagen, freier Wettbewerb und freie Unternehmerinitiative sind wichtige Elemente sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik. Die Autonomie der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände beim Abschluß von Tarifverträgen ist ein wesentlicher Bestandteil freiheitlicher Ordnung. Totalitäre Zwangswirtschaft zerstört die Freiheit.” Godesberger Programm 1959

Nachtrag:

Die ARD-Reportage über die Arbeitsbedingungen der Amazon Arbeiter zeigt Wirkung:

Amazon im Shitstorm

Beim Onlinehändler Zalando dokumentiert sich bei den Arbeitsbedingungen die fast gleiche Situation:

Zalando zeigt übrigens als Geschäftsmodell die gleiche Blase wie Amazon:

„Der Umsatz hat sich im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr von 510 Millionen Euro auf 1,15 Milliarden Euro mehr als verdoppelt, wie das Unternehmen am Freitag in Berlin mitteilte. Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag nach den vorläufigen Zahlen bei etwa minus 90 Millionen Euro nach minus 60 Millionen im Jahr zuvor.“

Quelle und Original

Bei Rücklaufquoten von ca. 50% ist also schlussendlich das gesamte Geschäftsmodell der Versandriesen ökologisch absolut fragwürdig.

NachDenkSeiten – Amazon und Du – Macht und Ohnmacht des Verbrauchers

Quelle und Original

China berichtet über die katastrophalen deutschen Arbeitsverhältnisse – mit einem Gruß aktuell an Frau von der Leyen, und in spe an Gerhard Schröder, Peer Steinbrück sowie Herrn Superminister Clement.

Quelle und Original

Handeln Sie hier und jetzt:

Amazon - Verbessern Sie die Arbeitsbedingungen Ihrer Leiharbeiter!

Amazon und die Strategie der tödlichen Umarmung

Blätter für deutsche und internationale Politik 4/13

“Im Ergebnis geht es in dem Fall Amazon um weit mehr als nur um die Monopolisierung des Online-Buchhandels, nämlich um die Ausschaltung sämtlicher alternativer Handelsmodelle im Internet. Gelingt es daher nicht, den Einfluss Amazons einzuschränken, steht der freie Markt im Netz in Gänze zur Disposition.”

Quelle und Original

Ganz ähnlich läuft das hier – Media-Saturn-Holding

“Eigene Unternehmen Media Markt oder Saturn gibt es entgegen einer weit verbreiteten Annahme nicht mehr, lediglich die beiden Marken existieren unabhängig voneinander fort.”

“Wie auch bei anderen Handelskonzernen mit aggressiven Werbestrategien wird bei der Media-Saturn-Holding die Irreführung der Kunden durch Lockvogelangebote kritisiert. Artikel werden zu extrem günstigen Preisen großflächig beworben, sind aber nach kürzester Zeit ausverkauft, obwohl das geltende Recht dies verbietet – nach der Rechtsprechung zum Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) müssen beworbene Sonderangebote mindestens zwei Tage erhältlich sein. Verbraucherschützer kritisieren, dass dieses bei Media Markt und Saturn häufig nicht gewährleistet sei.”

Media-Saturn-Holding