Stadtentwicklung Wuppertal

Wenn eine Stadt wirtschaftlich nicht mehr handlungsfähig ist, das Theater schließt, die Straßen nicht mehr repariert werden können – was macht man dann?

Man macht weiter wie bisher, kauft sinnentleerte Sprüche für 440.000 Euro bei Werbeagenturen, und feiert ausgiebig die eigene Verblödung.

Das Ergebnis der neuesten Hirntod Erfahrung in Wuppertal stammt von der Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends und lautet:

“Wuppertal – macht was anders” – und kostet etwas mehr als 200.000 Euro.

Die WZ berichtet:
„Das Stadtentwicklungsprojekt mit dem Slogan „Wuppertal – macht was anders“ kostet insgesamt etwas mehr als 200.000 Euro, wie Kämmerer Johannes Slawig am Dienstag auf Anfrage der WZ bestätigte. Eine exakte Summe konnte oder wollte der Kämmerer nicht nennen, wies aber darauf hin, dass diese Summe von der Stadt, den Stadtwerken und der Sparkasse gemeinsam bezahlt werde. In dieser Summe ist laut Slawig auch das Honorar für die beauftragte Düsseldorfer Werbeagentur Scholz & Friends enthalten.

Im Zuge der Diskussion wollten zahlreiche Leser wissen, was die „Wir wuppen das“-Kampagne der Stadtwerke gekostet hat. WSW-Sprecherin Judith Birkenbach bestätigte am Dienstag, dass die Kampagne 240.000 Euro gekostet hat. Sie stellte jedoch fest, dass die Kampagnen nicht miteinander vergleichbar seien.“

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Fangen wir also an, machen wir mal was anderes in Wuppertal – erst mal beim Schauspielhaus:

„Bis 2015 wird der jährliche Zuschuss um zwei Millionen Euro gestrichen. Das Ensemble soll nicht mehr aus 14, sondern aus zehn Mitgliedern bestehen. Das bisherige Gebäude, das Schauspielhaus, soll endgültig geschlossen werden. Unmittelbar neben der Oper ist eine neue, kleinere Spielstätte geplant. Hier sollen nach Willen des Stadtrates regelmäßig 75 Prozent der 160 Plätze unbedingt besetzt werden.

Das Schauspiel soll auch weiterhin das Opernhaus bespielen – mit großen klassischen und mit für Familien geeigneten Stücken. Damit ist ein Richtungswechsel verbunden für das traditionsreiche Wuppertaler Schauspiel, das für experimentelles und progressives Theater bekannt ist.“

Quelle und Original

Statt Kunst soll es also jetzt „große klassische und für Familien geeigneten Stücke“ – somit Seifenoper für zahlungswillige Freigeister der letzten Verblödungskampagne „Wir wuppen das“ geben.

Aber schauen wir mal weiter – auf unseren Vorzeige Oberbürgermeister Peter Jung mit dem ganz kostenlosen Leitspruch aus Eigenkreation “Sparen um zu gestalten”. Die Erinnerungslücken unseres bedauernswerten OB´s haben leider im Zuge der genialen Stadtentwicklungsprojekte entschieden zugenommen.

Die WZ berichtet:
„In einer bereits abgeschlossenen Analysephase hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Agentur Scholz & Friends sowie in zahlreichen Gesprächsrunden mit so genannten Meinungsführern aus Wuppertal die Innen- und Außensicht Wuppertals beleuchtet. Fazit: Es gibt ein großes kreatives Potenzial, Herausforderungen aus eigener Kraft und innovativ zu lösen. „Dass Wuppertal es anders und oft besser macht als andere, zeigt die Schwebebahn“, erklärte Oberbürgermeister Peter Jung bei der Präsentation des Projektes.“

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„Dass Wuppertal es anders und oft besser macht als andere, zeigt die Schwebebahn“

Anders haben wir es gemacht – wir haben eine funktionstüchtige Schwebebahn abgerissen, besser (in der Technik) mag sein, muss sich in der Zukunft aber noch erweisen.

Großes kreatives Potenzial – stimmt. Herausforderungen aus eigener Kraft und innovativ zu lösen, hat die Stadt Wuppertal in der Tat beim Schwebebahnabriss gezeigt, davon zeugt der Schuldenstand bei der WSW AG.

Aber wir brauchen ja keine Fakten in Wuppertal, wir brauchen keine Realitäten wir brauchen Sprüche für Wuppertal – Sprüche wie diese:

Wir wuppen das!

So schrieb basta-wuppertal:
„Da muss einer der prekären Menschen beim Power-Brainstorming im Office “Wir wuppen das!” gerufen haben. Und alle haben sich gebogen vor Lachen. Weil “wuppen” so ein irre komisches Wort ist. Und weil es einer Werberseele noch immer als total endgeil gilt, mit sinnlosen Wortfetzen die Umgangssprache vollzumüllen. Und weil ihr euch alle gebogen habt vor Lachen, glaubtet ihr, den Spruch gefunden zu haben, der aus Ärger Freude, aus Krieg Frieden und aus Wuppertal ein zukunftsstrotzendes, dynamisches Dorf machen kann, für das man sich nicht mehr schämen muss. Und so habt ihr dann den Werbeetat “gewuppt”.

Doch ihr habt den Schuss nicht gehört. Denn seitdem Oberbürgermeister allen Ernstes “Sparen um zu gestalten” auf ihre Totsparpakete schreiben, seit die Bundesregierung kommunale Kürzungen und neuerliche Beutezüge ihrer Freunde aus der Wirtschaft als “Wachstumsbeschleunigungsgesetz” verkauft, und seit “Mehr Brutto vom Netto” die Republik regiert, geht die Doppelung sinnentleerten Blahs den Leuten zunehmend auf die Nerven. Das enthirnte Gesabbel und die “motivierenden” Sprüche gleichen aufmunternde Schlägen auf die Schultern der armen Schweine – bei denen der bigott Wohlmeinende aufpassen muss, nichts aus seinem Cocktailglas zu verschütten, während sich die Aufzumunternden an ihren trockenen Brotkrümeln von der “Tafel” fast verschlucken. Sowas kommt nicht mehr so besonders gut.

Die Zeiten haben sich geändert. Es ist vorbei. Mit dem Wortgeklingel, das alleine schon reichen soll, bessere Laune zu verbreiten. Mit dem Glauben, dass Leute wie Christian Boros irgendetwas für die Leute dieser Stadt tun würden oder könnten. Mit der Verblödung, die noch den letzten Einschnitt in die Lebensqualität der Menschen zu einer prima Schönheitsoperation umdeuten möchte. Es ist vorbei. Vielleicht noch nicht bei allen, aber bei immer mehr Leuten schrillt bei sowas wie ihrer coolen Kampagne nur noch der persönliche Verarschungsalarm. Und die anderen, die Gutmütigen, die sitzen jetzt da, und warten darauf, das Sie das jetzt auch “wuppen”.“

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“Sparen um zu gestalten” , wir sind eine Nummer weiter – wir haben uns das Schauspielhaus gespart, sparen uns bald die WSW AG, eine Reparatur der Straßen sowieso, den Investoren Kubus am Döppersberg samt Tiefgarage als Parkplätze des Bahnhofes, also eben nur ein neuer Bahnhof ohne Parkplätze.

Dazu schreibt die Stadt:
„Sollte kein Investor gefunden werden, wird der Döppersberg trotzdem gebaut. Die Planung hat von Anfang an darauf geachtet, an keiner Stelle von einem möglichen Investor abhängig zu sein. Bis auf den Investorenkubus, die Tiefgarage und die Passage unter dem Vorplatz sind alle Bauteile ohne Investor umsetzbar. In diesem Falle wird die Fläche des Investorenkubus eine neue Grünanlage – der Bürger gewinnt in jedem Fall.“

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Alles kein Problem, „Wir wuppen das“, und zudem, „Wuppertal macht was anderes“, und „Wir sparen um zu gestalten“.

Der wahre Stand der Dinge in Wuppertal zeigt sich allerdings in folgendem öffentlichem Statement unseres Stadtkämmerers Johannes Slawig:

„Erstmals äußerte sich der Stadtdirektor öffentlich über den Zeithorizont für die Rückzahlung der Kassenkredite in Höhe von knapp 1,5 Milliarden Euro. Dafür würde man sicher 70 oder mehr Jahre brauchen, um schließlich wieder zu einer angemessenen Eigenkapitalausstattung der Stadt zu kommen. Das könne natürlich keine sinnvolle politische Perspektive sein. Früher oder später müsse ein Altschuldenfonds beim Bund einen wesentlichen Teil dieser Schulden übernehmen.“

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Erinnern Sie sich jetzt noch an das „enthirnte Gesabbel“ und die “motivierenden” Sprüche unserer Stadtführung?

„Fazit: Es gibt ein großes kreatives Potenzial, Herausforderungen aus eigener Kraft und innovativ zu lösen. „Dass Wuppertal es anders und oft besser macht als andere, zeigt die Schwebebahn“, erklärte Oberbürgermeister Peter Jung bei der Präsentation des Projektes“

Nein – dann wuppen Sie das! Der wuppende Bürger gewinnt in jedem Fall.

Eine Reminiszenz an die Vergangenheit – Echt Wuppertal – Eine Zeitreise mit der Schwebebahn (1999)

Echt Wuppertal – Eine Zeitreise mit der Schwebebahn (1999)
Ein Film von Volker Anding und Enno Hungerland. Eine Schwebebahnfahrt durch das 20. Jahrhundert im Tal der Wupper von Oberbarmen nach Vohwinkel und zurück.

Es gab mal eine Zeit – an meine Stadt Wuppertal

Es gab mal eine Zeit,
da hast du oft gefragt,
wie's mir geht und was ich denke,
denn Es hat dich interessiert.
Es gab mal eine Zeit,
da kannten wir uns gut
und so wie wir damals waren
haben wir uns akzeptiert.

Heute sehe ich dich und ich erkenne dich nicht mehr
man denkt, dass wir uns kannten sei schon viele Jahre her,

Es scheint, als sei ich dir total egal
mir scheint ich bin allein,
die Sonne scheint hier eh nicht mehr
und unsre Zeit scheint vorbei zu sein.

Es gab mal eine Zeit,
da hab ich dir vertraut.
Wir haben viel von uns erzählt,
uns gegenseitig zugehört.
Es gab mal eine Zeit,
da konnte ich mit dir reden
ohne das Gefühl zu haben,
dass dich alles von mir stört.

Heute sehe ich dich und ich erkenne dich nicht mehr
man denkt, dass wir uns kannten sei schon viele Jahre her,

Es scheint, als sei ich dir total egal
mir scheint ich bin allein,
die Sonne scheint hier eh nicht mehr
und unsre Zeit scheint vorbei zu sein.

Und jedes mal wenn ich dich sehe
schlägt es mir wieder ins Gesicht,
ich suche verzweifelt meinen alten Freund,
doch das interessiert dich nicht.
Jedes mal stirbt ein weiterer Teil in mir
und es verletzt mich sehr,
zu sehen den Menschen der mir so sehr fehlt,
den gibt es gar nicht mehr.

Heute ist es so,
ich sehe dir zu,
wie du weg von mir
und von dir selber rennst.

Ich sage es so wie
du dir selber es oft denkst
und wie du's selber schon gesagt hast:
Es tut mir leid dass du mich kennst.

© Tisch7
Text: Frederik H.

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Nachtrag 22.05.2013

Schwebebahn:
Das Land NRW hat, nach Sachstand 2005 insgesamt EUR 288 Mio zur Finanzierung des Neubaus in Anerkennung der Kostensteigerungen übernommen.

Die WZ nennt nun aktuelle Schulden der WSW:

„Die Stadtwerke WSW AG hat 600 Millionen Euro für den Ausbau der Schwebebahn zu bezahlen“

Damit beläuft sich die Gesamtsumme Abriss Schwebebahn auf knapp 900.000.000 Euro.

Gesamtkosten in Bewilligung des Erstantrags.: 225,3 Millionen Euro

Kostensteigerung in etwa 399,5%

Erinnern Sie sich an das Bild aus 1997:

Schwebebahn 1997

Nein, natürlich nicht, kennt kaum einer, oder will heute keiner mehr kennen – und das waren auch noch DM-Zeiten, also sogar noch viel zu optimistisch, aber

„Wir wuppen das“, und zudem, „Wuppertal macht was anderes“, und „Wir sparen um zu gestalten“

Beteiligung Wuppertaler Stadtwerke
Kleinere Kostensteigerungen gibt’s auch bei der WSW Beteiligung

„Die Stadtwerke sind über ihren Partner GSED (Gas du France) mit etwa 120 Millionen Euro beteiligt, die teilweise über Kredite finanziert sind. Weil der Bau sich aufgrund von Problemen (Risse im Kessel) verzögert hat und zudem teurer wurde, wollen die GSED von den Stadtwerken zusätzliche Millionen“

WSW-Beteiligung

Solch unangenehme Kleinigkeiten haben wir in Vergangenheit schon mehrfach gewuppt:

Die Entwicklung der WSW AG

und auch hier:

Die Entwicklung der WSW AG – Fortsetzung

Wir haben deshalb der Stadt Wuppertal 2007 ein neues Stadtwappen gestiftet, welches sich nicht mehr nur an den althergebrachten und überkommenen Werten der Garnnahrung orientiert, sondern Tradition und die visionäre Gestaltungskraft der Gegenwart vereint, und damit sogar heute noch den aktuellen Ansprüchen unseres neuen Leitspruches entspricht.

Wappen Wuppertal

“Wuppertal macht was anderes”

Nachtrag – Was denkt unser OB Peter Jung dazu?

OB-Peter Jung
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