Der Eurofighter und die Schlüsselmeister

Mit dem Gau beim geplanten Kauf der amerikanischen Drohnen Euro Hawk vom amerikanischen Herstellers Northrop Grumman haben wir nur eine Menge Steuergeld in den Sand gesetzt, und dürfen beim Drohnenkrieg nach Bundeswehrberichten vorerst nur mit veraltertem Spielzeug mitmachen, das in Afghanistan dauend kaputt geht.

Mit dem Eurofighter hat Europa sich selbst eine Kriegswaffe gebaut, und die funktioniert nur mit regelmäßiger Dateneingabe aus den USA?

Quelle und Original

Den Fernsehbericht des ORF dazu findet man hier:

ORF

Das Thema ist in Österreich seit 2007 bekannt – mit der damals bevorstehenden Auslieferung der bestellten Eurofighter an Österreich.

„Das Nachrichtenmagazin NEWS deckt auf, dass jene Eurofighter, die am 1. Juni 2007 nach Österreich angeliefert werden sollen, aufgrund bisher fehlender Lizenzen nicht einsatzfähig sind. Ein Flugbetrieb durch die österreichische Luftwaffe ist damit nicht möglich.“

„Es geht bei den fehlenden Lizenzen um das für den Flugbetrieb nötige GPS-System und das Datenfunksystem MIDS LVT (Multi Information Distribution System – Low Volume Terminal), die laut Kaufvertrag bereits zwölf Monate vor Auslieferung zur Verfügung hätten stehen sollen. Zudem ist im Kaufvertrag zu lesen: “Ohne GPS-Krypto-Variable steht nur die zivile GPS-Genauigkeit zur Verfügung.”

„Ausdrücklich wurde festgeschrieben, dass der Hersteller die Jets auch ohne die entsprechenden Geräte ausliefern darf. Durch diese Bedingungen im Kaufvertrag wird ein Vertragsausstieg durch die Republik verhindert, obwohl die Jets ohne Lizenzen zum Anlieferungszeitpunkt für Österreich nicht einsatzfähig sind.“

„Nach derzeitigem Verhandlungsstand wird das Nicht-NATO-Mitglied Österreich bis zur Anlieferung der ersten Jets keine Lizenzen erhalten. Selbst Bemühungen der deutschen Luftwaffe für Österreich die nötigen Lizenzen zu erhalten, sind bisher gescheitert.“

Quelle und Original

Es geht wohl um diese Technik hier – der Datenlink des Eurofighters

Seit bekannt ist, dass für den Einsatzbetrieb des Eurofighters US-Lizenzen benötigt werden geistern mehr oder weniger bekannte Abkürzungen durch die heimische Innenpolitik und Medienlandschaft.

„Die Abkürzung “MIDS” steht für “Multifunctional Information Distribution System”…

…MIDS-LVT Geräte sind inzwischen schon in über ein dutzend Länder geliefert worden – darunter auch Japan, Australien, Neuseeland, Saudi Arabien und die Schweiz.

Mit dem LVT können auch vermehrt “kleinere” Plattformen mit den Linkfähigkeiten ausgestattet werden. Neben dem Eurofighter Typhoon wurden auch die französischen Rafale und Mirage 2000, die F/A-18, F-15, F-16, Tornado, Super Hornet und auch Kampfhubschrauber wie der AH-64 und der deutsch-französische Tiger mit MIDS-LVT ausgestattet….

Security Issues – die Schlüsselmeister

Wer auch immer in den Genuss des “P(Y)-Codes” kommen möchte ist rigiden Sicherheitsbestimmungen unterworfen. Das fängt schon bei der Beschaffung von Geräten an, die theoretisch mit dem so genannten “COMSEC-Schlüssel” geladen werden können. Um mit einem potentiellen Kunden über den Ankauf solcher Geräte verhandeln zu dürfen benötigt die Industrie eine Freigabe durch das GPS Joint Program Office mit Sitz in Los Angeles. Doch das ist nur ein Teil der notwendigen Prozedur.

Der Deputy Undersecretary of Defense Space (ODUSD/C3I) hat das HQ U.S.A.F. Space Command zur Kontroll-Autorität über das kryptografische GPS-Material ernannt. Der “COMSEC-Schlüssel” selbst ist als “VERTRAULICH” eingestuft und wird entsprechend gehandhabt. Verteilt wird der Schlüssel über mehrere “Distribution Center” welche ihrerseits so genannte “COMSEC Custodians” einsetzen um den Nutzern den Schlüssel zur Verfügung zu stellen.

Die “COMSEC Custodians” laden den Schlüssel über ein Gerät, welches nur ihnen zur Verfügung steht, in das/die GPS-Navigations-Geräte. Der Schlüssel selbst ist dann für max. ein Jahr verwendbar bzw. bis zu jenem Moment, wo das Gerät aufgrund von Wartungsereignissen oder unsachgemäßer Behandlung den Schlüssel “verliert”. Einmal geladen ist das GPS-Gerät selbst nicht “Vertraulich” muss allerdings mit entsprechender Sorgfalt verwahrt bzw. verwendet werden.

Anders als in öst. Medien und Politik dargestellt sind die “COMSEC Custodians” übrigens keine US Offiziere, sondern entsprechend geschulte Mitarbeiter eines zivilen Unternehmens welches vom US DoD beauftragt wird.“

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So fragt man in Österreich – aufgeweckt durch die Snowden Enthüllungen – aktuell nun an:

Parlamentarische Anfrage über zwei verdächtige Amerikaner in Zeltweg

In der Kaserne Zeltweg, wo auch der Eurofighter stationiert ist, haben zwei US-amerikanische Staatsbürger nicht nur Zutritt zur militärischen Liegenschaft, sondern auch einen eigenen Arbeits- und Büroraum. “Diese zwei US-amerikanischen Staatsbürger arbeiten angeblich für eine zivile US-amerikanische Firma. Dahinter steht angeblich die NSA, die National Security Agency”, fasst FPÖ-Sicherheitssprecher NAbg. Harald Vilimsky die alarmierende Verdachtslage zusammen.

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Nun ist Österreich definitiv kein Nato-Land, und deshalb schickte das United States Department of Defense wohl zwei vertrauenswürdige Mitarbeiter – die Schlüsselmeister, damit die Österreicher mit den in Deutschland gekauften Jets auch ein wenig real spielen können – quasi als Kulanzlösung.

Die Österreicher haben sich als Nicht-Nato-Land also für 1,959 Mrd. Euro in München Kampfjets gekauft, die ohne die permanente Anwesenheit zweier outgesourcter US DoD Mitarbeiter zwar fliegen, aber mit einem Kommunikationsstand ziviler GPS-Geräte.

Da stellt sich doch die Frage, für wen oder was brauchen die Österreicher die Flieger – außer zum Spielen?

Die entscheidende Frage für alle anderen Nato-Partner ist dann wohl – was wollen wir mit dem Eurofighter im Ernstfall, wenn ohne die Schlüsselmeister oder ohne GPS-Krypto-Variable der „amerikanischen Bündnispartner“ bisher wohl nur die zivile GPS-Genauigkeit zur Verfügung steht? Also auch nur spielen, oder mit Erlaubnis auf “die Richtigen” ballern!

"Eurofighter"

Heißt das nun – kein Krieg mehr ohne die freundliche Hilfe der Amerikaner?

Betrachtet man die Umstände des Verkaufs an die Österreicher – die das Geschäft zwischenzeitlich liebend gerne wieder storniert hätten – erfahren wir zudem, wie „große Geschäfte“ gemacht werden – ein schönes Beispiel erfolgreicher Betrugs-, Hinterziehungs-, Schmier- und Gegengeschäfte – die Eurofighter-Affäre.

Die Eurofighter-Affäre

Zudem stellt sich für all unsere Waffenexportgeschäfte insgesamt die perfide Frage – was nützen anderen Ländern im Ernstfall die bei uns gekauften Waffen, wenn die „amerikanischen Bündnispartner“ die Lizenzen einfach „abstellen“?