Julian Reichelt – der "Milchbubi" der "Bild"

Es gibt Sternstunden der täglichen deutschen Presseschau – und heute war wieder so ein Tag – mit dem wunderschönen Beitrag von Julian Reichelt in unserer geliebten „Bild“:

Snowden ist kein Held!

„Datenschützer und Bürgerrechtler haben einen neuen Helden: Edward Snowden, Ex-Geheimdienstler, der die Überwachungs-Exzesse seiner Branche enthüllt hat und sich mutig gegen seine eigene Regierung stellt.

Ja, es gab sie wohl, die Abhör-Exzesse. Ja, die USA haben offenbar sogar befreundete Regierungen bespitzelt.

Aber das macht Edward Snowden noch lange nicht zu einem Helden.

Denn Snowden ist dafür verantwortlich, dass jeder Terrorist der Welt in den letzten Tagen sein Handy weggeworfen, seine E-Mail-Adresse abgeschaltet hat.

Er ist dafür verantwortlich, dass nun jeder detailliert im Internet und in allen Zeitungen der Welt nachlesen kann, wie die USA und ihre westlichen Verbündeten die gefährlichsten Männer dieses Planeten jagen.

Ja, wir wissen jetzt, wie umfassend die USA das Internet überwachen. Wir können das als Sieg unserer Bürgerrechte feiern.

Aber wahr ist auch: Wir feiern mit den Falschen. Snowden ist auch ein Held für all jene, die in Berlin, Madrid, London Busse in die Luft sprengen wollen.“

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Und wir erfahren in “Bild” auch gleich

Agenten-Welt zittert vor diesem Milchbubi

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Wer also ist dieser göttliche Julian Reichelt – Urheber dieser Zeilen?

„Julian Reichelt wurde 1980 in Hamburg geboren. Von 2002 bis Ende 2003 volontierte er bei BILD, wo er inzwischen als Chefreporter arbeitet. Zuvor war er freier Autor, ebenfalls für BILD, für Park Avenue und andere. Für BILD berichtete er über die Kriege in Afghanistan, im Irak und in Georgien, sowie über den Libanonkrieg im Sommer 2006. Für seine Reportage “Sie können uns töten, aber niemals besiegen”, erschienen in BILD, erhielt er 2008 den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten in der Kategorie “überregionale Tageszeitungen”.

Man muß gestehen – der Mann hat eine Menge „BILD“ung und schreibt solche Sätze:

„Durch die gepanzerten Fenster unseres Humvee-Jeeps sah ich Kinder, die in der Abenddämmerung auf einem Friedhof spielten. Sie ließen Drachen steigen. Die Silhouetten der Zukunft auf den Gräbern der Vergangenheit. Tod und Hoffnung liegen in Afghanistan dicht beisammen, dachte ich, während wir vorüberrollten.“

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Mir persönlich geht es so:

Wenn ich Sätze wie die oben zitierten von Julian Reichelt lese, und zudem die Vita betrachte, drängt sich bei mir der Verdacht auf, es nach der Vita mit einem extrem „Bild“ gestörtem Menschen zu tun zu haben, der außer „Bild“ in seinem Leben leider kaum andere Erfahrungen machen durfte. Und was das heißt – 11 Jahre fast nur für „Bild“ zu arbeiten – dürfte sich wohl jeder vorstellen können, der Mann hat also Mitleid verdient.

Also – lieber Julian Reichelt – es stimmt – “Sie können uns töten, aber niemals besiegen”. Nur wird Sie wohl niemals jemand töten wollen, denn Ihr Weltbild ist derartig beschränkt, das keinerlei Anlass besteht, Sie zu besiegen. Besiegt haben Sie sich bereits ganz alleine, denn die „Silhouetten der Zukunft“ werden „Journalisten“ wie Ihnen keinerlei Berechtigung mehr geben, uns solch einen Orwellschen Neusprech aufzutischen – oder – es gibt für uns eben keine Zukunft mehr, und dann sitzen Sie als „Milchbube“ der „Bild“ endlich mit im Boot der Realität.

Ich liebe die Kontoverse – und Sie haben dazu einen der besten Artikel der Gegenwart geliefert – Hut ab!

Sollten sich “anständige Bürger” wegen der Überwachung sorgen? – Ein Erfahrungsbericht aus den Schattenkriegen

“Wir sollen uns doch bitte nicht so aufregen. Vor ein bisschen Überwachung und ausufernden Sicherheitsbehörden hätten “anständige Bürger” doch gar nichts zu befürchten. Wir sollten doch laut Sylvia Braun auf FOCUS.de einfach einsehen, dass “es gut ist, bestimmte Daten der User im Netz zu speichern.” Wenn es beim Fangen von Terroristen und Kriminellen hilft, sollte es uns doch Recht sein! Und es übertreiben halt mal wieder die USA, vielleicht auch Chinesen und Russen – aber wir feinen Europäer doch nicht. So klingt es beschwichtigend in vielen Texten und Gesprächen in diesen Tagen und es ist klar: in wenigen Wochen werden wieder andere Themen die Medien und Politikforen dominieren.”

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Überwachtes Deutschland

“Adenauer als Abhörchef im Dienste der Alliierten? Franziska Augstein reibt sich die Augen angesichts einer eigentlich unglaublichen, leider wahren Geschichte, recherchiert durch den Historiker Josef Foschepoth in geheimen Archiven, niedergelegt in diesem lesenswerten Buch. Dass die Bespitzelung der eigenen Bevölkerung keine exklusive Spezialität der DDR war, sondern Adenauers freie, rechtsstaatliche und demokratische Bundesrepublik dem keineswegs nachstand, kann Augstein hier nachlesen. In Zahlen sah das folgendermaßen aus: rund 90 Millionen beschlagnahmte beziehungsweise geöffnete Postsendungen zwischen 1951 und 1972, gerechtfertigt von den Alliierten und ihrem willigen Vollstrecker, der Adenauer-Administration, mit der Bedrohung durch den Osten. Wenn der Autor hier den “schweren Verfassungsbruch” konstatiert, wundert sich Augstein nicht weiter. Dass die Vorbehaltsrechte (vulgo Spitzelberechtigung) der Alliierten bis heute nicht aufgehoben wurden, überrascht die Rezensentin dagegen schon. An die Souveränität Deutschlands kann sie nach dieser Lektüre nicht mehr so recht glauben.”

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