Der kommende Aufstand - Update

Nach den Wahlen ist vor den Wahlen – deshalb hier auch noch einmal ein Hinweis auf die inzwischen unter You Tube als Vorleseversion verfügbare Aufbereitung des Pamphletes „Der kommende Aufstand“.

Bereits vor zwei Jahren habe ich dieses frei verfügbare Dokument des Comité invisible hier als Buch zur Verfügung gestellt:

Der kommende Aufstand

Inzwischen braucht man einfach nur noch zuzuhören:

Die für meine Begriffe ausagekräftigste Rezension zum Text findet man hier:

Aufstandsphantasien von Joachim Hirsch auf links-netz.de

Auszug:

“Im ersten Teil, der Beschreibung der herrschenden Zustände, ist der Text brillant und liest sich gut, zumindest für intellektuell Geschulte. Hier findet das Schimpfen der gemeinen WutbürgerInnen einen Ausdruck von beinahe literarischer Qualität. Alle bekommen ihr Fett ab, Attac und sonstige NGOs, die Parteien ohnehin, die alternative Kleinbourgeoisie, die Ökos und andere Gutmenschen. Sie sind nichts anderes als Stützen des bestehenden Systems. Das ist oft ziemlich treffend formuliert. Der Reiz des Textes liegt zunächst einmal darin, dass er in schön zugespitzten Formulierungen das ausdrückt, was man fühlt, wenn man alltäglich Fernsehen guckt, Radio hört oder die Zeitung liest, auch wenn das alles nicht besonders neu ist. Er drückt eine Stimmung aus und enthält zugleich das Versprechen, man könnte der bedrückenden Ohnmacht irgendwie entkommen, einer Ohnmacht, die daraus resultiert, dass sich an den bestehenden Verhältnissen scheinbar nichts ändern lässt. So ist der Text auch eine Art Antidepressivum für Linke. Es kann schon deshalb eine kurzfristige Wirkung erzielen, weil die in ihm anvisierten praktischen Handlungsdimensionen ziemlich weit weg von der Alltagserfahrung der meisten LeserInnen liegen dürften. Vor allem bleibt die ebenso schwierige wie unangenehme Frage ausgeklammert, was es heißt, die eigene Lebensweise tatsächlich zu verändern. “

“Dies könnte auch die Beachtung erklären, die die Schrift von Stéphane Hessel fast gleichzeitig gefunden hat. Diese fordert allerdings nicht den Aufstand, sondern nur Empörung, ist sehr moralisch und appelliert an die Ideale der Résistance. Hier handelt es sich sozusagen um klassischen Reformismus. Beim ”Kommenden Aufstand” kommt die sprachliche Brillanz dazu, die in Redaktionsstuben sicher eine größere Aufmerksamkeit erregt als dröge Polittexte. Wunderbar ist auch die Klarheit, mit der Tatsachen festgestellt und Wahrheiten ausgesprochen werden. Hier erscheint die Welt eher unkompliziert und ihre Beschreibung ist eingängig, also genau das, was Kommentatoren brauchen. Möglicherweise erfasst auch Zeitungsredakteure bisweilen die Wut über das, was sie in ihren Nachrichten bringen, eine Wut, die sie aus Opportunitätsgründen in ihren Blättern nicht äußern dürfen. Der ”Kommende Aufstand” ist ein Text von Intellektuellen für Intellektuelle und das ”Wir”, mit dem die Verfasser das schreibende Subjekt bezeichnen, bezieht sich auch auf diese Szene. Man ist sozusagen unter sich.”

Die Rezension schließt mit der Feststellung:

“Möglicherweise gilt für den ”Kommenden Aufstand” genau das, was die Autoren selbst für kritische Literatur insgesamt festgestellt haben:

”Die Literatur ist in Frankreich der Raum, den man selbstherrlich zur Unterhaltung der Kastrierten zugelassen hat. Sie ist die formelle Freiheit, die denen gewährt wird, die sich nicht an die Nichtigkeit der realen Freiheit gewöhnen”

Ja – der Raum, den man selbstherrlich zur Unterhaltung der Kastrierten zugelassen hat ist die Schrift, und noch das Internet.

Der Text zeigt, wie sehr sich vermeindlich Rechts- oder Linksradikale in einem Text wieder finden können, der zumindest im ersten Teil nichts weiter als eine perfide, analytische Zustandsbeschreibung ist.

Gemeinsam ist beiden Gruppierungen der Trugschluss, dass ein Akt des Aufstandes irgendwo in der Geschichte jemals irgendeine Dynamik entfaltete, die einen neuen Menschen und eine neue Vergesellschaftungsweise hervorgebracht hat. Nein – jeder Akt des Aufstandes hat immer nur nur neues Leid, neue Qual, und neue Knechtschaft mit sich gebracht. – aktuell mag dazu der arabische Frühling dienen.

Nein – es ist nicht ein Aufstand, es ist ein zukünftiges entschiedenes Bewußtsein, das auf Dauer eine Dynamik entfalten wird, eben das Bewußtsein , dass alle Zustandsbeschreibungen des ersten Teils des Pamphletes „Der kommende Aufstand“ für unsere Realität vollständig zutreffen, einerlei ob von recht oder links betrachtet.

Insofern ist Joachim Hirsch wohl parteipolitisch gefangen – und wir bleiben es dann ebenfalls auf Dauer, wenn es uns nicht gelingt, über die Klüfte einer politischen verordneten Zuordnung Konsens zu finden, zu einer verbindlichen Aussage, wie wir in Zukunft leben wollen.