Zocken bis der Staat hilft

Zocken bis der Staat hilft
Reißt uns die Finanzindustrie in den Abgrund?

Zur Reportage von Wiltrud Kremer und Brigitte Schalk – ARD – heißt es:

“Subprime-Krise in den USA, drohende Staatsbankrotte, wann platzt die nächste Blase? Hunderte von Milliarden schwerer Risiken schlummern in den Bad Banks der Deutschen; Hinterlassenschaften zockender Banker und enthemmter Finanzjongleure. Sie werden jeden deutschen Steuerzahler Tausende von Euro kosten. Und dieselben Banken tarnen und täuschen uns weiter über das gegenwärtige Risiko.”

“Schon wieder haben sie milliardenschwere Staatsanleihen fragwürdiger Qualität in ihren Depots. Was die wert sind, weiß keiner.”

“Dabei hieß es doch hier im Land: Die Amerikaner sind schuld. Ohne bankrotte Hausbesitzer in den USA und die US-Pleitebanken wäre deutschen Banken nichts passiert. Ein Märchen? Es waren grade die Landesbanken mit Staatsgarantie, die unkontrolliert, gierig und unfähig die schlimmsten Giftpapiere gekauft haben.”

“Auch noch, als die Welt längst wusste, dass die Blase platzt. Die dummen Deutschen kaufen weiter, amüsierten sich die Insider in London und an der Wall Street. Deutsche Banken waren mit die schlimmsten Zocker, sagt Leo Müller, Autor eines Buches mit dem Titel “Bankräuber” und Experte für Finanzkriminalität. Und dann waren deutsche Landesbanken die trickreichsten Bilanztäuscher, aber immer mit Deckung der höchsten Politik.”

“Wiltrud Kremer und Brigitte Schalk treffen auf der Suche nach Ursachen und neuer Krisengefahr vermeintlich Unschuldige, bankrotte amerikanische Häuslebauer, ehemalige Top-Banker und deutsche Politiker. Die Deutschen sind nicht in die Finanzkrise hineingerutscht. Viele haben kräftig mitgezockt. Und die deutsche Politik hat Wettpate gespielt. Auch zwei Jahre nach der Finanzkrise ist sie weder aufgearbeitet noch haben die Deutschen viel daraus gelernt.”

ARD - Quelle und Original


Zocken bis der Staat hilft – Teil 1/3

Zocken bis der Staat hilft – Teil 2/3

Zocken bis der Staat hilft – Teil 3/3

ARD Mediathek - Zocken bis der Staat hilft



Schuld sind grundsätzlich die anderen – so könnte man das Auftreten des Ex-Bundesfinanzministers Peer Steinbrück im Film kommentieren. Das verwundert nicht, denn die Qualitäten von Peer Steinbrück haben wir bereits sehr früh in NRW kennengelernt:

Bereits für die Jahre 2001 und 2002 hatte Peer Steinbrück als Finanzminister in NRW zwei verfassungswidrige Haushalte vorgelegt, zu denen ihm das Landesverfassungsgericht in Münster bescheinigt hat, dass er zur Präsentation eines ausgeglichenen Haushaltes widerrechtlich kreditfinanzierte Rücklagen nutzte.
Steinbrück wurde nicht zur Verantwortung gezogen und trat auch nicht zurück .

Als Bundesfinanzminister hatte er wesentlichen Anteil, genau da in die Gesetzgebung einzugreifen, wo es um die Kontrolle der heute so toxischen Finanzgeschäfte ging, ebenso wie er wesentlich für die – im übrigen – strafbare Insolvenzverschleppung der HRE zuständig war.

Nun ist er Ex-Bundesfinanzminister und schreibt ein Buch – „Unterm Strich“ – wohl um sein bescheidenes Auskommen aufzubessern.

Der Stern kommentiert Steinbrück´s Buch „Unterm Strich“ wie folgt:

„Steinbrück, der sich momentan das Format eines SPD-Kanzlerkandidaten für die nächste Bundestagswahl zuschreiben lässt, war ein ahnungsloser Abwiegler. Dabei saß ein Mann wie der Professor Max Otte, der die Krise schon Jahre vorher prophezeit hatte, im Sachverständigenrat. Auch die Warnungen des von ihm so angebeteten Helmut Schmidt schlug Steinbrück in den Wind. Weil er in seiner gesamten Amtszeit an einer chronischen Schwäche litt – seinen mangelnden Fähigkeiten als Ökonom.“

„Und noch einen zentralen Sündenpunkt verschweigt Steinbrück: Dass er als Finanzminister, gemeinsam mit seinem Staatssekretär Jörg Asmussen, die Spielräume für Spekulanten zunächst eifrig erweitert hatte. Asmussen darf heute Finanzminister Wolfgang Schäuble dienen. Steinbrück steht nicht mehr in vorderster politischer Linie. Aber er hat den Rückzug genutzt, um sein Wirken in der Finanzkrise schön zu schreiben.“

Der Stern - Schönschreiben Unterm Strich



Harald Schumann vom Tagesspiegel haben wir ebenfalls eine sehr realistische Einschätzung der Vita Steinbrück zu verdanken:

“Doch angesichts seiner nun schriftlich vorgelegten Verweigerung, das eigene Wirken kritisch zu prüfen, bleibt von Steinbrück unterm Strich wenig mehr als die Fähigkeit zur großspurigen Selbstdarstellung und grandiosen Selbsttäuschung, also etwa das, was auch schon Gerhard Schröder auszeichnete. Aber noch so einen Rosstäuscher als Kanzlerkandidaten kann sich die SPD nun wirklich nicht leisten.”

Tagesspiegel - Rosstäuscher Steinbrück



Sehr schön kommentiert ist auch der Propaganda-Auftritt von Steinbrück beim Kampagnenjournalist Beckmann, zu finden auf den NachDenkSeiten:

„… Gestern waren Steinbrück und Gauck im ARD bei Beckmann. Die beiden saßen da und agierten wie Grzimek und sein Affe selig. Beckmann schwang beständig das Weihrauchfass vor dem Krisenretter und Welterklärer, gelegentlich unterbrochen von bewundernden Zwischenreden des Beisassen. Nach allem, was wir darüber erfahren, muss es so auch im nordkoreanischen Fernsehen zugehen.“

NachDenkSeiten - Kampagnenjournalismus



Warum aber in den letzten Jahren die Finanzpolitik der BRD nun ausgerechnet in die Hände von Personen „mit mangelnden Fähigkeiten als Ökonom“ gegeben wurde, sei es bei der Besetzung der Bundesbank, oder des Bundesfinanzminister-Posten, ist wohl nur noch mit neoliberalen oder nordkoreanischen Maßstäben erklärbar.

“Politische Sprache dient dazu,
dass Lügen wahr klingen
und Mord respektabel und um dem reinen Wind
einen Anschein von Festigkeit zu geben”

(George Orwell, Schriftsteller)

“Unterm Strich” – der reine Wind, dem Peer Steinbrück versucht, einen Anschein von Festigkeit zu geben – oder warum sonst dieses Buch bei dieser Vita?

Mit den Auswirkungen des Ex-Finanzministers „mit mangelnden Fähigkeiten als Ökonom“ haben wir zur Zeit nun auch in der BRD noch viel Spaß – denn wir bezahlen nun 25 Millionen Euro an Boni, den die verstaatlichte Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) an ihre Mitarbeiter gezahlt hat.

Millionengeschenke an Pleitebanker

HRE – Hypo Real Estate – Betrug

“Mit ihrer durch Kartelle und Verbände noch gesteigerten Macht gewinnen die führenden Männer der Großwirtschaft einen Einfluß auf Staat und Politik, der mit demokratischen Grundsätzen nicht vereinbar ist. Sie usurpieren Staatsgewalt. Wirtschaftliche Macht wird zu politischer Macht. Diese Entwicklung ist eine Herausforderung an alle, für die Freiheit und Menschenwürde, Gerechtigkeit und soziale Sicherheit die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft sind. Die Bändigung der Macht der Großwirtschaft ist darum zentrale Aufgabe einer freiheitlichen Wirtschaftspolitik. Staat und Gesellschaft dürfen nicht zur Beute mächtiger Interessengruppen werden.” – Godesberger Programm 1959