Die verzweifelten Staaten von Amerika

Die verzweifelten Staaten von Amerika – Eine Nation verliert ihren Optimismus, so titelt der Spiegel in Heft 44/2010.

Barack Obama – im Ausland feiert er Erfolge, in der Heimat wächst die Ablehnung. Der Hoffnungsträger enttäuscht Millionen von Amerikanern. Sie glauben das Land geht vor die Hunde und ihr Präsident trägt Schuld daran. Was steckt dahinter? Warum versammeln sich enttäuschte Bürger in rechten Zirkeln und warum bereiten sich Milizen auf einen fiktiven Bürgerkrieg vor?

Obamaland ist abgebrannt – der Niedergang der USA

Video Obamaland ist abgebrannt beim WDR



Es braut sich was zusammen, so titelt Wolfgang Lieb auf den NachDenkSeiten:

..Auffallend ist, dass vor allem das „Große Geld“ wie in den USA den Rechtspopulismus massiv unterstützt oder wie bei uns stillschweigend duldet oder gar mit Sympathie verfolgt.

Die zumindest wohlwollende Duldung des Rechtspopulismus durch das Finanzkapital oder durch die Wirtschaftsoligopolisten hat sein Grundmotiv darin, dass gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, die Wut von den Gewinnern der Krise auf Minderheiten, also auf Ausländer oder auf vermeintlich faule „Sozialschmarotzer“ abgelenkt werden kann. Denn es sind vor allem die Verlierer bei der zunehmenden Spaltung der Gesellschaften und die vom sozialen Abstieg bedrohten Mittelschichten, die nach rechts schwenken. Die Großwirtschaft und die Rechtspopulisten verbindet weiter – wenn auch aus unterschiedlichen Motiven – eine Abwehrhaltung gegen „diesen“ Staat. Bei der Wirtschaft aus dem Glauben an den Markt, der alles besser kann als der Staat. Bei den „Verlierern“ aus dem Gefühl, dass die Politik nur Klientel bedient und die Politiker sich nur selbst bedienen und damit aus dem Verlust an Vertrauen in das Funktionieren der Demokratie…

Quelle Nachdenkseiten


Die Parallelen zu Deutschland sind zwingend, wir hinken dieser Entwicklung nur noch ein wenig hinterher.

Ähnlich wie in den USA versteht die neokonservative Presse auch hier sehr gut, die Emotionen auf die Verlierer der Weltwirtschaftkrise zu lenken, die Demokratie bleibt dabei auf der Strecke. Wir haben uns politisch der gleichen Mechanismen bedient, die aus der Krise führen sollten, wie die USA, wir haben seit Jahren bedingungslos die gleichen neokonservativen Methoden des Kapitalismus gefördert, wie die USA – vielmehr sogar mit den USA als Vorbild. Cross-Border-Leasing, Private Personal Partnerschip, Privatisierungen von kommunalen Eigentum, Zinswetten und viele andere „Anlagegeschäfte“, die in der Finanzkrise gescheitert sind, stammen aus den USA.

Doch die amerikanische Wirtschaft ist seit vielen Jahren totkrank! Die Arbeitslosenquote entspricht der Japans, amerikanische Firmen produzieren nicht mehr selber, die Investitionsfähigkeit der USA ist nicht zuletzt mit den Kosten für die beiden Angriffskriege im Irak und Afghanistan für Jahre verbrannt. Und genau das weiss die neokonservative Führungsschicht in den USA! Deshalb folgen immer wieder die Zwangsapelle an die “Bündnispartner” im “Krieg gegen den Terror”. Aber trotz zweier, eben von diesen Schichten angezettelter Okkupationskriegen um Rohstoffe als letzte Antwort zur Vormachtsstellung, sind die USA defakto pleite, gleichzeitig wurde aber auch noch jedes Vertrauen in eine demokratische Grundstruktur der USA mit den Folterpraktiken und den Morden im Irak und in Afghanistan verbrannt.

Eine Nation muss ihren Optimismus verlieren, wenn eine neokonservative Führungsschicht die Demokratie und die demokratischen Produktionsstrukturen innerhalb des Landes, und zusätzlich agressiv in der Welt zerstört. Übrig bleiben kann nur Hass und Wut – von innen und außen.

Der Niedergang Amerikas als führende Wirtschaftmacht zeichnete sich spätestens seit 2002 deutlich ab. Aus diesem Jahr stammen das folgende Essay:

Der Chefökonom der Commerzbank Dr. Kurt Richebächer hatte bereits 2002 unverhohlen den wirtschaftlichen Zustand der USA beschrieben – somit weit vor der globalen Wirtschaftskrise.

Goldseiten - Wahn und Wirklichkeit der US-Wirtschaft



Halten wir die Kernthesen aus Wahn und Wirklichkeit der US-Wirtschaft noch einmal fest:

..Das intellektuelle Niveau in der ökonomischen Diskussion ist heute (schon 2002) das niedrigste seit zweihundert Jahren ..

..Nach herrschender Meinung hat die amerikanische Wirtschaft in den vergangenen Jahren eine große Renaissance erlebt, die Wunder der Produktivität und der Gewinne vollbracht hat. Beobachtungen zeigten aber, dass die Wunder im Grunde nur in der Statistik, nicht aber in der Wirtschaft stattgefunden haben…

..Die Gewinnentwicklung der letzten Jahre ist die mieseste der gesamten Nachkriegszeit…

..Ihr Ziel besteht darin, Gewinne zu kaufen, die dann dem eigenen Gewinn zugeschlagen werden…

..Mehr als die Hälfte dieses Gewinnanstiegs von insgesamt 66 Prozent resultierte aus Zinssenkungen…

..Der Rest ergab sich aus sinkenden Abschreibungen, die entstanden, weil die amerikanische Wirtschaft Ende der achtziger Jahre aufgehört hatte zu investieren…

..Wer sich um die Wahrheit bemüht, erhält Kenntnis von diesen fast unglaublichen Zahlen ­ nur bemüht sich kaum jemand um diese Wahrheit. Produktivitäts- und Gewinnwunder sind in unseren Vorstellungen eng miteinander verkoppelt. Das eine Wunder fand so wenig statt wie das andere…

..Die Amerikaner haben in den achtziger Jahren beschlossen, bei der Berechnung der Investitionsrate den Faktor «Qualitätsverbesserungen» immer stärker zu berücksichtigen… ..Bezüglich der Computer-Leistung explodierte die Berechnung der Investitions- und Produktionszahlen für Computer: Sie versiebenfachte sich. Aus 34 Milliarden wurden in der Statistik 214 Milliarden. Diese 214 Milliarden machten 20 Prozent des realen Sozialprodukt-Wachstums aus…

..Ebenso beschlossen die amerikanischen Statistiker, Software-Ausgaben seien eigentlich nicht Kosten, sondern Investitionsausgaben. Daraus resultierten weitere 70 Milliarden für die Sozialproduktrechnung…

..Die gesamthafte Beurteilung der Vorgänge lässt den Schluss zu, dass der ganze Investitionsboom nicht wirklich, sondern nur in Form statistischer Veränderungen stattgefunden hat…

..Wir sind jetzt (schon 2002) an dem Punkt, wo die Abschreibungen in Amerika die Investitionen überholt haben…

..Das Produktivitätswunder hat nie stattgefunden. Es hat nur in der Statistik stattgefunden, nicht in der Wirtschaft. Es gab statistischen Zuwachs, aber keinen echten Produktivitätszuwachs für die Unternehmen…

..Prosperität kommt nicht von Produktivitätswundern, sie kommt vom Sparen und vom Investieren…

..Wenn Sie heute (schon 2002) die Nasdaq-Unternehmen betrachten und all ihre Abschreibungen berücksichtigen, dann haben diese Unternehmen seit 1995 keinen Pfennig verdient. Sie sind alle in den roten Zahlen…

..Sie erzielten Scheingewinne in der Vergangenheit, die sie grossenteils aus dem Aktienmarkt geholt haben. Das waren aber alles Papiergewinne, Scheingewinne, keine Gewinne aus Produktion und Produktivität. Es war alles Betrug…

..Der Punkt ist: Die Kredite gehen nicht in die Wirtschaft. Und sie gehen nicht vom Unternehmen in die Wirtschaft, weil die Unternehmen nichts mehr verdienen.
Der einzige, der bis jetzt (schon 2002) noch immer mehr gepumpt hat und die Konjunktur noch einigermassen hochgehalten hat, war der Konsument. Und die Amerikaner sind ganz stolz darauf, dass der Konsument sein Haus immer mehr bis zum Schornstein verschuldet…

..Wo ist die Prosperität, wenn sie darin besteht, dass die Konsumenten ihre Ausgaben nur steigern können, indem sie ihr Haus beleihen? Das ist doch Schwachsinn!..

..Die Amerikaner und die Angelsachsen sparen überhaupt nicht, investieren auch nicht, aber sie haben Kreditsysteme, die bis zum Exzess darauf eingerichtet sind, Konsumkredit zu finanzieren…

..Die Besonderheit Amerikas besteht also darin, dass es ein Kreditsystem hat, das voll und ganz auf Konsumkredit ausgerichtet ist. Und die Scheinprosperität der Amerikaner besteht darin, dass sie immer weniger sparen, immer weniger investieren, immer mehr konsumieren. Die alten Ökonomen nannten diesen Prozess Kapitalkonsum. Und das führt zwangsläufig zum wirtschaftlichen Niedergang…

All diese Thesen waren bekannte, aber verschwiegene Realität, wie sollte ein einziger Präsident in zwei Jahren – noch dazu im „Würgegriff“ des großen Geldes – diese Entwicklung umdrehen? Trotz Nobelpreis war dies wohl nicht mehr als eine zweckoptimistische Erwartung an Obama im Zentrum der Krise!

All diese Thesen wurden von unserer Mainstream-Presse kaum thematisiert, von unserer Politik ignoriert, bis heute macht unsere jetzige Bundesregierung weiter wie gehabt, befindet sich tiefer denn je im Würgegriff des neokonservativen Kreditwesens. Auch für uns wird der Traum des Exportweltmeisters platzen, ein demokratisches Vertrauen in die Politik ist schon längst verspielt.

Und so instrumentalisiert heute die neokonservative Politik in den USA Ängste aber auch unabwendbare Fakten in aufwendig angelegten Werbespots gegen Obama:

Warum große Nationen scheitern

Die gleiche Propaganda ist zu erwarten, wenn unsere ehemalige SED-Sekretärin oder unser Geschenkkorb-Aussenminister nicht mehr nach den Spielregeln des Geldes zu tanzen gedenken.

Obamaland ist abgebrannt – wir sollten die oben gezeigte Reportage gut in Erinnerung behalten, die Bilder könnten sehr schnell schon bei uns Realität werden.

“Freiheit und Demokratie in der industriellen Gesellschaft sind nur denkbar, wenn eine ständig wachsende Zahl von Menschen ein gesellschaftliches Bewußtsein entwickelt und zur Mitverantwortung bereit ist. Ein entscheidendes Mittel dazu ist politische Bildung im weitesten Sinne. Sie ist ein wesentliches Ziel aller Erziehung in unserer Zeit.” – Godesberger Programm 1959

Nachtrag – China. Das Reich der Mitte ist der Profiteur der Wirtschaftskrise, Export-Weltmeister und neuerdings zweitgrösste Wirtschaft der Welt.

Schweizer Fernsehen - Chinas streben nach der Macht



2. Nachtrag – China. Das Reich der Mitte baut offensichtlich auch die besseren Hochhäuser als die USA, folgt man dem folgenden Bericht auf N24.

“Bei dem Brand wurden die Außenmauern des 234 Meter hohen torbogenförmigen CCTV-Towers teilweise geschwärzt, doch erlitten sie laut Stadtverwaltung keine strukturellen Schäden.”

Direkte Vergleiche zum WTC gehören natürlich zu den Verschwörungstheorien!

N24 - Großbrand im CCTV Tower