Weißer Mann - das Ende der weißen Weltherrschaft

Peter Scholl-Latour, Doyen des deutschen Auslandsjournalismus, analysiert im Zweiteiler „Das Ende der weißen Weltherrschaft“ 500 Jahre Herrschaft des “weißen Mannes” – und ihren Niedergang.

„Die Wahl eines US-Präsidenten mit afrikanischen Wurzeln ist Sinnbild eines tiefgreifenden, weltweiten Wandels. Scholl-Latour zeigt, wie die einst koloniale Welt im Aufbruch begriffen ist, wie sie sich vom “Westen” abwendet, neue Leitbilder sucht und sich auf eigene Stärken und Traditionen besinnt.“

Nostalgie und Höhenflug – 1. Teil

“Vor 500 Jahren begann mit den portugiesischen und spanischen Entdeckern das allmähliche Entstehen einer weißen Weltherrschaft, die um 1900 ihren Höhepunkt erreichte. Heute ist diese weiße Dominanz auf ein paar amerikanische Stützpunkte begrenzt und auf jene neu entdeckten Kontinente, die von weißen Siedlermassen bevölkert wurden. Im ersten Teil seiner Dokumentation spannt Peter Scholl-Latour den Bogen von Brasilien über Bolivien bis nach China. Im Jahr 2010 gehen wir einer kosmopolitischen Mischgesellschaft entgegen, die in Brasilien, einst portugiesische Kolonie, bereits eine erstaunliche Dynamik entwickelt hat. In Bolivien, von den spanischen Conquistadoren erobert und ausgebeutet, setzen sich heute die präkolumbianischen Indio-Kulturen durch. China wiederum, das nach den Boxeraufständen von 1900 vor der Aufteilung seines immensen Reiches durch europäische Mächte stand, entwickelt sich zum gigantischen Rivalen der USA.“

Ohnmacht und Anmassung – 2. Teil

“Peter Scholl-Latour untersucht die aktuelle Situation in den zentral-asiatischen Republiken Kasachstan und Kirgistan und spannt den Bogen bis nach Irak und Afghanistan. In Zentralasien zeigt er die Bedrängnis, der die russische Präsenz heute ausgesetzt ist. Wird der islamische Fundamentalismus auf die GUS-Staaten übergreifen?

Im Mittleren Osten und Zentralasien ist auch die amerikanische Weltherrschaft in schwere Bedrängnis geraten. Der Staat, der Nutzen aus dem gescheiterten Irak-Abenteuer des Jahres 2003 zieht, ist die Islamische Republik Iran. In Afghanistan – einem Land, in dem schon Großbritannien im 19. Jahrhundert scheiterte – fällt jede Strategie eines Rückzuges so schwer, weil die islamische Aufbruchstimmung bereits auf Pakistan übergegriffen hat und ein Scheitern der NATO die westliche Allianz zutiefst erschüttern würde.”

Das Ende der weißen Weltherrschaft

Betrachtet man diese beiden Reportagen, so bleibt folgendes festzustellen:

1. Das Statement unseres ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler im Deutschlandradio erhält eine klare Bedeutung:

Im Deutschlandradio hatte er auf eine Frage über das Bundeswehrmandat in Afghanistan gesagt, dass ein Land wie Deutschland, “mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren”. Es gehe auch darum, “ganze regionale Instabilitäten zu verhindern”, die letztlich die Chancen Deutschlands minderten, “durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern”.

“Die Wahrheit von heute ist die Lüge von morgen.” – das Sprichwort stammt aus Deutschland. Und deswegen musste die Wahrheit auch dementiert werden – somit haben wir einen neuen Bundespräsidenten.

2. Auf diese Art Wahrheiten und den daraus resultierenden Lügen werden wir mit zunehmender Handlungsunfähigkeit der westlichen Regierungen wohl auch in Zukunft weiter eingestimmt – betrachtet man nur diese aktuelle Berichterstattung:

Mutierende Al-Qaida Zellen infizieren Deutschland und andere europäische Staaten

Mutierende-Al-Qaida-Zellen



Mal abgesehen davon, das „Mutierende Al-Qaida Zellen“ in etwa so daherkommen wie die „Vogelgrippe“, von der man inzwischen zum einen weiß, welche „Gefährdung“ sie wirklich hatte, und zum anderem, wem Sie wirklich genützt hat, ist es wohl bezeichnend, mit welcher Bereitschaft fast alle Presseagenturen die platzierte Terror Warnung der Bundesregierung übernehmen. Lenkt diese Meldung doch bestens ab vom aktuell viel bedeutenderen, anstehendem absehbaren Zerfall der Eurozone und rechtfertigt ein weiteres Mal die unsinnige Präsens der Bundeswehr in Afghanistan!

Es war der Kriegsverbrecher Bush, der die Terrorangst mit 9/11 instrumentalisiert hat, die bedingungslos seit 2001 von fast allen Medien, sei es in den USA, oder in Europa, wiedergekäut wird, die zu den umfassendsten Einschränkungen demokratischer Freiheitsrechte geführt hat, einzig zu dem Zweck, zwei widerrechtliche Okkupationskriege zu rechtfertigen, die lange geplant die Überlebensfähigkeit der nunmehr trotzdem bankrotten USA garantieren sollten.

Und selbst das geht nicht auf – wirtschaftlich und politisch – sondern endet wohl – wie in Vietnam – im Fiasko. Und in Afghanistan ist nun auch unsere Bundeswehr unrühmlich dabei, diese geschichtlichen Lorbeeren der „Freiheitsverteidigung am Hindukusch“ zu ernten.

Vielleicht ist es Ihnen ja auch schon einmal aufgefallen, dass die Terroristen in Deutschland augenscheinlich immer aus dem gleichen Hause zu kommen scheinen:

“Graumelierter Terrorist mit Brille versetzt Deutschland in Angst und Schrecken”

Quelle


3. Ob der nicht mehr funktionierenden Demokratie, der Dekadenz der Selbstbedienung, und einer zusammenbrechenden kapitalistischen Wirtschaftsform in den westlichen Ländern – den Ländern des weißen Mannes – bleibt allen anderen Wirtschaftsnationen wohl am Ende nur zu wünschen, eben dieses Beispiel nicht fortzusetzen, und sich der eigenen Werte zu erinnern. Alles andere wäre, getreu Peter Scholl-Latour –

Ein Ausdruck entweder von Ohnmacht oder Anmaßung – und beides gibt es in den zur Zeit aufstrebenden Wirtschaftsnationen zum Glück nicht!

Und wir – im Umkehrschluss – sollten schnellstens politische Ohnmacht und Anmaßung überwinden, und uns unseren wirklichen Problemen widmen.

Längst hat die Finanzwelt die Politik fest im Griff.



“Das ist der Widerspruch unserer Zeit, daß der Mensch die Urkraft des Atoms entfesselte und sich jetzt vor den Folgen fürchtet; daß der Mensch die Produktivkräfte aufs höchste entwickelte, ungeheure Reichtümer ansammelte, ohne allen einen gerechten Anteil an dieser gemeinsamen Leistung zu verschaffen; daß der Mensch sich die Räume dieser Erde unterwarf, die Kontinente zueinander rückte, nun aber in Waffen starrende Machtblöcke die Völker mehr voneinander trennen als je zuvor und totalitäre Systeme seine Freiheit bedrohen. Darum fürchtet der Mensch, gewarnt durch die Zerstörungskriege und Barbareien seiner jüngsten Vergangenheit, die eigene Zukunft, weil in jedem Augenblick an jedem Punkt der Welt durch menschliches Versagen das Chaos der Selbstvernichtung ausgelöst werden kann.” – Godesberger Programm 1959